Fluglärm: "Wir müssen den Verkehr fair verteilen"

Fluglärm: "Wir müssen den Verkehr fair verteilen"

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"Die Bürger sind kritischer geworden" , meint Dieter Kaden, Chef der Deutschen Flugsicherung

von Max Haerder

Der Chef der Deutschen Flugsicherung, Dieter Kaden, über wütende Bürger, das Bedürfnis nach Mobilität und die Suche nach der leisesten Flugroute.

WirtschaftsWoche: Herr Kaden, die Deutschen Flugsicherung stand in den vergangenen Wochen in der Kritik. Tausende Bürger gingen in Berlin gegen ihre Flugroutenvorschläge auf die Barrikaden.

Kaden: Leider ist der Öffentlichkeit manchmal schwer zu vermitteln, dass wir von der Flugsicherung den Lärm nicht produzieren. Uns wird ungerechtfertigt die Verantwortung hierfür zugeschoben. Wir haben weder entschieden, den neuen Hauptstadtairport dort zu bauen, wo er gebaut wurde, noch den konkreten Betrieb gewünscht. Wir haben den gesetzlichen Auftrag, den entstehenden Flugverkehr an jedem Flughafen des Landes sicher und flüssig abzuwickeln. Dabei müssen wir darauf achten, diesen Verkehr möglichst fair und mit so wenig Bürgerbelastung wie möglich zu verteilen. Und das tun wir.

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Aber gut ist es in der Hauptstadt nicht gelaufen?

Es gibt immer wieder Raum für Verbesserungen. Ministerien, Fluglinien und der Flughafen hätten sich besser austauschen können. Und die Anwohner hätten – so wie in Frankfurt geschehen – früher und stärker eingebunden werden müssen, um Widerstände zu vermeiden.

Erst sehr spät wurde in Berlin mit Bürgern gemeinsam über alternative Start- und Landerouten gesprochen. Hat das noch etwas gebracht?

Absolut. Wir haben sehr konstruktive Ideen aus der Fluglärmkommission und den Gemeinden bekommen. Hinzu kommt: Die Verbesserung des Betriebs wird ein permanentes Thema sein. In Frankfurt haben wir nach Einweihung der vierten Bahn schon nach wenigen Wochen Abdrehhöhen der Jets verändert, damit weniger Menschen durch den Lärm malträtiert werden.

Erste Politiker fordern nun, auch Flugrouten sollten bereits fester Bestandteil der Planfeststellung der Pisten werden, damit frühzeitig Klarheit herrscht, wie und wo geflogen wird.

Davon rate ich dringend ab. Ein Flugregime muss ein lebendes System sein, dass angepasst werden kann. Ein Beispiel: Neue Flugzeugtypen brauchen andere Routen, je nachdem, wie schnell sie steigen oder abdrehen können. Das können sie gar nicht Jahre vor Inbetriebnahme festzurren. Diese Flexibilität braucht jeder Airport.

Wie erklären Sie sich eigentlich, dass in Berlin, in Frankfurt und in München derzeit überall gegen Fluglärm und Flughafenausbau demonstriert wird?

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Die Bürger sind kritischer geworden. Wir erleben eine Demokratisierung des Protestes. Aber wir müssen stets eines genauso im Blick haben: Wenn Mobilität ein persönliches und industrielles Bedürfnis ist und – davon bin ich überzeugt – auch bleibt, dann geht das nicht ohne Luftverkehr und eben auch nicht ohne Belastungen.

Und Sie können es halt nicht allen recht machen?

(lacht) Nein, unmöglich. Ich bekomme immer wieder Briefe von Betroffenen, und dafür habe ich volles Verständnis. Leider nur schreiben mir nie diejenigen, die vom Lärm entlastet werden.

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