Finanzkrise: Notfallplan für die Wirtschaft

Finanzkrise: Notfallplan für die Wirtschaft

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Die Präsidenten Bush und Sarkozy, sowie EU-Komissionspräsident Barroso

Die Politiker überschlagen sich mit Rettungsplänen für die Wirtschaft. Doch was bei Banken hilft, kann in der Realwirtschaft Schaden anrichten. In Berlin streiten sich derzeit Parteien und Branchen über ein milliardenschweres Stützungsprogramm. Dabei kann der Standort Deutschland mit Steuer- und Abgabenentlastungen gestärkt aus der globalen Krise hervorgehen.

Zum Glück gab es Bockwurst, Pils und Alt. Schon 90 Minuten vor dem Auftritt des Stars strömten vergangenen Montag die Besucher in die Essener Gruga-Halle, um einen guten Platz zu ergattern. 3.500 Zuhörer zählte der Veranstalter, das Politische Forum Ruhr. „Sie haben doch hoffentlich nicht Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg erwartet“, scherzte ein sichtlich überwältigter Peer Steinbrück.

Hatte sowieso keiner. Der Bundesfinanzminister ist heute ein Popstar – wegen der Finanzmarktkrise. Seit das 480 Milliarden Euro schwere Banken-Rettungspaket unter Dach und Fach ist, schwebt Steinbrück in höheren Sphären. Er lästert über die Banker, wirbt um Vertrauen in den Staat und will als Nächstes die Konjunktur retten.

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Finanzminister „Su-Peer“ Steinbrück steht nicht allein. Überall auf der Welt beschäftigen sich Minister, Regierungschefs und Staatsoberhäupter mit der Billionen-Dollar-Frage, wie sie die Wirtschaft retten und regulieren können. Ende voriger Woche traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Peking mit Chinas Staatschef Hu Jintao. In Washington lädt Noch-Präsident George W. Bush im November zu einem Weltfinanzgipfel, bei dem auch die Konjunktursorgen auf der Agenda stehen. Ganz vorne drängelt Frankreichs Präsident. Nicolas Sarkozy fordert nichts weniger als eine europäische Wirtschaftsregierung und will wichtige Industrien zum Teil verstaatlichen. „Wenn wir in Europa auf die Finanzkrise eine konzertierte Antwort gefunden haben“, fragte er beim jüngsten EU-Gipfel, „müssen wir dann nicht auch auf die Wirtschaftskrise kollektiv antworten?“

Welt im Ausnahmezustand

Ob Hilfe oder Hybris – die Politiker dieser Welt befinden sich im Ausnahmezustand angesichts der schwächelnden Weltwirtschaft. Tatsächlich laufen aus allen Winkeln der Erde ständig neue Schreckensmeldungen ein. Die alten US-Automobilgiganten General Motors und Ford haben in Washington schon früh um Hilfe gebettelt, jetzt heben die europäischen Autobauer ihre Hände. Kaum lässt sich Island vor dem Staatsbankrott retten, treiben wilde Gerüchte den ungarischen Forint und den argentinischen Peso in den Keller. Selbst der Euro sackt gegenüber dem Dollar ab – in schweren Zeiten der Unsicherheit sucht das Kapital Zuflucht in die noch immer größte Volkswirtschaft der Welt.

Doch wie entwickelt sich die Weltwirtschaft wirklich? Selbst Chefvolkswirte und Konjunkturforscher sehen beim Blick in ihre Glaskugeln nur schwarz. Die einen, weil sie eine Rezession erkennen, die anderen, weil sie gar nichts mehr prognostizieren können. „Ein solches Ausmaß an Unsicherheit habe ich noch nie erlebt“, sagt Hans-Joachim Haß, Chefvolkswirt beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der seit 25 Jahren für den Spitzenverband arbeitet: „Wir haben es nicht mit einem normalen zyklischen Abschwung zu tun.“ Hinzu kommen die Kollateralschäden der Bankenkrise, sprich: Wert- und Vertrauensverluste, restriktive Kreditvergaben und Notverkäufe.

Die Prognose der sachverständigen Forschungsinstitute in Deutschland, die für 2009 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,2 Prozent erwarten, ist nach Meinung der Wissenschaftler bereits ein „Best-Case-Szenario“. Mit anderen Worten: Für Deutschland lässt sich eine Rezession oder gar Depression nicht ausschließen. Doch darüber möchte der BDI-Chefökonom gar nicht reden und auch keine eigene Prognose für 2009 abgeben. Zu viel Schwarzmalerei, so die Sorge, könnte die Wirtschaft erst recht nach unten reißen. Die Lage sei noch nicht dramatisch, mahnt Spitzenfunktionär Hannes Hesse vom Maschinenbauverband VDMA, „es sei denn, wir reden uns das ein“.

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