Frank-Jürgen Weise: "Wirtschaftssanktionen könnten Jobs bedrohen"

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InterviewFrank-Jürgen Weise: "Wirtschaftssanktionen könnten Jobs bedrohen"

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BA-Chef Frank-Jürgen Weise will ein Zielsystem entwickeln, das die schwierige Integration Langzeitarbeitsloser besser berücksichtigt

von Max Haerder und Bert Losse

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise sagt dem deutschen Arbeitsmarkt ein hervorragendes Jahr voraus – sofern es keine externen Schocks gibt, etwa durch die Krim-Krise.

WirtschaftsWoche: Herr Weise, die Zahl der Arbeitslosen hat sich bei knapp über drei Millionen stabilisiert, saisonbereinigt gehen die Zahlen seit drei Monaten zurück. Wird 2014 ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt?

Weise: 2014 könnte sogar das beste Jahr seit Langem werden! Bis auf den Banken- und Versicherungsbereich suchen fast alle Branchen nach neuen Mitarbeitern. Besonders hoch ist die Nachfrage in technischen Berufen und im Gesundheitsbereich. Insgesamt rechnen wir 2014 mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl unter drei Millionen Menschen. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte auf 42,1 Millionen steigen.

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Woran liegt das?

Der Export läuft stark, die Investitionen ziehen langsam an. Auch die Binnenkonjunktur ist in Schwung, weil Lohnsteigerungen und Produktivität in einer guten Balance sind. Ein Selbstläufer ist die gute Lage am Arbeitsmarkt gleichwohl nicht. Es dürfen keine externen Schocks eintreten, etwa durch die Krim-Krise. Wirtschaftssanktionen könnten in Deutschland Jobs bedrohen.

Zur Person

  • Frank-Jürgen Weise

    Weise, 62, ist seit Februar 2004 Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA). Der Diplom-Betriebswirt und Oberst der Reserve arbeitete zuvor in der Privatwirtschaft.

Eine Gruppe profitiert vom Aufschwung am Arbeitsmarkt so gut wie gar nicht – die Langzeitarbeitslosen.

Das stimmt so nicht. Seit 2006 ist deren Zahl um 40 Prozent gesunken. Sie haben insofern recht, als dass sich die positive Entwicklung zuletzt nicht mehr fortgesetzt hat. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist wieder leicht gestiegen und pendelt nun um die Millionengrenze.

Wie lässt sich dieser Sockel abschmelzen?

Nur durch Aus- und Weiterbildung. Für zwei Drittel dieser Menschen gilt mindestens eines der folgenden drei Kriterien: Sie haben keinen Schulabschluss, keinen Berufsabschluss oder sind älter als 50 Jahre. 400 000 von ihnen sind sogar besonders hartnäckige Fälle, die seit 2005 nicht mehr gearbeitet haben. Diese Gruppe lässt sich nur über ein langfristig angelegtes Programm aktivieren. Die Menschen müssen qualifiziert werden und einen Arbeitgeber finden, der die Einstellung wagt – gern auch mit Lohnkostenzuschuss durch die Arbeitsagentur.

Mit Verlaub: Welcher Betrieb stellt jemanden ein, der seit zehn Jahren nicht mehr gearbeitet hat?

Natürlich ist das schwierig. Manche der Betroffenen haben aber keine schweren Defizite, sondern hatten schlicht keine Kinderbetreuung gefunden oder mussten Angehörige pflegen. Wenn wir das organisiert bekommen, können diese Leute arbeiten. Mit großer Motivation sogar. Und was ganz wichtig ist: Wir wollen die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Einen sozialen Arbeitsmarkt, der Beschäftigung nur simuliert, werde ich nicht herbeireden. Wir müssen die Arbeitgeber von unseren Kandidaten überzeugen: Schau dir den Menschen an und nicht die Zeugnisse. Und dann müssen wir beide Seiten begleiten, weil es ein anspruchsvoller Weg ist.

Halten Sie mit Blick auf die Problemfälle im Arbeitslosenbestand den gesetzlichen Mindestlohn für eine gute Idee?

Der Mindestlohn ist eine politische Entscheidung und wird von einer Mehrheit in der Bevölkerung gewünscht. Er führt dazu, dass gerade viele Ungelernte in Zukunft mehr leisten und eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren müssen – damit sie die 8,50 Euro pro Stunde erwirtschaften können. Dazu gehört auch, selbst die Initiative zu ergreifen.

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