Das Rettungspaket ist vor allem ein Bürgschaftsversprechen. Wie stark wird am Schluss der Haushalt wirklich belastet?
Ich glaube wenig. Das Paket hat im Vergleich zu den angelsächsischen Lösungen einen Vorteil – die Teilnahme ist freiwillig. Banken werden die Gelder aus Reputationsgründen meiden und versuchen, die Krise ohne den Staat zu meistern. Eine Kreditklemme sehe ich ebenfalls nicht. Die Banken leben davon, dass sie Geld ausleihen. Keine Bank zahlt Anlegern Zinsen, um das Geld zu horten. Ich würde mir erst Sorgen machen, wenn die Einlagenzinsen auf null fielen.
Nehmen wir hypothetisch das Worst-Case-Szenario an. Die Finanzkrise eskaliert, das gesamte 500-Milliarden-Paket der Regierung wird abgerufen. Wo soll das Geld herkommen? Der gesamte Bundeshaushalt umfasst nur 283 Milliarden Euro.
So bizarr es klingen mag: Haushaltstechnisch ist das kein Problem. Wenn es so weit käme, was ich für unwahrscheinlich halte, würde der als Sondervermögen eingerichtete Finanzmarktstabilisierungsfonds eigene Wertpapiere ausgeben.
Und wer soll die kaufen?
Der Bund, der für den Fonds haftet, hat als Schuldner ein AAA-Rating, daher würde der internationale Kapitalmarkt diese Papiere ziemlich problemlos aufnehmen. Die in 50 Jahren angehäufte Staatsschuld würde allerdings sprunghaft von knapp 1,6 Billionen auf 2,1 Billionen Euro steigen, also um ein rundes Drittel. Dadurch würden künftige Generationen massiv belastet. Die Gefahr eines Staatsbankrotts bestünde für Deutschland allerdings selbst dann nicht.
Im November treffen sich die Industriestaaten zum Weltfinanzgipfel. Die inhaltlichen Vorbereitungen in Deutschland soll der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, übernehmen. Die richtige Wahl?
Ja. Ich bin froh, dass nicht ein eingefleischter Interventionist mit der Aufgabe betraut wurde. Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Issing manche Dinge differenzierter und ordnungspolitisch klarer sieht als die Bundesregierung – und am Ende vielleicht sogar andere Lösungen vorschlägt, als sie der Politik derzeit vorschweben.














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Alle Kommentare lesen13.02.2009, 16:57 UhrAnonymer Benutzer: Willy Frank
Auch einer der ganz wenigen Zeitgenossen und Wissenschaftler, die ihre Glaubwürdigkeit und Seriosität noch nicht an (potentielle) Auftraggeber aus Politik und Wirtschaft verkauft haben. Viele andere haben sich ohne wirkliche Not freiwillig "prostituiert" und heulen mit der Meute.
07.02.2009, 19:02 UhrAnonymer Benutzer: Horst Wissel
Hallo Herr Losse, besten Dank für den Tipp! Werde aufpassen und den Gastbeitrag von Prof. Homburg ganz sicher und wohl auch wieder mit Genuß lesen. Gruß Horst Wissel
30.01.2009, 10:25 UhrAnonymer Benutzer: Losse
Hallo Herr Wissel, in der übernächsten Woche wird Prof. Homburg einen ausführlichen Gastbeitrag zu diesem Thema in der Wirtschaftswoche schreiben. Gruß bert Losse