Finanzkrise: Goldige Idee von der CDU

KommentarFinanzkrise: Goldige Idee von der CDU

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Der WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann kommentiert die aktuelle Börsenentwicklung

Die CDU will an die Goldreserven der Steuerzahler ran - und hat offensichtlich trotz Finanzkrise nichts dazugelernt.

Mal wird er Haushaltsexperte genannt, dann als Finanzexperte tituliert. Die Rede ist vom Bundes-Politiker Steffen Kampeter (CDU). Er müsse sich fragen "wie groß eigentlich die Finanzkrise noch werden muss, damit die Gold- und Devisenreserven als Interventionskraft berücksichtigt werden", posaunte Kampeter über das Magazin "Cicero" in die Welt hinaus.

Lieber Herr Kampeter, sollte man nicht lieber Sie fragen, wie groß die Finanzkrise noch werden muss, bevor in Politiker-Köpfen wie dem Ihren ökonomischer Sachverstand Berücksichtigung findet?

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Die Bundesbank verwaltet für den Bürger gut 3400 Tonnen an Gold und sogenannten Goldforderungen (genau bekannt wie viel echtes Gold noch gebunkert ist, gibt es also nicht). Bis kommenden September darf die Bundesbank gemäß einem Notenbankabkommen maximal 120 Tonnen davon verkaufen. Das würde nicht einmal 2,5 Milliarden Euro einbringen (dabei vorausgesetzt, der Verkauf einen solcher Menge würde den Preis nicht drücken, was unwahrscheinlich wäre, da 120 Tonnen sechs Prozent  des weltweiten jährlichen Goldangebots entsprechen).

Mit dem Geld könnte der Bund ein Achtel des Einschusses in die Commerzbank finanzieren oder beispielsweise drei Prozent der Finanzgarantien für die Hypo Real Estate oder alternativ auch drei Prozent der bisherigen Konjunkturprogramme. Die Neuverschuldung des Bundes würde sich 2009 um etwa fünf Prozent  vermindern. Die Gesamtschulden von Bund, Länder und Kommunen, die dieses Jahr auf rund 1700 Milliarden Euro steigen werden, würden um nicht einmal 0,15 Prozent verringert. Ein Tropfen auf dem heißen Stein also finanziell - aber eine gesamtperspektivische Katastrophe.

Während rund um den Erdball ein Abwertungslauf an Sachvermögen (außer Gold) und Papiergeld, den Währungen also, eingesetzt hat, will Kampeter die einzige Möglichkeit aufs Spiel setzen, die einer Währung Vertrauen geben kann. Das niedrige Zinsniveau deutscher Staatsanleihen hat nämlich mit Vertrauen zu tun. Vertrauen auf die relative Stabilität der deutschen Wirtschaft, der deutschen Verschuldungs- und Währungspolitik, aber auch auf dem Wissen, dass es die Möglichkeit gibt, eine Währung im Zweifel mit Reserven zu hinterlegen.

Und dafür kommt eben nur Gold infrage, je mehr, je besser. Und da sieht es so übel nicht aus: Deutschlands Gold ist nämlich die zweithöchste Reserve der Welt. Nur die USA (mehr als 8100 Tonnen) sitzen auf einem höheren Goldberg. Warum dort noch nie jemand auf die Idee gekommen ist, den Schatz anzutasten, liegt auf der Hand: Das letzte Vertrauen in den Dollar soll nicht erschüttert werden.

Vielleicht muss aber Herr Kampeter erst noch ein paar weitere Jahre Krise durchleben, bevor auch bei ihm ankommt, was sich wirklich abspielt. Vielleicht geht's auch schneller, wenn beispielsweise das britische Pfund Sterling untergehen sollte. Dann würde der Goldpreis auf ein Allzeithoch steigen, wetten? Ach, brauch gar nicht so weit kommen, da ist er ja schon, auf Allzeithoch. In Euro, versteht sich, in Dollar nicht, so groß ist nicht mal das Vertrauen auf Amerikas Gold - schließlich sind da die Schulden noch weit höher als in Euroland.

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