Frauen in Führungspositionen: Blamieren mit der Frauenquote

Frauen in Führungspositionen: Blamieren mit der Frauenquote

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Weiche Quote, weiche Formulierungen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD).

von Cordula Tutt

Dax-Konzerne unterlaufen ein neues Gesetz zur Frauenförderung. Die Politik ist selber schuld: Sie hat die Vorschriften schwammig formuliert.

Thomas Nöcker ist Personalvorstand des Dax-Konzerns K+S. Sein Geschäft kreist um Bergbau, Dünger und Rohstoffe. Ein rustikales Gewerbe, Frauen gab’s nie viele. Nöcker sieht sich dennoch als Vorbild: „Der Anteil der Frauen in Führungspositionen ist bei uns bereits höher als ihr Anteil an der Belegschaft in Deutschland“, sagt der Vorstand. Neun Prozent Frauen arbeiten deutschlandweit bei K+S, aber unter den Führungskräften stellen sie 11,5 Prozent.

Das reicht Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) nicht. Konzerne wie K+S müssen sich laut Schwesigs Quotengesetz bis zum 30. September 2015 Ziele setzen und veröffentlichen, wie viele Frauen sie bis spätestens Mitte 2017 zusätzlich befördern wollen. Das gilt für den Vorstand und die nächsten zwei Führungsebenen. Erklärtes politisches Ziel ist ein Frauenanteil von 30 Prozent unter den Tob-Jobs.

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So hoch ist der Frauenanteil in den Dax-Konzernen

  • Adidas

    Bei Adidas liegt der Frauenanteil in Deutschland bei exakt 50 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind es ebenfalls 50 Prozent. Die Führungskräfte des Konzerns sind jedoch nur zu 28 Prozent weiblich.  

  • Allianz

    Bei der Allianz liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 47,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 52,9 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 31,5 Prozent weiblich.  

  • BASF

    Bei der BASF liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 23,7 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 24,4 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,1 Prozent weiblich.  

  • Bayer

    Bei Bayer liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 31 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 37 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 26 Prozent weiblich.  

  • Beiersdorf

    Bei Beiersdorf liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 50,8 Prozent (Stand: 2014). Die Führungskräfte des Konzerns sind in Deutschland zu 27,5 Prozent und weltweit zu 26 Prozent weiblich.  

  • BMW

    Bei BMW liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 14,8 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 17,8 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind zu 14,2 Prozent weiblich.  

  • Commerzbank

    Bei der Commerzbank liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 51,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 52 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 28,2 Prozent weiblich.  

  • Continental

    Bei Continental liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 21 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 27,3* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 10* Prozent weiblich.  

    *Ergänzung der systematischen Belegschaftsdaten um 6 weitere Länder in 2014 mit unterdurchschnittlichem Frauenanteil

  • Daimler

    Bei Daimler liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 15,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 16,8 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind ebenfalls zu 15,5 Prozent weiblich.  

  • Deutsche Bank

    Bei der Deutschen Bank liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 47,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 41,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,4 Prozent weiblich.  

  • Deutsche Börse Group

    Bei der Deutsche Börsen Group liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 37 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 40 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 15 Prozent (oberes und mittleres Management) und 24 Prozent (Unteres Management) weiblich.  

  • Deutsche Post DHL Group

    Bei der Deutschen Post liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 45,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 36 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 19,3 Prozent weiblich.  

  • Eon

    Bei Eon liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 27 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 29 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 15,8 Prozent weiblich.  

  • Fresenius

    Bei Fresenius liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 71,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind es nur 68,4 Prozent. Die Führungskräfte des Konzerns weltweit sind sogar nur zu 29,9 Prozent weiblich.  

  • Fresenius Medical Care

    Bei Fresenius Medical Care liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 46,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 68,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu einem Drittel (32,4 Prozent) weiblich.  

  • Heidelberg Cement

    Bei Heidelberg Cement liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 14 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 13 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 9 Prozent weiblich.  

  • Henkel

    Bei Henkel liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 36 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 33,2 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu einem Drittel (32,5 Prozent) weiblich.  

  • Infineon

    Bei Infineon liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 25,5 Prozent (Stand: 30.09.2014). Weltweit sind 37,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 12,5 Prozent weiblich.  

  • K+S

    Bei K+S liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 9,2 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 12,1 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 14 Prozent weiblich.  

  • Lanxess

    Bei Lanxess liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 17,1 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 18 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 15,4 Prozent weiblich.  

  • Lufthansa

    Bei der Lufthansa liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 45,8 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 44,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit jedoch nur zu 14,2 Prozent weiblich. Bezieht man Frauen mit Personalverantwortung (inkl. Leitungsebenen und Vorstand) mit ein, liegt der Wert bei 33,7 Prozent.

  • Merck

    Bei Merck liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 38 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind sogar 41 Prozent der Mitarbeiter Frauen. In den Führungskräften des Konzerns sind weltweit jedoch nur 26 Prozent weiblich.  

  • Munich RE

    Bei Munich RE liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 52 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind sogar 54 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die weiblichen Führungskräfte des Konzerns liegen jedoch nur bei 31 Prozent weltweit.

  • RWE

    Bei der RWE liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 21,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 26,6 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 14,3 Prozent weiblich.  

  • SAP

    Bei SAP liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 28,7 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 31* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit zu 21,3* Prozent weiblich.

    *Aktuelle Akquisitionen einbezogen und historische Daten entsprechend angepasst 

  • Siemens

    Bei Siemens liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 22* Prozent. Weltweit sind 24* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 16* Prozent weiblich.  

    *Stand jeweils 30.09.2013: Siemens ohne Osram

  • Telekom

    Bei der Telekom liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 31,4 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 35,5 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 25,6 Prozent weiblich.  

  • The Linde Group

    Bei The Linde Group liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 25,4 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 28,7* Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind weltweit aber nur zu 13,9* Prozent weiblich.  

    *inklusive Akquisition von Lincare in den USA

  • Thyssen Krupp

    Bei Thyssen Krupp liegt der Frauenanteil sowohl in Deutschland, als auch weltweit bei 14,5 Prozent (Stand: 2014). Die Führungskräfte des Konzerns sind jedoch nur zu 8,6 Prozent weltweit weiblich.  

  • VW

    Bei Volkswagen liegt der Frauenanteil in Deutschland bei 17,5 Prozent (Stand: 2014). Weltweit sind 15,7 Prozent der Mitarbeiter Frauen. Die Führungskräfte des Konzerns sind aber nur zu 12,1 Prozent weiblich.  

Dieser Teil von Schwesigs Gesetz ist weniger bekannt als die viel diskutierte Quote für Aufsichtsräte. Die erzwingt 30 Prozent Frauen in Kontrollgremien, was aber offenbar leichter zu schaffen ist. In den 30 Dax-Unternehmen fehlen nur noch 20 Aufseherinnen.

In deutschen Vorständen sitzen aber nach wie vor sehr wenige Frauen; in den zwei Führungsebenen darunter tut sich nur langsam etwas. Der K+S-Vorstand etwa besteht bislang aus fünf Männern. Unter den Führungsjobs der nächsten Ebene fällt der Mitarbeiterinnen-Anteil auf zehn Prozent, auf der Ebene danach sind es gar nur schlanke fünf Prozent.

Doch werden Schwesigs neue Regeln daran viel ändern? Wohl zumindest kurzfristig kaum. Denn anders als bei der Regelung zur Quote in Aufsichtsräten sind Sanktionen nicht vorgesehen. Finden Konzerne für ihre Führungsjobs keine Kandidatinnen – oder geben dies vor –, bleibt die Strafe durch den Gesetzgeber aus.

Zudem haben Vorstände und Wirtschaftsprüfer entscheidende Lücken im Gesetz gefunden. Unternehmen könnten sich etwa das „Ziel Null“ setzen, also anstreben, den Frauenanteil lediglich nicht abrutschen zu lassen. Auch K+S-Vorstand Nöcker hat seine Vorgaben denkbar bescheiden formuliert: „Ich nehme an, dass wir in einem ersten Schritt zunächst den Status quo als Ziel abbilden“, sagt er. Das heißt: Gut ist, wenn es so bleibt, wie es ist. Ähnlich unambitioniert planen verschiedene andere Dax-Unternehmen, auch wenn sie dies noch nicht öffentlich erklären möchten.

Ein weiterer Kniff, den das Gesetz nicht ausschließt: Konzerne wollen ihre Förderziele Ende September nicht melden, sondern im hinteren Teil ihres Geschäftsberichtes verstecken. Der erscheint dann erst 2016.

Die Commerzbank, die seit der Finanzkrise teils im Bundesbesitz ist, macht aus ihrem Mangel an Ehrgeiz hingegen keinen Hehl. Frank Annuscheit, im siebenköpfigen (rein männlichen) Vorstand für Personalfragen zuständig, kündigte an, ebenfalls nur den Status quo halten zu wollen.

Das heißt: mickrige 8,6 Prozent Frauen in der ersten Ebene unterm Vorstand und 14,6 Prozent in der zweiten. „Wir haben uns bewusst für diese konservativen Quoten entschieden, um die gesetzlichen Regelungen zu erfüllen und gleichzeitig unsere unternehmerische Freiheit zu wahren“, erläutert Vorstand Annuscheit im Intranet der Bank.

Schwammige Regeln

Ministerin Schwesig ist über so wenig Ehrgeiz der Unternehmenslenker überhaupt nicht glücklich: „Wir sind der Wirtschaft sehr entgegengekommen. Ein erster Schritt für den notwendigen Kulturwandel ist die Festlegung der Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen.“ Auf dem Status quo zu beharren sei nicht genug: „Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie ihre Spielräume nutzen und mehr Frauen in die Führungsetagen holen. An qualifizierten Frauen mangelt es nicht.“

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Mit den schwammigen Regeln, die so leicht auszuhebeln sind, hat sich der Gesetzgeber aber selber blamiert. Konzerne sollten dennoch nicht zu früh frohlocken, sagen Unternehmensberater. Bleibe ihr Frauenanteil weiter mickrig, drohe ihnen ein Imageschaden, glaubt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG. „Wie ein Unternehmen mit Frauen auf der Führungsebene umgeht, hat Einfluss auf sein Bild in der Öffentlichkeit“, sagt sie. „Und es ist ein Signal an den Markt.“ Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge könnten bald auch Erfolge bei der Förderung von Vielfalt entscheidend sein.

Die KPMG-Wirtschaftsprüferin erwartet mehr Ehrgeiz – schon im Eigeninteresse der Unternehmen: „Qualifizierte Bewerberinnen werden sich genau fragen, ob es eine Kultur der Vielfalt in einem Unternehmen gibt.“

Da stünde die Commerzbank weniger gut da. Schaut man genau hin, will sie bei ihren bescheidenen Zielformulierungen nur den Frauenanteil aus dem Jahr 2014 halten. Dieses Jahr ist ihr Anteil auf der zweiten Führungsebene schon von 14,6 auf 16 Prozent geklettert. Das als Ziel festzuschreiben traute sich die Bank aber nicht.

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