Flüchtlinge in Deutschland: Nahles erwartet deutlich steigende Arbeitslosigkeit

Flüchtlinge in Deutschland: Nahles erwartet deutlich steigende Arbeitslosigkeit

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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Die Wirtschaft setzt große Hoffnungen auf die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. Sie sollen helfen, den Fachkräftemangel zu beheben. Doch so rasch wird das nicht gehen, sagte Arbeitsministerin Nahles voraus.

Die berufliche Integration der Flüchtlinge in Deutschland wird nach Einschätzung von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ein langwieriger Prozess. „Wir kriegen das hin, aber nicht über Nacht“, sagte die SPD-Politikerin der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). „Für gut qualifizierte Flüchtlinge wird es wie ein Mittelstreckenlauf sein, für alle anderen eher ein Marathon.“

Der Arzt aus Syrien sei nicht der Regelfall. „Wir sollten nicht denken, dass wir jeden ohne größere Anstrengungen gleich integrieren können. Es wird länger dauern, als uns lieb ist.“ Bis alle die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können, werde viel Zeit vergehen, so Nahles.

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Sie bekräftigte zugleich die Einschätzung, dass die Zahl der Arbeitslosen durch den Flüchtlingszuzug im kommenden Jahr deutlich steigen wird. „Allerdings entstehen auch gerade viele Tausende neue Jobs rund um die Flüchtlingshilfe, zum Beispiel im Wohnungsbau, im Catering, bei den Sicherheitsdiensten, der Betreuung und vielen mehr. Bei den Einheimischen werden wir daher weiter einen Rückgang der Erwerbslosigkeit erleben.“

Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, schlug einen Flüchtlingsgipfel von Politik und Wirtschaft vor. Ohne die Unterstützung der Unternehmen und ihrer Spitzenvertreter werde die Integration scheitern, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Der Staat kann die Flüchtlinge materiell unterstützen, kann ihnen helfen bei Sprachkursen, sie begleiten bei der Integration.“ Aber letztlich spiele die Wirtschaft eine zentrale Rolle.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht gute Job-Chancen für Asylbewerber in der Gastronomie und in der Lebensmittelindustrie. Junge Flüchtlinge müssten als Voraussetzung aber schnell Sprachkenntnisse erwerben, sagte der nordrhein-westfälische NGG-Landesvorsitzende Thomas Gauger der Deutschen Presse-Agentur.

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„In der Gastronomie werden Fachkräfte gesucht“, erläuterte er. Freie Ausbildungsstellen gebe es auch in der Lebensmittel- und Süßwarenindustrie. Chancen hätten interessierte Flüchtlinge zudem im Bäckereihandwerk.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will Flüchtlinge mit medizinischen Kenntnissen gezielt für die Gesundheitsversorgung der Asylbewerber einsetzen. „Schon aufgrund ihrer Sprachkenntnisse können Flüchtlinge mit medizinischen Kenntnissen bei der Versorgung in Erstaufnahmeeinrichtungen eine wichtige Hilfe sein“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Samstag). Deshalb müsse es medizinischen Helfern ermöglicht werden, deutsche Ärzte in den Aufnahmeeinrichtungen zu unterstützen. „Sie sind dann nicht als Ärzte tätig, aber an der Seite der Ärzte.“

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