Frankfurter Flughafen: Deutsche Polizei hindert US-Teenager an Dschihad-Reise

Frankfurter Flughafen: Deutsche Polizei hindert US-Teenager an Dschihad-Reise

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Gerade noch rechtzeitig: Am Frankfurter Flughafen verhinderte die Polizei die Weiterreise der drei US-Teenager.

Anstatt in die Schule zu gehen, wollten drei Mädchen aus Denver mit gestohlenem Geld offenbar nach Syrien, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen. Die Polizei stoppte sie in Frankfurt.

Polizisten haben am Frankfurter Flughafen drei Mädchen aus den USA gestoppt, die sich offenbar der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien anschließen wollten. Die 15 und 17 Jahre alten Geschwister und deren 16-jährige Freundin seien zurück zu ihren Familien in Denver gebracht worden, sagte FBI-Sprecherin Suzie Payne am Dienstag. Ein Regierungsvertreter in Washington sprach von einem „beunruhigenden“ Fall.

Die Mädchen waren am vergangenen Freitag nicht in der Schule erschienen. Der Vater der 16-Jährigen wurde von der High School telefonisch darüber informiert, woraufhin er seine Tochter als vermisst meldete, wie Glenn Thompson vom Büro des Sheriffs im Bezirk Arapahoe mitteilte.

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Ein erster Verdacht sei aufgekommen, als der Vater der anderen Mädchen bemerkt habe, dass sie mit 2000 Dollar und ihren Pässen verschwunden seien. Die Familien hätten keine Ahnung gehabt, wohin ihre Kinder gegangen seien, sagte Thompson weiter.

Islamischer Staat Die Sorgen der Türken

Der Vormarsch der terroristischen Gotteskrieger in Syrien löst eine gewaltige Flüchtlingswelle aus und erschüttert das Nachbarland Türkei.

Syrische Flüchtlinge in der Türkei Quelle: dpa

Am Wochenende wurden die Teenager schließlich am Frankfurter Airport verhaftet, nachdem sie dort einen ganzen Tag verbracht hatten. Im Verhör hätten sie ausgesagt, aus Familiengründen nach Deutschland gereist zu sein. Nach ihrer Rückkehr nach Denver wurden sie vom FBI befragt und dann nach Hause geschickt.

Nach Angaben eines US-Vertreters wollten die Mädchen über die Türkei nach Syrien reisen. Ermittler trügen derzeit entsprechende Beweise zusammen, darunter Daten aus deren Computern.

Ein anderer Regierungsbeamter bestätigte die Erkenntnisse, erklärte jedoch, Ermittler untersuchten noch die Art der Kontakte, die sie in dem Bürgerkriegsland gehabt hätten. Zudem gingen sie der Frage nach, ob es „gleichgesinnte“ Freunde und Bekanntschaften im sozialen Umfeld der Mädchen gebe.

Der Fall erinnert an die 19-jährige Shannon Conley aus dem Ort Arvada in Colorado, die sich im vergangenen Monat der geplanten Beihilfe von Extremisten in Syrien schuldig bekannt hatte. Im April wurde sie von Agenten festgenommen, als sie ein Flugzeug besteigen wollte, mit dem sie nach eigener Aussage in das Bürgerkriegsland reisen wollte.

Den Beamten erklärte sie, sie wolle einen tunesischen Verehrer heiraten, der sich im Online-Chat als IS-Kämpfer ausgegeben habe. Außerdem gab Conley an, ihr bei der US-Armee erworbenes Militärtraining im Ausland für eine Beteiligung am Dschihad zu nutzen.

Fakten zum Terror im Irak

  • Wer verbirgt sich hinter ISIS/IS?

    Die Terrorgruppe ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) ist eine im Syrienkrieg stark gewordene Miliz. Die Gruppe steht seit 2010 unter Führung eines ambitionierten irakischen Extremisten, der unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi bekannt ist. Die USA haben zehn Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt. Ihm ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, aus einer eher losen Dachorganisation eine schlagkräftige militärische Organisation zu formen. Ihr sollen bis zu 10.000 Kämpfer angehören.

    Die Gruppe nannte sich Ende Juni in IS um, da sie die Einschränkung auf den Irak und Syrien aufheben wollte.

  • Was sind die Ziele von ISIS?

    ISIS sind Dschihadisten, Gotteskrieger. Sie kämpfen für eine strikte Auslegung des Islam und wollen ihr eigenes „Kalifat“ schaffen. Ihre fundamentalistischen Ziele verbrämt Isis bisweilen - wenn es in einzelnen Regionen gerade opportun erscheint. „Im Irak gerieren sie sich als Wahrer der sunnitischen Gemeinschaft“, weiß Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak. „In Syrien vertreten sie ihre Ideologie und ihr Projekt weit offener.“ In der syrischen Stadt Rakka beispielsweise setzen die Extremisten ihre strikte Auslegung islamischer Gesetze durch. Aktivisten und Bewohner in der Stadt berichten, dass Musik verboten wurde. Christen müssen eine „islamische Steuer“ für ihren eigenen Schutz zahlen.

  • Welche Taktik verfolgt ISIS?

    Ihre Taktik ist eine krude Mischung von brutaler Gewalt und Anbiederung - alles zwischen Abschreckung durch das Köpfen von Feinden und Eiscreme für die Kinder in besetzen Gebieten. Das alles dient der Al-Kaida-Splittergruppe Isis nur zu einem Ziel: den Islamischen Staat im Irak und Syrien zu bilden, den ihr Name verheißt. Die Gruppe, der bis zu 10.000 Kämpfer angehören sollen, hat diese Woche die irakischen Städte Mossul und Tikrit überrannt und den Marsch auf Bagdad angekündigt.

  • Wie weit ist ISIS damit gekommen?

    Zu Jahresbeginn hatte Isis bereits die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen hat ISIS maßgeblichen Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht. Der einstige Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, den US-Truppen vor ihrem Abzug aus dem Irak 2011 besiegt zu haben meinten, blüht in einer neuen Inkarnation wieder auf. Dabei profitiert Isis von den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, die ihre sunnitische Anhängerschaft radikalisieren.

    Bislang drangen ISIS-Kämpfer bis zur Provinz Dijala knapp 60 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Mittlerweile haben die Kämpfer die Städte Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

  • Wie finanziert sich ISIS?

    Nach dpa-Informationen erbeuteten ISIS-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro. Auch schweres Kriegsgerät soll ISIS erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

  • Welche Auswirkungen hat der Feldzug von ISIS auf die Bevölkerung?

    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

  • Warum ruft der Irak nicht den Notstand aus?

    Ministerpräsident Al-Malikis Versuch, am 12. Juni 2014 den Notstand auszurufen, war am Parlament gescheitert, das eine Abstimmung wegen mangelnder Beteiligung verschob. Seit Monaten zeigt sich Al-Maliki praktisch machtlos gegen den Terror sunnitischer Extremisten im Land. Dieser kostete seit April 2013 Tausenden Menschen das Leben.

  • Bekommt der Irak Unterstützung?

    Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu. Die Nato und Großbritannien schlossen einen militärischen Eingriff aus. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Mittlerweile prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

Bei der im Januar erwarteten Verurteilung drohen Conley bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar (umgerechnet rund 196.000 Euro). Ob die noch minderjährigen Mädchen aus Denver mit Strafverfolgung rechnen müssen, wollte das örtliche Büro der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Ebenso unklar sind derzeit deren Beweggründe für deren Interesse an der IS-Miliz.

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