Finanzkrise: Kaupthing-Kunden fühlen sich alleingelassen

Finanzkrise: Kaupthing-Kunden fühlen sich alleingelassen

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So genau kalkuliert hatten deutsche Sparer das Tagesgeldangebot von Kaupthing - und haben sich dabei doch verrechnet

Die Ohmacht wächst: Die deutschen Kunden der isländischen Krisenbank Kaupthing warten weiter auf Informationen, was aus ihrem Geld geworden ist. Mit einer Petition wollen sie jetzt Druck auf die deutsche Politik machen. Es geht um mehr als 300 Millionen Euro.

Wer auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums nach Informationen über die Kaupthing-Bank sucht, erhält die Auskunft „keine Treffer“. Das ärgert vor allem jene 30.000 Deutsche, die zum Teil hohe fünfstellige Summen bei der Deutschlandfiliale der isländischen Bank angelegt haben, und seit Tagen nichts mehr von ihrem Geld gesehen haben. „Es ist schon unglücklich, dass die Niederlande, Großbritannien und Schweden etwas für ihre Landsleute in Island erreicht haben und Deutschland noch nicht“, sagt Jochen Heimberg, der für mehr als 2000 Geschädigte spricht.

Zwar gesteht auch Heimberg zu: „Vielleicht ist es ja ganz sinnvoll, dass die Bundesregierung eher hinter den Kulissen mit den Isländern verhandelt.“ Allerdings nagt die Ungewissheit immer mehr an den deutschen Kaupthing-Kunden, die insgesamt immerhin 308 Millionen Euro bei dem Institut aus dem Land der heißen Quellen angelegt haben. „Seit einer Woche haben wir nichts konkretes mehr gehört“, klagt Heimberg. Er hat mit seinen Mitstreitern im Internet ein Forum eingerichtet, auf dem sich Betroffene seit Tagen die Köpfe heiß diskutieren.

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Jetzt keimt etwas neue Hoffnung auf. Die Kaupthing-Bank stellt in Aussicht, dass sich bald alles zum Guten wenden könnte. „Kaupthing wird den regulären Geschäftsbetrieb fortsetzen“, teilt die Bank mit. Das wäre die bester aller Lösungen. Denn sobald das Institut, das die isländische Regierung vor einer Woche übernommen hat, seine Geschäfte fortsetzt, müssten auch deutsche Kunden wieder an ihr Geld kommen.

Nach wie vor unklar bleibt, was passiert, wenn sich die optimistischen Ankündigen der Isländer nicht bewahrheiten. Klar ist allen deutschen Experten, dass die isländische Einlagensicherung kaum ausreicht, um jedem Kaupthing-Kunden die garantierte Mindestsumme von etwa 20.800 Euro auszuzahlen. Die Niederlande und Großbritannien haben Regierungsvereinbarungen mit Island getroffen, wonach niederländische und britische Kredite an Island dafür sorgen, dass Kunden aus jenen Ländern auf jeden Fall entschädigt werden.

Island versucht, Wirtschaft anzukurbeln

So etwas fordern die Betroffenen auch für Deutschland. Sie bereiten gerade eine Petition an den Deutschen Bundestag vor, der das Thema behandeln soll. „Wir sind ganz normale Sparer, keine Zocker“, sagt Betroffenensprecher Heimberg. „Viele haben das Geld dort geparkt, um für Renovierungen oder einen Autokauf etwas zur Verfügung zu haben.“ Gerade für jene, die das Geld – wie bei Tagesgeldanlagen üblich – kurzfristig zur Verfügung haben wollten, sind von der wochenlangen Hängepartie betroffen.

Mehrere Dutzend Kaupthing-Opfer haben sich bei einer Bremer Anwaltskanzlei zu einer Sammelklage zusammengeschlossen. Davor warnt Heimbergs Initiative allerdings. Anwälte, die jetzt schon für Sammelklagen werben, würden vor allem ein Geschäft wittern. In der Tat gibt es derzeit noch gar keinen Adressaten für eine Klage. Denn erst, wenn die Kaupthing endgültig ihren Bankrott erklärt, können Kunden den isländischen Einlagensicherungsfonds auf Rückerstattung der garantierten Einlagen kontaktieren.

Die „Interessensgemeinschaft Kaupthing“ der Bremer Kanzlei rät zudem zu Klagen gegen den Vorstand der Kaupthing-Bank wegen mangelhafter Aufklärung über die Insolvenzreife des Institutes. Das könnte, so die Bremer Anwälte, ein Weg sein, mehr als die durch den Einlagensicherungsfonds garantierten 20.800 Euro erstattet zu bekommen. Aber auch das dürfte allenfalls mittelfristig wichtig sein.

Derweil gibt es aus der isländischen Hauptstadt Rejkjavik erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Entspannung. Ministerpräsident Geir Haarde, der sich freilich in den vergangenen Tagen nicht unbedingt als souveräner Krisenmanager geriert hat, kündigte an, die Hochzinspolitik seiner Zentralbank zu überprüfen. Es könne sein, sagte Haarde einem isländischen Radiosender, dass der hohe Basiszinssatz angesichts der dramatischen Wirtschaftslage nicht mehr angemessen sei. In einem ersten Schritt senkte die Zentralbank den Leitzins daraufhin um 3,5 Punkte auf 12 Prozent. Ein niedrigerer Leitzins könnte die kollabierende Wirtschaft wieder ankurbeln.

In Moskau verhandeln unterdessen Vertreter der isländischen und der russischen Regierung über einen Vier-Milliarden-Euro-Kredit der Russen für die Inselrepublik. Die Mitglieder des Nordischen Rates – ein Zusammenschluss skandinavischer Staaten – basteln derzeit ebenfalls an einem Hilfspaket für das bedrängte Nachbarland. Details dazu drangen bisher nicht nach außen.

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