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Finanzkrise: Bundeswirtschaftsministerium will europäische Rating-Agentur aufbauen

von Cornelia Schmergal (Berlin)

Angesichts der Finanzkrise fordert das Bundeswirtschaftsministerium den Aufbau einer europäischen Rating-Agentur. In einem Strategiepapier des Ministeriums, das der WirtschaftsWoche vorliegt, heißt es, "die führenden Rating-Agenturen" hätten durch "fehlerhafte Ratings wesentlich" zu der aktuellen Finanzmarktkrise beigetragen.

Bundeswirtschaftsminister Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will eine europäische Rating-Agentur schaffen Quelle: dpa

Das gelte vor allem für strukturierte Finanzmarktprodukte. Daher sähen sich die Rating-Agenturen "mit einem erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust konfrontiert". Grundsätzlich müsse daher überlegt werden, "ob und wie eine europäische Alternative aufgebaut werde könnte".

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Konkret schlägt das Ministerium vor, das Datenmaterial der europäischen Notenbanken für den Aufbau einer europäischen Rating-Agentur zu nutzen. "Das Know-How der Notenbanken könnte der Nukleus einer Europäischen Ratingagentur sein", heißt es in dem Papier. Die Notenbanken genössen bei Marktteilnehmern eine hohe Reputation und "gelten als neutral und unabhängig von der Politik".

Im Zentrum einer solchen Rating-Agentur sieht das Ministerium dabei die Deutsche Bundesbank. Diese und die französische Notenbank seien bereits damit beschäftigt, die Bonität von Unternehmen zu bewerten, da sie "die von den Geschäftsbanken im Zuge ihrer Refinanzierung eingereichten Sicherheiten" ohnehin bereits prüften. Möglicherweise gelte das auch für die spanische und die italienische Zentralbank. Die Bundesbank verfüge aus dieser Tätigkeit über langjährige Datenreihen eines "modularen Ratingverfahrens für Unternehmen", heißt es in dem Papier. Aus dem Datenmaterial der Notenbanken könnte so "stufenweise" eine unabhängige und "komplette Rating-Agentur" aufgebaut werden.

Die bisher führenden Ratingagenturen dagegen litten unter "möglichen Interessenkollisionen", die daraus resultierten, dass Unternehmen von der Rating-Agentur beraten würden. Gleichzeitig seien die beurteilten Unternehmen Auftraggeber für die Konzeption bestimmter Produkte, an denen die Agenturen ein ökonomisches Interesse hätten, heißt es in dem Papier.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.10.2008, 20:00 UhrAnonymer Benutzer: Heger

    Gute Sache!

    bis jetzt sind Ratingagenturen in ertser Linie sich selbst verpflichtet. Vor dem Platzen der Fianzblase waren fast alle Kredite, die sich jetzt als faule Kredite herausgestellt haben mit A oder besser bewertet. Die aktuelle Entwicklung hat gezeigt, dass diese Einschaetzungen falsch waren. Faktisch sind die Agenturen in ihrer momentanen Struktur ueberfluessig, da sie nur ihrem selbst auferlegten Kodex unterliegen. Hier zeigt sich ganz eindeutig, dass eine staerkere Regulierung der Ratingagenturen angemessen ist und sinnvoll. Dann haette man mit den Ratings ein wirklich brauchbares instrument an der Hand um Kredite etc. zu beurteilen.
    Schliesslich muss man auch folgendes bedenken: Die zahlreichen Finanzspritzen den Laender weltweit traegt dazu bei die Kreditkrise abzufedern. Nur wenn mittel- und langfristig keine Gesetze erlassen werden, die eine Wiederholung der Krise verhindern, erzeugt der Geldzufluss an den Maerkten nur eine neue blase die in einigen Jahren erneut platzen wird.

  • 22.10.2008, 15:34 UhrAnonymer Benutzer: Harry Gambler

    Und sein parteifreund Huber wird Vorsitzender. Der Junge soll mal zuerst in seinem Parteiladen aufräumen. bervor er Europa verunstalten will.

  • 22.10.2008, 14:04 UhrAnonymer Benutzer: Bernd Höhne

    Kein Papier wird durch Rating sicherer. Rating-Agenturen dienen dazu Verantwortung auszulagern. Doch Rating-Agenturen haben auf breiter Front versagt. Nicht nur, dass damit faktisch überflüssig sind, sie vermitteln in Kriesenzeiten offensichtlich eine schädliche, trügerische Sicherheit. Vorschlag: Abschaffen oder für falsche Ratings haftbar machen.

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