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Finanzkrise: Kinder genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich

von Friedrich Thelen

Wohlfeil ist in diesen Tagen die Bankerschelte. Mit weit ausgestrecktem Zeigefinger belieben die Politiker auf die gierigen und gewissenlosen US-Banker zu zeigen: Sie und nur sie seien schuld an dem Desaster, das im Moment die Fundamente unseres Gemeinwesens erschüttert. Indes so simpel, wie man uns auf den ersten Blick glauben machen will, liegen die Dinge nicht. Ein Gastkommentar von Friedrich Thelen.

Dr. Friedrich Thelen
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Kein Zweifel, die grenzenlose Raffgier der amerikanischen Banker, die hemmungslos Casino gespielt haben, ist zutiefst verwerflich.

Aber das ist bei weitem noch nicht alles. Die US-Administration sowie die europäischen Regierungen, ihre Finanzaufsichtsbehörden und die europäischen Banken haben fröhlich mitgespielt.

Erstens kam es allen zupass, dass die US-Konjunktur als unendlich wachsendes Gewinnspiel wirkte. Hat denn Niemand von diesen vielen kundigen Volkswirten auf beiden Seiten des Atlantiks gewusst oder nachgefragt, woher der permanente Aufwärtstrend kam?

Aber sicher doch. Alle priesen den US-Zentralbankchef Alan Greenspan in den Himmel, weil er bei jeder aufgetauchten Krise zig neue Milliarden in den Geldkreislauf pumpte.

Und dieser Effekt verbilligte die Kredite und entfesselte den Rausch der Häuslekäufer.

Jeder Ökonomiestudent im dritten Semester lernt, dass solche Finanzblasen über kurz oder lang trocken gelegt werden müssen, weil sie sonst die Stabilität des ökonomischen Systems wegschwemmen.

Aber wegen der nicht zu leugnenden, auch von der Politik so sehr gewünschten hohen Wachstumsrate, drückten alle die Augen zu.

Motto: „Es wird schon gut gehen“, oder schlimmer noch: „Kinder genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich“.

Noch mehr neues Geld fließt in den Kreislauf – also entsteht die nächsten Finanzblase

Deshalb sollte auch unsere Politik äußerst behutsam mit dem Verweis auf andere Schuldige sein. Was die deutschen öffentlichen Banken hierzulande oder im Ausland trieben, haben deren Aufsichtsgremien gewusst oder zumindest geahnt.

Und für das private Bankgewerbe gibt es doch die Bankaufsicht – wurde da nur geschlafen oder weggeguckt?

Und während die Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere europäischen Regierungschefs mit der Finanzfeuerwehrspritze die Brände zu löschen suchen, kreieren sie sofort das nächste Problem.

Noch mehr neues Geld fließt in den Kreislauf – also entsteht die nächsten Finanzblase. Aus der muss nach Ende der Krise umgehend die Luft rausgelassen werden.

Sonst stehen wir in Kürze vor dem gleichen Problem wie heute – nur noch dramatischer.

Praktisch heißt dies, die sogenannte Geldmenge, das vorhandene Geld, muss verringert werden und die Zinsen müssen steigen.

Das aber dämpft die Konjunktur und die Arbeitslosigkeit steigt. Da fragt man sich, ob unsere von Wahl- zu Wahltermin hechelnden Politiker den Mut haben, die notwenigen aber unpopulären Maßnahmen zu exekutieren.

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23 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.10.2008, 14:12 UhrAnonymer Benutzer: David L.

    Man kann es drehen wie man will, das alles hat sich zu einem korrupten System entwickelt in das sich Politiker- und Finanzkonzerne vernetzt haben. Politkorrupties der etablierten Parteien tauschten Wohlverhalten gegen matierelle Vorteile. Wenn es in diesem Staat schon so weit ist dass Lobbyisten Gesetze schreiben um diese dann durch ihre Politprostituierten durchs Parlament winken lassen, dann ist das was wir gerade erleben, die typische Konsequenz.

    Es ist allerdings nicht das "dicke Ende" das wir gerade erleben. Die unheilige Allianz von Politkorrupities und Lobbyisten wird für ein "dickes Ende" sorgen, gegen das, was wir heute erleben, nur ein fernes Donnergrollen ist.

  • 11.10.2008, 16:44 UhrAnonymer Benutzer: gert200de

    Man braucht nur mal den Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD sich anschauen dan weiß man genau wo der Wind herkommt!!

  • 10.10.2008, 15:54 UhrAnonymer Benutzer: ELIASS

    Die bankerschelte bleibt gerechtfertigt, auch wenn der Kreis der Schuldigen vergrößert werden müßte. Diesen Menschen ist eine Verantwortung zugefallen, der sie nicht gerecht geworden sind. Sie haben auch eine Verantwortung für die Gesellschaft und sogar für unsere Zivilisation. Die Verantwortlichen haben versagt. Fertig. Auf welche Weise, spielt dabei keine Rolle. Wir haben Finanzstrukturen geschaffen, deren Größe das menschliche Maß sprengt, weil auch banker "allzumenschlich" sind. ich habe von keinem einzigen gehört, daß er sich verantwortlich fühle. Stattdessen sind nur die Anderen und die Umstände Schuld. Und hier zeigt sich die Kleinheit, die kindliche Hosenscheißermentalität, die immer auf den Mitschüler zeigt: "Der war's". Statt größeren brauchen wir viele kleine flexible Unternehmenseinheiten bzw. banken. Unternehmen die der Kleinlichkeit des allzumenschlichen angemessen sind. Statt fusionieren sollte nur noch kooperieren erlaubt sein. Erst wenn die Weltwirtschaft sich auf diese Ameisenstrukturen einigen kann und sie verwirklicht, dann können Fehlentscheidungen Einzelner nicht mehr ganze regionale Volkswirtschaften verwüsten.

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