Flugverkehr: Massenproteste gegen Fluglärm

Flugverkehr: Massenproteste gegen Fluglärm

von Max Haerder, Mark Fehr, Rüdiger Kiani-Kreß und Henning Krumrey

In Berlin, Frankfurt und München protestieren Bürger gegen Fluglärm. Flughafen-Betreiber fürchten um ihre Konkurrenzfähigkeit.

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Nicht über unsere Köpfe! - In Frankfurt kehrt der Widerstand gegen den Flughafen zurück

Der Zorn, den Ralf Müller in sich hat, ist nicht gleich zu erkennen. Keine Ader pocht auf seiner Stirn, der schwarze Schnurrbart bebt kaum, und auch die Stimme klingt gleichmäßig. Ralf Müllers Zorn kommt ernüchtert daher, abgekühlt. „Dass der Staat die Bürger betrügt“, sagt er, „das wäre uns nicht in den Sinn gekommen.“

Uns, das sind seine Frau und seine Tochter, das sind die Mitstreiter ihrer Bürgerinitiative und all die anderen Friedrichshagener, die sich Montag für Montag abends zu Hunderten auf den Marktplatz stellen, um gegen diesen Flughafen anzukämpfen, der sie um ihre Idylle bringen wird. Auf dem kleinen Platz wacht eine Statue Friedrichs des Großen, der erster Diener seines Staates sein wollte, und um die Ecke leuchten die Fenster der Maklerbüros, in denen „verträumte Seegrundstücke“ und „edle Refugien“ von bald vergangenen Zeiten erzählen. Danke, Staat, denkt sich Müller.

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Fliegendes Wachstum

Fliegendes Wachstum

Das Ende der Beschaulichkeit

Der Tag, ab dem es keine Ruhe mehr geben wird, steht fest: Es ist der 3. Juni 2012. Dann werden bei Ostwind Boeings und Airbus-Jets vom neuen Flughafen Berlin Brandenburg erst über den Müggelsee und dann über Friedrichshagen donnern, bis zu 122-mal am Tag. Bisher war Friedrichshagen ein dörfliches Kleinod in der Hauptstadt, eine dreiviertel Stunde entfernt vom quirligen Alexanderplatz. In ein paar Monaten ist die Beschaulichkeit vorbei.

Müller ist 1999 hier rausgezogen. Als Ingenieur weiß er genau, was Planfeststellungsbeschlüsse bedeuten, und er wusste auch, dass der Airport in Schönefeld gebaut wird. Aber Müller hätte niemals geahnt, dass ihnen der Fluglärm „über Nacht rübergeschoben“ wird. Doch seit letzter Woche sind die Routen über sein Dach hinweg amtlich. Die Landesministerien und die Flugsicherung hätten davon schon seit Jahren gewusst, aber zu lange geschwiegen, das ist sein Vorwurf. „So“, klagt er, „geht man mit Bürgern im 21. Jahrhundert doch nicht um.“

Verlorene Freiheit

Die Zeiten, als Fliegen Freiheit und Grenzenlosigkeit verhieß, sind vorbei. Nicht nur in Berlin und Brandenburg, auch in Frankfurt ist seh- und hörbar, wie Deutschlands ohnehin schon größter Airport wächst und wächst und mit ihm der Protest. In München steht der Ausbau des Flughafens deshalb gleich ganz zur Disposition. Die bayrische Landesregierung hat erst mal vorsorglich gekuscht vor dem Volkszorn, den sie fürchtet, falls „Franz Josef Strauß“ die dritte Startbahn bekommen sollte.

Fluglärm lässt sich nicht wegzaubern, die Belastung nur verteilen. Eine Einflugschneise bleibt eine Einflugschneise. „Eine global vernetzte Volkswirtschaft ist ohne Nebenwirkungen nicht zu haben“, sagt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

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