Franz-Josef Jung tritt zurück: Krönung eines grandiosen Fehlstarts

KommentarFranz-Josef Jung tritt zurück: Krönung eines grandiosen Fehlstarts

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Cornelia-Schmergal

von Cornelia Schmergal

Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung tritt von seinem Amt zurück. Einen schlechteren Start hat kaum eine Bundesregierung erwischt. Ein Kommentar von Wirtschaftswoche-Reporterin Cornelia Schmergal.

Jetzt geht er also doch. Am Freitagmittag hat Franz Josef Jung seinen Rücktritt vom Amt des Bundesarbeitsministers bekannt gegeben. Knapp zwei Minuten dauerte sein Statement, in dem Jung die volle Verantwortung für die Informationspannen nach einem Bombenangriff auf zwei Tanklaster in Afghanistan übernahm. Rückfragen waren nicht zugelassen, Jung verschwand stumm.

Damit blieb er sich zumindest treu. In seiner kurzen Zeit als Arbeitsminister hatte Jung noch kein einziges Interview gegeben. In seine neue Rolle als Arbeitsminister wollte Franz Josef Jung sich erst hineinfinden, seine alte Rolle als Verteidigungsminister füllte er auch nach vier Jahren nicht aus.

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Und selbst sein Abgang aus dem Kabinett hätte eleganter sein können. Schon am Donnerstag war bekannt geworden, dass das Verteidigungsministerium viel früher als bisher bekannt über den Vorfall in Afghanistan informiert worden war.

Jung jedoch leistete sich erst noch einen höchst ungeschickten Auftritt vor dem Parlament, ehe er am Folgetag die Konsequenzen zog.  An diesem Freitag hat sein Rücktritt aus Sicht Angela Merkels nur ein Gutes: Lange Debatten über die Causa Jung fallen aus.

Mit seinem Rücktritt kann der Bundesverteidigungsminister a.D. einen Untersuchungsausschuss verhindern, denn die parlamentarische Aufklärung des Falles wird nun vermutlich im regulären Verteidigungsausschuss stattfinden. Und dort wird der amtierende Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Scherben zusammen kehren.

Er stand den Abgeordneten noch am Freitagmorgen – kurz vor dem Rücktritt Jungs - zwei Stunden lang Rede und Antwort. Mit ihm wird die Opposition milder umgehen. Immerhin verspricht Guttenberg maximale Offenheit. Und doch bleibt für die frischgebackenen Koalitionäre die bittere Erkenntnis, dass der erste Rücktritt  nach nur wenigen Wochen den grandiosen Fehlstart einer ganzen Regierung krönt.

Von schwarz-gelber Strahlkraft, von mitreißenden Projekten, von klugen Ideen ist nichts zu spüren – und man fragt sich schon, warum die Wähler dem Bündnis eine so klare Mehrheit mit auf den Weg gaben, wenn Union und FDP sich nur im Kleinklein über subventionierte Mehrwert-Steuersätze für Hotel-Übernachtungen verheddern. Wer Optimist ist, kann nun wenigstens eines hoffen: Es kann nur besser werden.

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