Flüchtlingsjunge in Schmölln: Riefen Schaulustige zum Selbstmord auf?

Flüchtlingsjunge in Schmölln: Riefen Schaulustige zum Selbstmord auf?

, aktualisiert 23. Oktober 2016, 00:07 Uhr
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Die Polizei in Schmölln bestätigte, dass Passanten vor dem Flüchtlingsheim standen, von dem aus ein Jugendlicher in den Tod sprang. Ein Schaulustiger machte offenbar sogar Videoaufnahmen.

Quelle:Handelsblatt Online

Im thüringischen Schmölln hat sich ein 17-jähriger Flüchtling aus dem fünften Stock seiner Unterkunft in den Tod gestürzt. Nun prüft die Polizei Hinweise darauf, dass Schaulustige zuvor „Spring doch“ riefen.

SchmöllnKurz bevor sich ein 17-jähriger Flüchtling im thüringischen Schmölln in den Tod gestürzt hat, sollen ihn Anwohner zu dem Suizid ermuntert haben. „Uns liegen auch Informationen vor, dass einige, ich nenne sie mal Schaulustige, diesem Vorfall lange beigewohnt haben, und wohl auch Rufe gefallen sein sollen wie „Spring doch““, sagte Bürgermeister Sven Schrade (SPD) am Samstag dem MDR. „So etwas kann man nur verurteilen.“

Der Geschäftsführer der Betreuungseinrichtung, David Hirsch, sagte ebenfalls, dass eine Mitarbeiterin entsprechende Rufe gehört habe. Polizei und Feuerwehr konnten dies am Samstag zunächst jedoch nicht bestätigen.

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Eine Sprecherin der Landeseinsatzzentrale der Polizei erklärte am Abend auf Anfrage, die Mitarbeiterin sei befragt worden. Ihre Aussagen würden nun geprüft. Laut Polizei hatte sich der Flüchtling am Freitag aus dem Fenster seiner Unterkunft gestürzt. Die Beamten gehen von Suizid aus.

Den Angaben zufolge war der Jugendliche zuvor wegen psychischer Probleme in Behandlung. Kurz vor der Tat habe er in der Unterkunft randaliert, weshalb die Polizei gerufen wurde. Als die Beamten eintrafen, befand sich der Flüchtling bereits auf der Fensterbank im fünften Stock. Von dort sei er gesprungen und wenig später an seinen Verletzungen gestorben.

Polizei und Feuerwehr bestätigten, dass sich Schaulustige vor der Unterkunft aufgehalten hätten. Nach Angaben der Polizeisprecherin vom Samstagabend filmte ein Passant die Szenen mit einem Handy. Er sei noch vor Ort gebeten worden, das Video zu löschen, was er vor den Augen der Beamten auch getan habe.

Bürgermeister Schrade sagte auf Anfrage, zunächst müssten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet werden. Sie werde bei solchen Fällen automatisch eingeschaltet. Von einem Fremdverschulden werde nicht ausgegangen.

Sollten sich die angeblichen Rufe wie „Spring doch“ bewahrheiten, sei das nicht tolerierbar, schrieb der Bürgermeister auf seiner Facebook-Seite. „Es ist verachtenswert, ja unmenschlich. Ob Geflüchtete oder hier Lebende: Wir alle sind Menschen.“ Zudem schrieb er: „Leider erreichten mich heute auch Bildaufnahmen, die den Jungen auf dem Fensterbrett sitzend zeigten, versehen mit unbegreiflichen Kommentaren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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