Flexi-Bonus: Arbeitende Senioren sollen belohnt werden

Flexi-Bonus: Arbeitende Senioren sollen belohnt werden

Die CDU will dem Fachkräftemangel mit Senioren zu Leibe rücken: Wer trotz Rentenalter noch arbeiten geht, soll einen Bonus bekommen. Die SPD setzt dagegen auf einen flexibleren Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand.

Der Wirtschaftsflügel der CDU will Anreize für Arbeitnehmer schaffen, auch im Rentenalter weiterzuarbeiten. Der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung MIT, Carsten Linnemann, sagte gegenüber der "Welt", dass ein "Flexi-Bonus" den Senioren das Arbeiten im Alter schmackhaft machen solle. Rentner, die arbeiten gehen, sollen laut Linnemann vom Arbeitgeber den Beitrag zur Renten- und zur Arbeitslosenversicherung ausbezahlt bekommen. Rund 400.000 Senioren könne man so zurück an die Schreibtische und Fließbänder bringen, ist Linnemann überzeugt. Dadurch werde der Fachkräftemangel gelindert und der Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt.

Früher in Rente statt länger im Job

Am morgigen Dienstag wird man sich bei der nächsten Sitzung der entsprechenden Koalitionsarbeitsgruppe in Berlin mit diesem Vorschlag auseinander setzen. Die SPD hat jedoch ein anderes Thema auf der Agenda. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will es älteren Arbeitnehmern nämlich ermöglichen, leichter in Rente zu gehen, anstatt sie länger im Beruf zu halten. Zurzeit können Arbeitnehmer bereits ab 63 weniger arbeiten und Teilrente mit Abschlag kassieren. Doch unter den 648.259 Zugängen in die Altersrente 2013 waren nur 1624 Teilrentner. Bei 450 Euro Zuverdienst ist Schluss, sollen die Bezüge nicht stark gekürzt werden. „Viele Ältere wollen länger arbeiten, können aber nicht mehr unbedingt den Takt der Jüngeren mitgehen und haben längere Regenerationsphasen“, so Nahles.

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Die wichtigsten Fakten zum Rentenpaket

  • Abschlagfreie Rente ab 63

    Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann vom 1. Juli an ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen. Begünstigt sind aber nur die Geburtsjahrgänge zwischen Mitte 1951 und 1963 - mit schrittweise abnehmendem Vorteil. Phasen vorübergehender Arbeitslosigkeit werden auf die Beitragsjahre angerechnet, nicht jedoch die letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Der Stichtag dafür ist jeweils der 61. Geburtstag. Selbstständige, die mindestens 18 Jahre lang Rentenpflichtbeiträge bezahlt und sich dann mindestens 27 Jahre freiwillig weiterversichert haben, können ab 63 ebenfalls abschlagfrei in Frührente gehen. Von der Regelung profitieren in vollem Umfang aber nur die Jahrgänge 1951 und 1952. Jeder spätere Jahrgang muss jeweils zwei Monate über den 63. Geburtstag hinaus arbeiten. Das Modell kostet zwischen 2 und 3 Milliarden Euro pro Jahr.

  • Mütterrente

    Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig mit einem zusätzlichen Rentenpunkt honoriert. Pro Kind erhalten sie ab 1. Juli dann brutto bis zu 57 Euro monatlich im Westen, im Osten bis zu 53 Euro. Das entspricht einer Verdoppelung des bisherigen Betrages. Dies kostet etwa 6,5 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich.

  • Erwerbsminderungsrente

    Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder nicht mehr arbeiten kann, erhält brutto bis zu 40 Euro mehr Rente im Monat. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 - und damit zwei Jahre länger als bisher - in die Rentenkasse eingezahlt haben. Dies kostet zwischen 200 Millionen und 2,1 Milliarden Euro.

  • Reha-Leistungen

    Um Frühverrentungen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert werden. Dafür sind Mehrausgaben zwischen 100 und 200 Millionen Euro veranschlagt.

  • Flexibler Übergang in Rente

    Nicht Teil des Pakets, aber von Union und SPD fest vereinbart ist, den Renteneintritt flexibler zu gestalten - und zwar auch nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze.

Ab 63 die Arbeitszeit reduzieren zu können, sei ein gutes Mittel, um Ältere angesichts von Engpässen bei Fachkräften länger dem Arbeitsmarkt zu erhalten. „Wir müssen hier weiter springen als bisher und uns stärker den Bedürfnissen der Älteren anpassen“, sagte Nahles.

Ältere Arbeitnehmer hätten heute zwar bereits bessere Chancen, vor allem die 55- bis 60-Jährigen, sagte Nahles. Auch jeder zweite 60- bis 64-Jährige sei in Arbeit. Wissen und Erfahrungen Älterer müsse aber noch stärker genutzt werden. Auch politische Anreize seien nötig. „So sind die Hinzuverdienstgrenzen bei der Teilrente heute zu starr.“ Diese solle flexibler werden. „Die Arbeitsgruppe wird bis Dezember tagen, und danach werden wir Ergebnisse vorlegen.“ Die finanziellen Mittel seien aber begrenzt.

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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß kündigte an: „Wir wollen es Arbeitnehmern erleichtern, Rente und Hinzuverdienst zu kombinieren.“ Heute seien die Abschläge beim Bezug einer Teilrente zu hoch - vor allem wenn man die starren Zuverdienstgrenzen überschreitet, so der Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der Unions-Fraktion. „So könnte es möglich werden, ein Einkommen aus Rente und Hinzuverdienst in der Höhe des früheren Einkommens zu erreichen“, sagte er der dpa.

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