Flüchtlingskonten: Bankverbindung in die Heimat

Flüchtlingskonten: Bankverbindung in die Heimat

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Angesichts der rasant steigenden Flüchtlingszahlen in Deutschland hat die Finanzaufsicht Bafin die Hürden für die Eröffnung eines Bankkontos weitgehend beseitigt.

von Andreas Toller

Flüchtlinge zahlen viel für Schlepper, Internet-Zugang und Geldtransfers. Banken sträuben sich gegen die Klientel aus der Ferne. Um es Flüchtlingen zu erleichtern, sollen diese nun einfacher Konten eröffnen können.

Es gibt zwei Dinge, die Flüchtlinge zwingend brauchen, um Ihre riskante Reise zu organisieren: Geld und mobiles Internet per Smartphone – und für letzteres benötigen sie ebenfalls Geld.

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Schlimm genug, dass spezialisierte Mobilfunkanbieter mit der Not der vor Krieg und Verfolgung davonlaufenden Menschen ihre Geschäfte machen. Bedenklich ist aber auch, dass sich Finanzdienstleister wie etwa Western Union an den Geldtransfers der Flüchtlinge eine goldene Nase verdienen. Denn die sind ohne Arbeitserlaubnis und Bankverbindung in der Fremde auf die Geldtransfers aus ihrer Heimat angewiesen. Und ebenso ihre daheimgebliebenen Verwandten in den Kriegsgebieten, die auf die finanzielle Unterstützung der Geflohenen bauen.

Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Wie TV-Magazin Report aus München berichtete, sind die Bargeldtransfers mit Western Union ungeheuer kostspielig. So berechnet das amerikanische Unternehmen zum Beispiel für Geldüberweisungen aus der Türkei nach Mailand – einem der Hotspots für Flüchtlinge, die es nach Europa geschafft haben – happige Gebühren. Für 100 Dollar werden bereits 15 Dollar Gebühren fällig, also stolze 15 Prozent. Bei 400 Dollar betragen die Transfergebühren 42 Dollar, immer noch 10,5 Prozent.

Die zahlt grundsätzlich derjenige, der das Geld verschickt, je nach Vertriebsstandort von Western Union können noch Gebühren für den Empfänger dazu kommen. Aber das ist noch nicht alles. Western Union zahlt den Betrag in der Regel in der Landeswährung vor Ort aus und kassiert dabei die Differenz zwischen dem Wechselkurs für den Kunden und dem Kurs, den Western Union am Devisenmarkt zahlt. Muss in eine andere Währung umgerechnet werden, kann Western Union auch dafür Gebühren erheben.

Das Zentrum für Migrationsdaten hat dem Report-Bericht zufolge nun eine Initiative gestartet, die sich für fairere Gebühren und vor allem für Kostentransparenz bei den Geldtransfergesellschaften einsetzt, da offenbar wenigen Nutzern dieser Dienstleistungen wirklich klar ist, wie teuer die Geldtransfers tatsächlich sind.

Aus diesen Ländern kommen Asylbewerber in Deutschland

  • Afghanistan

    Fünf Prozent der Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen, kommen aus Afghanistan.

  • Irak

    Genauso viele (fünf Prozent) suchen aus dem Irak Zuflucht in Deutschland.

  • Serbien

    Aus Serbien im Balkan kommen sechs Prozent der Asylbewerber.

  • Albanien

    Aus Albanien kommen deutlich mehr Flüchtlinge, nämlich 15 Prozent.

  • Kosovo

    Der gleiche Anteil (15 Prozent) sucht aus dem Kosovo Zuflucht in Deutschland.

  • Syrien

    Mit 22 Prozent ist der Anteil der syrischen Asylbewerber in Deutschland mit Abstand am größten.

Konto für Flüchtlinge

Hilfreich wäre für viele Flüchtlinge ein Bankkonto am Zielort, auf das aus dem Ausland direkt überwiesen werden kann und das die bargeldlose Bezahlung in Deutschland – etwa bei einigen Behörden – deutlich erleichtert. Bislang scheitern bei den Banken oftmals bei der Kontoeröffnung, weil sie nicht die geforderten Identifikationsnachweise beibringen können, die das Geldwäschegesetz fordert. Die Duldungsbescheinigungen, die Flüchtlinge zunächst erhalten, reichen dafür nicht aus.

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