Flughafen BER: Wowereit, der Bruchpilot

ThemaSubventionen

KommentarFlughafen BER: Wowereit, der Bruchpilot

von Max Haerder

Wer wird Nach-Nachfolger des gescheiterten BER-Chefaufsehers Klaus Wowereit? Klaus Wowereit. Leider kein Scherz.

Man hat sich an den Gedanken gewöhnt, dass am Flughafen BER nichts mehr unmöglich scheint, außer vielleicht: dass er jemals fertig wird. Dafür sollte man noch einmal den Stand der Dinge rekapitulieren, der an Realsatire erinnert: Mehrere verschobene Eröffnungstermine; immer neue Kostenschätzungen, die sich innerhalb kürzester Zeit als unhaltbar erwiesen; eine stattliche Phalanx geschasster Manager, Architekten und Bauplaner; dilettantisch überbelegte Kabeltrassen und eine Brandschutzanlage außer Rand und Band.

Mehr als fünf Milliarden Euro wird der Bau verschlingen, so viel ist heute schon absehbar. Doch ob die ersten Passagiere 2015, 2016 oder 2017  einchecken können, weiß niemand. Der Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hat mit seiner brachialen Ärmel-hoch-Attitüde bisher wenig erreicht, nur eines wird immer deutlicher: Am BER sind weder die technischen Probleme behoben, noch die personellen.

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20 Jahre Hauptstadtflughafen BBI - Die wichtigsten Etappen

  • Januar 1992

    Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

  • Juni 1996

    Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

  • August 2004

    Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

  • April 2005

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

  • März 2006

    Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

  • Juli 2008

    Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.

  • Oktober 2008

    Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

  • Juni 2010

    Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.

  • Oktober 2011

    Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

  • Januar 2012

    Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

  • Mai 2012

    Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

  • September 2012

    Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

  • 6. Januar 2013

    Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.

  • 16. Januar 2013

    Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz mit sofortiger Wirkung. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft allein führen. Wann das Milliardenprojekt angesichts massiver Baumängel eröffnet werden kann, bleibt weiter ungewiss.

Der Mann, der als Chefkontrolleur im Aufsichtsrat viele Jahre lang die Verantwortung trug, dass der Prestige-Airport da steht, wo er steht, in den Witzspalten der Zeitungen nämlich – dieser Mann wird nun nach einem guten Jahr Abstinenz wieder Chef des Aufsichtsrates: Klaus Wowereit. Der Berliner Bürgermeister trat vor einem Jahr wegen massiver Kritik zurück, jetzt kehrt er zurück, als sei nichts gewesen.

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Die anderen Anteilseigner, Brandenburg und der Bund, haben den Chefposten dankend abgelehnt und externe Fachleute fanden sich in dieser Gemengelage auch nicht mehr. Der ehemalige Fraport-Chef Wilhelm Bender war vor einigen Monaten mal im Gespräch als neuer Aufsichtsrat, sogar als Geschäftsführer, er wendete dem Hauptstadt-Schlamassel dann aber schnell und angewidert wieder den Rücken zu.

Spätestens in den letzten zwei, drei Jahren ist Wowereit die Kontrolle über das Projekt entglitten. Dass seine erneute Einsetzung eine Notlösung ist, dürfte keiner besser wissen als er selbst. Und doch offenbart diese Rückkehr Wowereits sein zurückliegendes Versagen: Nach der peinlichen Kurzfrist-Absage der Eröffnung im Juni 2012 hätte es ein Zeitfenster gegeben, nicht nur Geschäftsführung und Bauleitung neu zu besetzen, sondern auch die politisch dominierte Runde der Aufseher durch unabhängige Fachleute zu ersetzen.

Es kam anders. Das sagt alles.

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