Folgen der Energiewende: Deutschlands verzweifelter Kampf ums Windrad

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Folgen der Energiewende: Deutschlands verzweifelter Kampf ums Windrad

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Wo jetzt Wald ist, werden Reinhold Leinweber und sein Mitstreiter Dieter Jurkat bald auf Stahltürme blicken

von Konrad Fischer

Die Energiewende wird vom verbindenden Generationenprojekt zur Unfrieden stiftenden Renditehoffnung. Bürger sind heillos zerstritten und Kommunen gehen hohe Risiken ein, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Als der erste Baum fällt, haben die Polizisten eine taktische Aufstellung eingenommen. Zwei Dutzend Beamte bewachen die Baustelle im lichten Buchenwald auf dem Hilsberg, einer Gegend im hügeligen Mittelhessen zwischen Siegen und Marburg, die den treffenden Namen Hinterland trägt. Der Rest der Hundertschaft ist auf die benachbarten Dörfer verteilt. Sie stehen in dauerndem Kontakt mit der Einsatzleitung; wenn es brenzlig wird, können sie in wenigen Minuten an der Baustelle im Wald sein. Es wird nicht lange dauern, bis dieses Kommando sie über Funk erreicht.

Das war im Frühling 2012. Jetzt ist ein Jahr vergangen, und im Hinterland ist der eine oder andere Baum gefällt. Aber es steht kein einziges Windrad. Der Grund dafür trägt den Namen Reinhold Leinweber und ist ein 63-jähriger Rentner.

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Leinweber geht mit seinen unorganisierten grauen Haaren, dem gleichfarbigen Wollpullover optisch als Ökoaktivist durch, doch solche Motive liegen ihm fern. Leinweber hat vier Jahrzehnte Beamtenleben hinter sich, in der Hochbauabteilung der Stadt Bad Laasphe war er für Energiemanagement zuständig. „Ich kann einfach nicht mit ansehen, wenn gute Dinge schlecht organisiert werden“, sagt er, Aktenordner in der Hand, ganz der gewissenhafte Beamte.

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Quelle: dpa

Was er damit meint, zeigt sich, als er in seinen Garten tritt. „Wir werden umzingelt“, sagt er, und seine Stimme bebt. Er weist auf die umliegenden Bergkuppen, die das Örtchen Holzhausen wie die Bühne eines Amphitheaters umschließen – und auf denen künftig Windkraftanlagen stehen sollen. „Wir in Holzhausen haben den Schaden, und den Nutzen haben die anderen“, schimpft Leinweber. Denn die Berge liegen wenige Meter hinter der Grenze zum Nachbarort Bad Endbach. Da der aber zwei Täler entfernt ist, werden die Windmasten von dort nicht zu sehen sein. „Und wir sollen nichts dagegen tun können?“, fragt Leinweber rhetorisch. „Das kann doch nicht sein!“

Menschliche Folgen der Energiewende

Es ist ein kleiner Konflikt, der im Garten eines Rentners seinen Ausgangspunkt nimmt. Doch in der Radikalität, mit der er ausgetragen wird, ist er beispielhaft. Streitfälle wie dieser bahnen sich gerade 100-fach an in Deutschland. Nicht alle werden die Polizei in dreistelliger Mannstärke auf den Plan rufen, die wenigsten werden Bürger erleben, die wie in Holzhausen mit Eisenstangen aufeinander losgehen und lokalen Politikern Drohbriefe schicken. Doch nach und nach dürften sie die menschlichen und finanziellen Folgen der Energiewende offenlegen. Wenn Kritiker das katastrophale politische Management des Umstiegs auf erneuerbare Energien anprangern, dann zeigt sich in Dörfern wie Holzhausen, was das aus der Froschperspektive bedeutet: Aus einem verbindenden Generationenprojekt ist ein neiderfüllter Kampf um Profite geworden, der die Energiewende zu einem teuren Teufelskreis werden lässt.

Installierte Windkraftleistung und Windkraftgebiete mit Potenzial Quelle: Bundesverband Windenergie, Frauenhofer IWES, Uni Augsburg

Installierte Windkraftleistung und Windkraftgebiete mit Potenzial (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Bundesverband Windenergie, Frauenhofer IWES, Uni Augsburg

Schuld an diesem Dilemma ist ausgerechnet die Windkraft, die wichtigste und in unseren Breiten effizienteste erneuerbare Energiequelle. Im Vergleich zu anderen Erneuerbaren verursacht sie die größten Kollateralschäden. Solaranlagen sorgen zwar für ärgerliche Ausschläge auf der Stromrechnung, doch den ästhetischen Schaden trägt vor allem der Solardachbauer selbst. Biogasanlagen mögen unangenehm riechen, doch das tat Gülle schon immer. Windkraftanlagen hingegen sind über viele Kilometer sichtbar, ein gutes Stück weit zu hören, sie werfen einen langen Schatten und erfordern immense bauliche Eingriffe in die Natur.

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