Finanzkrise: Der US-Weg aus der Bankenkrise

Finanzkrise: Der US-Weg aus der Bankenkrise

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US-Wirtschaftsminister Timothy Geithner: Den Sog nach unten stoppen

Der US-Rettungsplan erhöht den Druck auf europäische Regierungen, Banken von faulen Wertpapieren zu befreien – und die Rechnung womöglich dem Steuerzahler zu präsentieren. Auch Deutschland will reagieren.

Vergleichbares hat es in den USA seit mehr als 70 Jahren nicht mehr gegeben. Binnen weniger Tage schnellte die Börse dort so stark in die Höhe wie seit 1938 nicht mehr. Die Kurse von zuvor als Komapatienten behandelten Finanzwerten wie AIG oder der Cititgroup legten innerhalb von zwei Wochen teilweise um fast 200 Prozent zu. Ausgelöst hat die Euphorie der jüngste Rettungsplan aus den USA, den Finanzminister Timothy Geithner am vergangenen Montag vorgestellt hat.

Bis zu einer Billion Dollar will Geithner lockermachen, um endlich das Kernproblem der Krise zu lösen. Die Banken sollen von faulen Krediten und Wertpapieren befreit werden, für die es nur noch einen eingeschränkten oder gar keinen Markt mehr gibt – und die deshalb ständig weiter abgewertet werden müssen. Das, so die Hoffnung, entlastet die Bilanzen der Institute, versetzt sie so in die Lage, neue Kredite zu vergeben und stoppt so den Sog, der die Konjunktur weltweit nach unten zieht.

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Ob die Preisfindung über eine Auktion klappt, ist unklar

Dabei will der Staat die Papiere nicht einfach kaufen. Dafür sind die geschätzten Bestände schlicht noch zu hoch. Vielmehr soll privaten Investoren der Einstieg schmackhaft gemacht werden. Dafür will ihnen Geithner staatlich garantierte Kredite gewähren und sich über einen öffentlich-privaten Fonds, der von Experten aus der Finanzindustrie gemanagt wird, direkt am Aufkauf beteiligen.

Der Wert der derzeit wertlosen Papiere soll über ein Auktionsverfahren ermittelt werden. Das könnte dazu führen, dass sich wieder Marktpreise bilden, wodurch das gesamte System die Schockstarre überwinden würde. Geithner nimmt für sich in Anspruch, damit eine marktwirtschaftliche Lösung gefunden zu haben. Mit Pimco und Blackrock haben bereits zwei der größten Fondsgesellschaften erklärt, sich an dem Programm zu beteiligen.

Ob der Plan wirklich der erhoffte Befreiungsschlag ist, wie es die Entwicklung an der Börse nahelegt, ist unter Experten höchst umstritten. So ist unklar, ob die Preisfindung über eine Auktion so funktioniert wie erhofft. Erschwert wird sie jedenfalls über die ungeheure Komplexität vieler Produkte. Was man kaum versteht, lässt sich auch kaum bewerten.

Wenn die Banken diese Papiere unter dem Buchwert verkaufen, müssen sie Abschreibungen vornehmen. Wenn sie sie zu teuer verkaufen, trägt der Steuerzahler das Risiko weiterer Abwertungen. Auch wenn Papiere im großen Stil ausfallen sollten oder es Verluste gibt, haftet der Staat. Das Risiko der Investoren ist dagegen begrenzt.

Um eine groß angelegte Entlastung der Bankbilanzen wird jedoch auch Deutschland nicht herumkommen. Zu viele Problempapiere lagern auch hier noch bei den Instituten. Nach einer Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vom vergangenen Herbst ging es damals schon um Positionen in Höhe von 320 Milliarden Euro. „Der Zwang zu neuen Wertberichtigungen kann zu einer weiteren gefährlichen Abwärtsspirale führen“, sagte etwa der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank Klaus-Peter Müller in der vergangenen Woche.

Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet

Wie der deutsche Weg konkret aussieht, ist derzeit noch unklar. Verschiedene Verbände, Professoren und Investmentbanken haben in Berlin Konzepte eingereicht. So hat der Bankenverband einen „Mobilisierungsfonds“ ins Rennen geschickt, der das Risiko aber vor allem auf den Staat verlagern würde. Auch der Aufkauf der Papiere für null Euro und eine anschließende Kapitalbeteiligung an den abgebenden Banken ist in der Diskussion.

Die nun in den USA vorgestellte Lösung wird wohl nicht das Modell sein. Es gehe eher um „die Auslagerung von Risikopapieren“ und „institutsspezifische Lösungen“, erklärte Bundesbankpräsident Axel Weber in der vergangenen Woche. Auf jeden Fall soll das Risiko von Wertverlusten vor allem bei den Instituten bleiben.

Im Umfeld des Bundesfinanzministeriums heißt es, dass eine Entscheidung in den nächsten Wochen erwartet wird. Doch eine Entscheidung zulasten der deutschen Steuerzahler soll es nicht geben. Dagegen sind auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Wahrscheinlicher sind gezielte Hilfen für einzelne Banken im Rahmen des 480 Milliarden Euro schweren Bankenrettungspakets.

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