Forderungen führender Ökonomen an die Regierung: Wo Merkel schon jetzt die Zeit davonläuft

ThemaWahlen 2017

Forderungen führender Ökonomen an die Regierung: Wo Merkel schon jetzt die Zeit davonläuft

von Malte Fischer und Konrad Handschuch

Wie bleibt Strom sicher und bezahlbar? Gibt es bald nur noch befristete Jobs? Müssen die Steuern noch weiter steigen? Wie retten wir unsere Brücken und Straßen vor dem Verfall, und wie geht es mit dem Euro weiter? Auf die neue Regierung warten viele Fragen. Führende Ökonomen streiten über die richtigen Antworten.

Herr Bofinger, Herr Fratzscher, Herr Hüther, Herr Polleit, die neue Bundesregierung steht vor schwierigen Entscheidungen. Die Energiewende läuft aus dem Ruder. Bei den öffentlichen Investitionen ist vieles liegengeblieben. Auf dem Arbeitsmarkt ist einiges in Rutschen gekommen und die Euro-Krise nicht gelöst. Zwar läuft die Konjunktur noch passabel, doch die Risiken für den Wohlstand sind gewaltig. Lassen Sie uns darüber sprechen, wie der Neustart Deutschlands gelingen kann.

Energiewende

Anzeige

In diesem Punkt sind sich alle Parteien einig: Die Energiewende droht zu scheitern, der Anstieg der EEG-Umlage muss gestoppt werden. Herr Fratzscher, wie gravierend ist das Problem wirklich?

Fratzscher: Die Preise für Strom und Energie sind wichtig für unseren Standort im internationalen Wettbewerb. In den USA und in anderen Ländern sinken dank neuer Fördertechnologien die Energiekosten derzeit rasant. Hierzulande steigen die Stromkosten. Ich sorge mich daher um die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen und die Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Die Bundesregierung muss rasch handeln.

Polleit: Der Anstieg der Strompreise ist nicht das Ergebnis freier Marktkräfte, sondern die Folge massiver staatlicher Interventionen. Mittlerweile hat der Energiesektor planwirtschaftliche Züge angenommen. Da kann es nicht verwundern, dass die Unternehmen die Internationalisierung ihrer Produktion vorantreiben, um kostengünstiger im Ausland zu produzieren. Die Bundesregierung sollte die interventionistische Energiepolitik beenden und mehr Wettbewerb zulassen. Dann werden die Strompreise sinken, und die Versorgungssicherheit steigt.

Hüther: Wir sind uns doch einig, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht länger tragbar ist. Produzenten von Ökostrom können ihren Strom uneingeschränkt zu festen Preisen in das Netz einspeisen. Das beschert ihnen Renditen von mehr als sieben Prozent pro Jahr über einen Zeitraum von 20 Jahren, während die Strompreise für die Verbraucher in die Höhe schießen. Die Monopolkommission hat jüngst einen Vorschlag unterbreitet, der die Versorger verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihres Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Dabei sollen sie selbst entscheiden, aus welchen erneuerbaren Quellen sie den Strom beziehen. Auf diese Weise wird sich der günstigste Ökostrom durchsetzen.

Bofinger: Dieses Modell hat den Nachteil, dass der Absatzpreis für Ökostrom je nach Markt- und Wettbewerbslage im Zeitverlauf variiert. Das nimmt den Produzenten die Planungssicherheit, die sie für ihre Investitionen benötigen. Besser wäre es, Ökostrom durch Auktionen zu fördern, wie das im Ausland mehr und mehr praktiziert wird. Dabei erhält der kostengünstigste Anbieter den Zuschlag für eine bestimmte Liefermenge, und das Problem einer unkontrollierten Ausweitung der Förderung wird beseitigt. Anders als bei der Quote bliebe die Förderung für die gesamte Produktionsphase stabil.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%