
Zur Freude der Bundesregierung schwimmen Renten- und Krankenversicherung derzeit regelrecht im Geld: Nach zwei Jahren Aufschwung sitzen beide Sozialkassen auf Finanzreserven von jeweils mehr als 20 Milliarden Euro und bieten damit politisch attraktive Spielräume, um Bürger mit Entlastungen zu erfreuen.
Doch im Schatten dieser Entwicklung steuert, bisher fast unbemerkt, die Arbeitslosenversicherung auf finanzielle Engpässe zu. Ausgerechnet bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), die stets das Musterbeispiel einer solide finanzierten Sozialkasse war, droht das Geld bald knapp zu werden. Nachdem die schwarz-gelbe Regierung Milliardenbeträge aus der Nürnberger Beitragskasse in den Bundesetat umgeleitet hat, ist die BA nicht mehr für Konjunkturflauten gerüstet. Nebenfolge: Für eine Lockerung der Kurzarbeitergeldregeln, wie sie die Sozialpartner jetzt dringend fordern, fehlt das Geld.
Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) wird die BA zwar in diesem Jahr noch einen Überschuss von 2,5 Milliarden Euro erzielen. Doch bereits 2013 dürfte unterm Strich gerade noch eine schwarze Null stehen, kalkuliert IfW-Finanzexperte Alfred Boss. Die BA selbst ist mit Blick auf das kommende Jahr sogar noch eine Stufe skeptischer, sie geht intern bereits von einem Defizit aus, das dann einen großen Teil des 2012 entstehenden Guthabens wieder aufzehren dürfte.
Im Kreis der Sozialpartner gibt es Schätzungen, die das drohende Defizit mit einer Milliarde Euro beziffern. Eine präzise neue Finanzprojektion ist bei der BA gerade intern in Arbeit, sie soll in Kürze fertig werden. Klar ist bereits: Im April erwartete die Regierung noch, dass die Zahl der Arbeitslosen 2013 auf 2,78 Millionen sinken würde. Auf dieser Basis kalkulierte die BA mit einem kleinen Plus von 600 Millionen Euro.
In der aktuellen Herbstprognose erwartet die Regierung aber nun 2,92 Millionen Arbeitslose für 2013. Und das Arbeitslosengeld ist mit gut 13 Milliarden Euro der größte Posten im BA-Etat. "Kommendes Jahr werden die Ausgaben der BA für Arbeitslosengeld erstmals seit 2009 nicht mehr sinken, sondern um etwa ein halbe Milliarde Euro steigen", bestätigt IfW-Experte Boss.
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