Forschungsweise: Deutschland muss innovativer werden

Forschungsweise: Deutschland muss innovativer werden

Bild vergrößern

Mäßiges Ergebnis - Der Vorsitzende des Instituts für Innovationsforschung, Dietmar Harhoff, überreicht Angela Merkel das Jahresgutachten 2012 der Expertenkommission Forschung und Innovation.

von Max Haerder

Die Expertenkommission Forschung und Innovation stellt der Bundesregierung ein mäßiges Zeugnis aus. Wenn es um die technologische Zukunft des Landes geht, tut die Politik zu wenig.

Während nur wenige Meter entfernt im Berliner Regierungsviertel mal wieder ein historischer Positivrekord bei der Arbeitslosenquote gefeiert wird, gießt Dietmar Harhoff Wasser in den Festtagschampagner. Das Drei-Prozent-Ziel für Forschung? „Haben wir verfehlt.“ Der Ausbau der Spitzentechnologie? „Defizite.“ Blockierte Projekte in der Forschungsförderung? „Endlich umsetzen!“
Dietmar Harhoff, Innovationsexperte an der Universität München, ist Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), der Forschungsweisen sozusagen. Zum fünften Mal legte der sechsköpfige Rat der Wissenschaftler heute Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Jahresgutachten vor. Und nicht zum ersten Mal beschlich sie das Gefühl des Deja-vus.

Ziel verfehlt
Denn trotz vollmundiger Rhetorik von Bildungsrepublik und Forschungspakten liegen in der deutschen Innovationspolitik zahlreiche Baustellen brach. Das europaweit vereinbarte Ziel, drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung zu investieren, verfehlt die Bundesrepublik trotz milliardenschwerer Anstrengungen noch immer: 2010 waren es 2,82 Prozent. Und perspektivisch fordern die Experten sogar ein weitaus größeres Engagement: „Bis 2020 müssen wir ein ambitionierteres Ziel in den Blick nehmen“, sagt Harhoff.
Ein Instrument, das dabei helfen könnte, steht zwar im Koalitionsvertrag, staubt dort aber vor sich hin: die steuerliche Forschungsförderung. Sie wäre ein „Beitrag zur Standortsicherung“, plädierte der EFI-Vorsitzende, weil sie Forschungsausgaben von Unternehmen mit einer Steuergutschrift belohnen würde. Forschungslabors aus Deutschland wanderten mittlerweile an ausländische Standorte mit einer solchen staatlichen Förderung ab.
Bislang beharken sich in der schwarz-gelben Koalition bei dem Thema Forschungs- und Haushaltspolitiker, Subventionsbefürworter streiten mit Konsolidierungsfans. Die Wirkung des Steuerbonus‘ sei aus anderen Ländern jedenfalls eindeutig belegt, unterstreicht die Kommission.
Auch in der schwelenden Debatte um das Kooperationsverbot in der Hochschulpolitik schlagen sich die Forschungsweisen auf die Seite der Reformer. Im Grundgesetz müssten die Lösungen der letzten Föderalismuskommission wieder zurückgedreht werden, die eine dauerhafte Förderung des Bundes in der Länderdomäne Hochschule „massiv eingeschränkt“ hätten, so Harhoff. „Der Bund ist aber der finanziell viel potentere Partner.“

Anzeige

weitere Links zum Artikel


Das Ergebnis der vergangenen Jahre, als Bundesbildungsministerin mit zeitlich begrenzten Programmen Milliarden in die Universitäten pumpte, beschreiben die EFI-Experten in ihrem Gutachten so: „Die derzeitige Finanzierungsstruktur“ sei „nicht ausgewogen“. Im Klartext: Der Bund soll wieder in die akademische Grundfinanzierung einsteigen. Die Länder können es nicht alleine.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%