Forderung nach 30-Stunden-Woche: An Dummheit kaum zu überbieten

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KommentarForderung nach 30-Stunden-Woche: An Dummheit kaum zu überbieten

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In einem offenen Brief fordern Politiker und Forscher eine 30-Stunden-Arbeitswoche

von Christian Ramthun

Soviel Unsinn haben linke Professoren, Funktionäre und Politiker lange nicht zustande gebracht: Sie fordern eine 30-Stunden-Woche zur Erlangung der Vollbeschäftigung – während die Wirtschaft brummt und die Zahl der Erwerbstätigen auf Rekordhöhe steigt.

„Wir, die Unterzeichnenden dieses offenen Briefes, wenden uns an die RepräsentantInnen der Gewerkschaften, an alle demokratischen Parteien, die SpitzenvertreterInnen der Sozial- und Umweltverbände sowie die Kirchenvorstände in Deutschland mit der dringenden Bitte, dem Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit höchste wirtschaftliche und politische, soziale und humanitäre Priorität einzuräumen. Deutschland und die ganze Europäische Union befinden sich in einer schweren ökonomischen und sozialen Krise. Die Arbeitslosigkeit hat in Europa unerträgliche Größenordnungen erreicht.“

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Mit diesen Worten leiten einige Dutzend Professoren, Funktionäre und Politiker ihre zentrale Forderung ab, die 30-Stunden-Woche einzuführen. Der offene Brief „30-Stunden-Woche fordern! Ohne Arbeitszeitverkürzung nie wieder Vollbeschäftigung!“ wirkt wie ein Relikt aus den alten Zeiten des Klassenkampfes. Schlecht ist dabei allein schon das Timing, zumindest was die Situation in Deutschland betrifft, das Heimatland der Unterzeichner des Briefes. Deutschland strotzt vor Wirtschaftskraft, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat ein Rekordniveau erreicht, die Löhne steigen so stark wie schon lange nicht mehr, die Politik zieht Lohnuntergrenzen ein, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Wirtschaft sucht händeringend nach Arbeitskräften.

Schlimmer geht immer – Wo noch mehr gearbeitet wird!

  • Belgien

    Unsere direkten Nachbarn sind noch fixierter auf ihre Arbeit. 51 Prozent arbeiten bis zu drei Stunden täglich in ihrem Urlaub und elf Prozent sogar noch länger.

  • Brasilien

    Wer bei dem südamerikanischen Land nur an die Copacabana und den farbenfrohen Karneval denkt, irrt. Dort wird hart geschuftet – sogar im Urlaub. Mehr als die Hälfte der befragten Brasilianer arbeitet mehr als drei Stunden pro Tag.

  • China

    Im Reich der Mitte gibt es scheinbar kein Entkommen vor der Arbeit. 47 Prozent arbeiten im Urlaub bis zu drei Stunden täglich, 44 Prozent packen nochmal die eine oder andere Stunde drauf.

  • Frankreich

    Zwar arbeiten in Frankreich nur 44 Prozent der Befragten bis zu drei Stunden, also weniger als in der Bundesrepublik. Dafür liegt die Zahl derjenigen, die über drei Stunden arbeiten, deutlich höher – nämlich bei 14 Prozent.

  • Indien

    In Indien ist das Arbeiten in der Freizeit wesentlich ausgeprägter. Über die Hälfte der Beschäftigten arbeitet bis zu drei Stunden täglich, 27 Prozent sogar darüber hinaus.

  • Japan

    Auch im dritten asiatischen Land wird während der Freizeit geschuftet. 45 Prozent arbeiten bis zu drei Stunden, 21 Prozent noch länger.

  • Kanada

    Das nordamerikanische Land ist nicht gerade für Hektik und Stress bekannt, dennoch wird auch dort im Urlaub eifrig gearbeitet. Über die Hälfte der Kanadier beschäftigen sich bis zu drei Stunden täglich mit Ihrem Job.

  • Mexiko

    Knapp die Hälfte der Mexikaner geben an, sich im Urlaub täglich bis zu drei Stunden mit ihrem Job zu beschäftigen. Ein weiteres Viertel kümmert sich sogar mehr als drei Stunden um Geschäftliches.

  • Südafrika

    Ganze 61 Prozent der befragten Südafrikaner arbeiten bis zu drei Stunden täglich in ihrem Urlaub. Besonders eifrig sind die Bewohner der südafrikanischen Metropole Johannesburg.

  • USA

    In den USA ist der Prozentsatz der Urlaubs-Arbeiter ähnlich hoch. 58 Prozent sind bis zu drei Stunden täglich mit ihrem Job beschäftigt.

Rückfall in wirtschaftlich dunkle Zeiten

In diese hervorragende wirtschaftliche Lage ist Deutschland allerdings nicht durch Arbeitszeitverkürzungen gekommen. Von diesem Rezept aus den 70er und 80er Jahren – das mit zur damaligen Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Massenarbeitslosigkeit führte – hat sich Deutschland spätestens seit der Jahrtausendwende verabschiedet. Zum Glück. Denn sonst hätte Deutschland jetzt ein, zwei oder drei Millionen Arbeitslose mehr. Dass die Unterzeichner des offenen Briefes nun wieder einen Rückfall in die wirtschaftlich dunklen Zeiten der Nachkriegszeit verlangen, ist schon bemerkenswert.

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Zu diesem Unfug passt auch der Ausspruch „Fast vierzig Jahre neoliberaler Kapitalismus sind genug.“ Die meiste Zeit hat in diesen vier Jahrzehnten doch vielmehr eine ausufernde Sozial- und Steuerpolitik die Grenzen der wirtschaftlichen Belastbarkeit dieses Landes ausgetestet. Sowohl die Worte „neoliberal“ als auch „Kapitalismus“ waren geächtet. Wer trotzdem noch von 40 Jahren neoliberalem Kapitalismus spricht, leidet entweder unter einer Wahrnehmungsstörung oder steht nun wirklich extrem links.

In Deutschland mag man – hoffentlich - nach den schlechten Erfahrungen mit extremen Arbeitszeitverkürzungen und positiven Entwicklungen der jüngsten Zeit unverzüglich den offenen Brief im Abfalleimer entsorgen. Schlimmer könnte indes der Effekt dieses Papiers in anderen europäischen Ländern sein, die unter einer schweren Rezession leiden. Einige dieser Länder haben sich noch nicht entschieden, ob sie die Krise mit sozialistischen oder marktwirtschaftlichen Mitteln bekämpfen wollen. Insofern sollte man den offenen Brief der linken Wortführer nicht völlig unterschätzen.

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