Flüchtlinge: „Wir schaffen das“, sagt Merkel – bis heute. Hat sie Recht?

Flüchtlinge: „Wir schaffen das“, sagt Merkel – bis heute. Hat sie Recht?

, aktualisiert 31. August 2016, 12:10 Uhr
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Flüchtlingskrise in Deutschland - Eine Zwischenbilanz. Angela Merkel und Frank-Jürgen Weise.

von Max Haerder

Vor genau einem Jahr gab die Kanzlerin das folgenreichste Versprechen ihrer Amtszeit ab. Was ist seitdem gelungen – und gescheitert? Die WirtschaftsWoche hat Bilanz gezogen.

Es waren historische Sätze, die die Bundeskanzlerin am 31. August 2015 bei ihrem Auftritt vor der Bundespressekonferenz in Berlin sprach: „Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das.“

Wir schaffen das. Für keine andere Aussage ist Angela Merkel in ihrer fast elf Jahre währenden Amtszeit so sehr gehasst worden. Und so frenetisch bejubelt. Was für die einen gelebte christliche Nächstenliebe ist, bedeutet für andere naive Verantwortungslosigkeit oder leere Hoffnungsparole oder beides. Diejenigen, die letzteres denken, sind mittlerweile die Mehrheit: Gerade einmal jeder vierte Deutsche glaubt noch an die Richtigkeit der drei Kanzlerinnen-Worte.

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Und die Kanzlerin selbst? Hält ein Jahr später an ihren Worten fest, muss es vielleicht auch. Sie habe diesen Satz „aus tiefer Überzeugung“ gesprochen, hat sie gerade der Süddeutschen Zeitung in einem Interview zu Protokoll gegeben. Ihr sei bewusst, dass „wir es mit einer nicht einfachen und großen Aufgabe“ zu tun hätten. Wir schaffen das sei allerdings „das richtige Motiv für diese Aufgabe – Ziel und Haltung“. Die konkrete Flüchtlingspolitik der offenen Grenze hat Merkel längst korrigiert, ihre Rhetorik aber steht unverrückt.

PremiumFlüchtlinge in Deutschland Haben wir es geschafft, Frau Bundeskanzlerin?

"Wir schaffen das." Kein Satz hat Deutschland seit der Wende stärker verändert. Kein Satz hält die Republik mehr in Atem. Was haben Politiker, Unternehmer und Bürger geschafft? Woran scheitern wir? Die Bilanz.

Quelle: Laif

Vor allem jedoch bleibt der historische Satz das politische Versprechen einer Regierungschefin. Ein Maßstab und Anspruch, dem Merkel gerecht werden muss, wenn sie 2017 wiedergewählt werden will. Die WirtschaftsWoche hat deshalb, ein Jahr danach, eine ausführliche Bilanz gezogen. Was ist passiert, um den mehr als 1,1 Millionen Flüchtlingen, die 2015 kamen, im Land unterzubringen, sie zu integrieren, ihnen Perspektiven zu bieten? Die Ergebnisse fallen höchst unterschiedlich aus. Deutschland hat sich verändert. Aber: Wirklich geschafft ist das Wenigste.

1.       Jobs finden

Auf dem Arbeitsmarkt entscheidet sich, ob der millionenfache Zuzug auch ein wirtschaftlicher Erfolg wird. Bisher ist die Lage unbefriedigend. Die Bildungsniveaus der meisten Flüchtlinge sind schlecht, die Sprachkenntnisse mangelhaft, das Engagement der Unternehmen – gerade der Großkonzerne – eher enttäuschend. Selbst der Bund hat als Arbeitgeber gerade einmal eine Handvoll Flüchtlinge eingestellt. Der Optimismus des Spätsommers 2015 ist verflogen. Zwar haben in den vergangenen zwölf Monaten zehntausende Flüchtlinge eine Arbeit gefunden, hunderttausende aber suchen noch und sind auf den Staat angewiesen. Die Integration in den Arbeitsmarkt wird Jahre brauchen – und noch viele Enttäuschungen produzieren.

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