
WirtschaftsWoche: Herr van Suntum, die Regierung möchte die Banken von risikobehafteten Wertpapieren befreien. Müssen die Steuerzahler schon wieder für die Zockerei der Banker geradestehen?
Van Suntum: Das ist zu befürchten. Details der Regierungspläne sind zwar noch nicht bekannt. Dennoch zeichnet sich ab: Das eigentliche Problem ist nicht gelöst, und die Risiken für den Steuerzahler sind unkalkulierbar.
Warum? Die Banken dürfen ihre toxischen Papiere abgeben und bekommen dafür Schuldtitel. Irgendwann werden diese Titel fällig. Was passiert aber, wenn die toxischen Papiere bis dahin nicht den Wert der Schuldtitel erreicht haben? Das ist ein erhebliches Risiko für den Steuerzahler. Immerhin reden wir hier über Problem-Papiere im Volumen von 850 Milliarden Euro.
Die Banken sollen Gebühren zahlen und Rückstellungen bilden, um dieses Risiko abzufangen. Das widerspricht aber dem Ziel, die Banken zu entlasten. Und wenn das Geld doch nicht reicht, muss der Staat entweder die Verluste übernehmen, oder die Banken haben wieder Abschreibungsbedarf.
Die Banken können dann ihre Schulden beim Staat tilgen, indem sie Anteile an den Staat übertragen, sie werden also teilverstaatlicht. Ja, dann aber erwirbt der Bund Anteile zu vermutlich überhöhten Preisen. Denn die Banken haben einen Anreiz, ihren Abschreibungsbedarf wieder nur scheibchenweise offenzulegen. Der Bund kauft also die Katze im Sack.
Wie lässt sich überhaupt beurteilen, was die zurzeit unverkäuflichen Papiere wert sind?Der Staat kann dieses Problem lösen, wenn er keinen Schlussabrechnungstag festlegt. Er sollte warten, bis sich die Problem-Aktiva entweder ausreichend erholt haben, oder die Banken genügend Rückstellungen gebildet haben. Erst dann dürfen die Schuldtitel gegen Cash abgelöst werden. So erübrigt sich, die toxischen Papiere im Vorfeld zu bewerten. Und der Steuerzahler wird nicht über den Tisch gezogen.













