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Finanzkrise: Kanzlerin schnürt 500-Milliarden-Rettungspaket

von Sven Prange mit Material von dpa/rtr/AP

Jetzt kann es nicht schnell genug gehen. Noch diese Woche soll der Bundestag die deutsche Finanzmarktarchitektur nahezu komplett umbauen. Die Regierung nimmt 500 Milliarden Euro in die Hand, um angeschlagene Finanzdienstleister zu retten. Auch andere europäische Regierung schnüren gigantische Hilfspakete.

Seit' an Seit' marschiert die Quelle: dpa
Seit' an Seit' marschiert die Große Koalition, um das deutsche Finanzsystem zu stützen Quelle: dpa

Angela Merkel beerdigt ihre Politik der ruhigen Hand. Nachdem die Bundeskanzlerin über Wochen mit einer eindeutigen Reaktion auf die Finanzkrise gezögert hat, ist sie jetzt offenbar zum großen Schlag entschlossen. Noch im Laufe der Woche will die Regierung ein fast 500 Milliarden Euro schweres Rettungspaket durch den Bundestag treiben. Danach könnte in der deutschen Banken- und Versicherungslandschaft wenig so sein wie bisher.

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Es sind große Worte, die die Regierungschefin benutzt, als sie heute am frühen Nachmittag in Berlin an die Öffentlichkeit tritt. Ein „erster Baustein für eine neue Finanzmarkt-Verfassung“ sei das vom Kabinett in einer Sondersitzung heute verabschiedete Rettungspaket. Vor allem ist es aber das teuerste Aktionsprogramm, das eine deutsche Regierung je aufgelegt hat – und nur knapp geringer als das 700-Milliarden-Dollar-Paket der US-Administration.

Das Gesetz solle bis Ende der Woche unter Dach und Fach sein. Sie stehe in diesem Zusammenhang auch in Kontakt mit Bundespräsident Horst Köhler. Zur „akutellen Gefahrenabwehr“ ist demnach ein Finanzmarktstabilisierungsfonds als Sondervermögen des Bundes geplant, der bis zu 400 Milliarden Euro an Garantien abgeben kann. Eine Refinanzierung der Banken ist ferner über staatliche Beteiligungen möglich wie über den Erwerb stimmrechtsloser Vorzugsaktien, Aktien oder Genussscheine. Hier ist eine Summe von 80 Milliarden Euro vorgesehen. Zur Absicherung des Fonds ist schließlich eine Garantiesumme von 20 Milliarden Euro geplant.

Allerdings haben die Banken keinen Rechtsanspruch auf Hilfe. Stattdessen müssen sie sich genau auf die Finger schauen lassen, wenn sie sich auf Kosten des Bundes mit neuem Kapital versorgen wollen.  So müssen Banken damit rechnen, dass der Bundesfinanzminister ihnen Vorgaben für ihre Geschäftspolitik macht. Auch die Managergehälter können beschränkt werden. Zudem will der Bund bei künftigen Dividendenausschüttungen offenbar bevorteilt werden.

Die ganzen Folgen der Entscheidung sind noch nicht absehbar. Auch, weil nicht klar ist, wie viel der deutsche Steuerzahler am Ende tatsächlich für die zerrüttete Bankenlandschaft berappen muss. Der Großteil der Summe ist nur als Garantie gedacht. Die wird nur dann eingelöst werden müssen, wenn tatsächlich deutsche Banken kollabieren. Das ist aber nach Auskunft aus den deutschen Banken und auch nach Ansicht der Bundesregierung derzeit nicht zu erwarten.

Klar ist aber, dass die Große Koalition sich von einem zentralen Ziel ihrer Regierungszeit wird verabschieden müssen: Nach Finanzminister Peer Steinbrück räumte auch Merkel heute ein, dass ein ausgeglichener Bundeshaushalt bereits 2011 nicht mehr zu erreichen sein. Darauf deutet schon die Dimension des Rettungspakets hin: Während sich das auf bis zu 470 Milliarden Euro belaufen könnte, umfasst der ganze Bundeshaushalt gerade mal etwa 360 Milliarden Euro.

„Man muss redlich und ehrlich sein und kann deshalb nicht ausschließen, dass sich das Ziel eines ausgeglichenen Etats verschieben wird“, sagte Merkel. Sie versuchte auch, den Zorn vieler Steuerzahler auf die Hilfe für die Bankrott-Banker zu mildern: Investitionen und Sozialleistungen würden in Folge des Hilfspakets nicht gekürzt. „Das Paket der Bundesregierung dient dem Schutz der Bürger „und nicht dem Schutz von Bankinteressen“, sagte die Kanzlerin. Es gehe um die Stabilisierung des Finanzsystems.

Dabei wird die Lage für den Bundeshaushalt immer dramatischer. Merkel deutete an, dass die Regierung in dieser Woche ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2009 von bisher 1,2 Prozent deutlich nach unten korrigieren wird. Damit aber werden auch die Steuereinnahmen für Bund und Länder sinken. Die genaue Konjunkturprognose will Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Donnerstag vorstellen.

Zustimmung für das Paket kommt von den meisten Experten in Deutschland. Die größte deutsche Landesbank LBBW hat das Paket der Bundesregierung zur Lösung der Finanzmarktkrise begrüßt. „Das ist ein entscheidender Schritt zur Stabilisierung der Finanzmärkte“, sagte ein Sprecher. „Über eine Nutzung des Pakets wird die LBBW nach Prüfung der Details entscheiden.“

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie applaudierte der Regierung: „Die deutsche Industrie begrüßt das Maßnahmenpaket  der Bundesregierung zur Stabilisierung des Finanzmarktes. Wir sehen darin eine gute Chance, das dringend notwendige Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherzustellen und ein Überspringen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft möglichst weitgehend zu begrenzen", sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann.

19 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.10.2008, 20:06 UhrAnonymer Benutzer: Frau Heyer

    Zwar habe ich nicht so viel Ahnung von der Politik, trotzdem vertrete auch iCH eine Meinung! ich finde es nicht schön, dass Fr. Merkel über unsere Köpfe hinweg entschieden hat, was mit dem Geld, dass schon längst übergeben wurde, passiert. ich finde Politik heißt auch ZUSAMMEN entscheiden und nicht nur EiNE Person!!!!

    Außerdem wurde behauptet, dass Deutschland kein Geld hätte, denn frage ich mich aber wo auf einmal dieses ganze Geld herkommt. Schämen müsste sich aber Fr. Merkel, denn man sagte ja, dass die bürger mit allem einverstanden wären....... Sind wir das? NEiN!

  • 19.10.2008, 15:21 UhrAnonymer Benutzer: Peter Heimig

    Zum Thema mein beitrag in 'Die Zeit':http://kommentare.zeit.de/user/peter-heimig/beitrag/2008/10/17/peter-heimig-%E2%80%9Emerkel%E2%80%99s-entmachtungsgesetzquot da mir hier zu wenig Zichen zur Verfügung stehen.
    www.peter-heimig.com
    heimig@aon.at

  • 15.10.2008, 10:30 UhrAnonymer Benutzer: Heinz Idziak

    Deutsche bank - bilanzsummen in Millionen € das 8fache des gesamten Haushalt der bRD in 2007!
    2007 = 2.020.349 €,2006 = 1.584.493 €, 2005 = 992.161 €, 2004 = 840.068 €
    2003 = 803.614 € diese Rekordgewinne in Folge möchte man so niedrig wie möglich versteuern, deshalb macht man eine künstliche Krise weltweit.

    Eigenkapitalrendite vor Steuern 24,3 % = 2007-
    28,0 % = 2006, - 21,7 % = 2005, -14,8 % = 2004,- 9,5 % = 2003

    ### Herr Hummler , Direktor- der St.Gallener bank, Mitglied des Schweizer Nationalrates, gab am 12.10.08 ein interview bei der NZZ (Vox TV) basel 2 = 2,5% Sicherheit der bilanzsumme, der banken!
    USA von 37 % auf über 70 % des bruttosozialprodukt verschuldet,
    durch die Unterstützung der banken.
    bRD trägt bereits 33 % der Kosten der Hypothekenkrise in den USA.


    Hilfe für die banken durch den Staat besteht seit 1930 nach dem Crash 1929 in USA, das verführt zum Missbrauch durch die banken weltweit.
    Er lehnt dieses ab.###
    Die Kinder und Enkel werden mit den bürgschaften über Generationen belastet. Angesichts der Kinderfeindlichen Politik in der bRD (10 € + Kindergelderhöhung HAHAHA), wie kurzsichtig sind die Politiker? Keine Kinder = keine Steuerzahler, keine Schuldentilgung, die KfW hebt die Zinsen für Studenten auf 7% an (bildung wird erschwert, damit keiner der bürger, diesen Raubtierkapitalismus nachvollziehen kann) , sie muss die 350 Millionen an Lehmann brothers reinholen + 13 Milliarden für die iKb-Pleite.
    Staatsverschuldung in der bRD= 330 Milliarden € = 90 % des Haushalts 2008.

    island lässt grüßen, ein ganzer Staat ist pleite!

    Weil die Mächtigen dieser Welt so raffgierig sind, wie nie zuvor.

    Aber es funktioniert, wie die Rekordtagesgewinne, weltweit an den börsen zeigen, je heftiger die börse auf und ab schwankt, desto größer die Gewinne.
    Wählt die Marionetten ab, wann immer es möglich ist.

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