Flughafen-Debakel: Schwarz geht, doch die Probleme bleiben

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KommentarFlughafen-Debakel: Schwarz geht, doch die Probleme bleiben

von Max Haerder

Mit Rainer Schwarz hat der letzte Verbliebene unter den Baustellen-Verantwortlichen seinen Hut genommen. Nun ist die Sicht auf die politischen Entscheider im Aufsichtsrat frei. Für sie dürfte sich die Suche nach einem kompetenten Krisenmanager als eine gewaltige Herausforderung herausstellen. Es ist nicht mehr sicher, ob der Aufsichtsrat ihr überhaupt gewachsen ist.

 

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Das Gelände des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER).

Seine Einladung – einige würden sagen: seine Vorladung – in den Haushaltsausschuss des Bundestages hatte Rainer Schwarz am Dienstag schon nicht mehr wahrgenommen. Vielleicht wusste er längst, dass seine Demission am Mittwoch beschlossene Sache war. Kein Grund also, sich noch einmal von den Parlamentariern in die Mangel nehmen zu lassen. Der Flughafen BER, Fluchhafen, Pannen-Airport, die wohl peinlichste Baustelle des Landes – ist jetzt nicht mehr sein Problem: Der Aufsichtsrat hat Schwarz entlassen.

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Der Schritt hatte sich über Wochen angebahnt. Die Anteilseigner der Bundesregierung hatten den Geschäftsführer schon seit Wochen öffentlich unter Beschuss genommen und sein Management heftig kritisiert. Zuletzt hatten nur die Länder Berlin und Brandenburg an Schwarz festgehalten. Nach der jüngsten, der vierten Verschiebung des BER-Starts war er nun endgültig nicht mehr zu halten.

20 Jahre Hauptstadtflughafen BBI - Die wichtigsten Etappen

  • Januar 1992

    Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

  • Juni 1996

    Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

  • August 2004

    Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

  • April 2005

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

  • März 2006

    Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

  • Juli 2008

    Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.

  • Oktober 2008

    Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

  • Juni 2010

    Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.

  • Oktober 2011

    Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

  • Januar 2012

    Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

  • Mai 2012

    Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

  • September 2012

    Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

  • 6. Januar 2013

    Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.

  • 16. Januar 2013

    Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz mit sofortiger Wirkung. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft allein führen. Wann das Milliardenprojekt angesichts massiver Baumängel eröffnet werden kann, bleibt weiter ungewiss.

Man sollte sich den Sachverhalt immer wieder in Ruhe vor Augen führen: Knapp vier Wochen vor der geplanten Eröffnung am 3. Juni 2012 wurde der Termin quasi über Nacht abgesagt; die Umzugs-Laster waren buchstäblich schon unterwegs. Heute steht fest: Der Flughafen wird selbst 2014 kaum noch eröffnen, so groß sind die Probleme mit der Brandschutzanlage, so fernab jedweder Planung wurde tatsächlich gebaut. Der Technikchef Horst Amann, danach als neuer Aufräumer geholt, spricht mittlerweile „eher von  2015“.

Ein Offenbarungseid.Teilabriss des Terminals, Sanierung im Bestand, all das sind keine schlechten Scherze, sondern vielleicht schon bald Notwendigkeiten.

Von den einst Verantwortlichen für diese Katastrophe ist nun niemand mehr in Amt und Würden: Planer und Architekten wurden geschasst, der alte Technikchef samt einiger Getreuer ebenfalls, nun, als Schlusspunkt, auch noch Rainer Schwarz. Auf der operativen Ebene hat der Aufsichtsrat  tabula rasa gemacht.

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