Freigabe von Cannabis: Letzte Chance für die Legalisierung in Deutschland

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Cannabis-Agentur geplant: Viele Landwirte würden Hanf anbauen
von Maximilian Nowroth

Die Freigabe von Cannabis in Berlin wird erneut abgelehnt. Nur eine Klage oder ein teures wissenschaftliches Projekt könnten das Vorhaben retten. Das unterstützt die Stadt Düsseldorf – und der Milliardär George Soros.

Der Kampf für die Freigabe von Cannabis in Deutschland geht in die entscheidende Runde. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ist mit dem Widerspruch gegen das Verbot des regulierten Verkaufs von Cannabis erneut gescheitert. Das belegt ein Bescheid des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), welcher der WirtschaftsWoche vorliegt. „Der Verkauf von Cannabis zu Genusszwecken ist mit dem Betäubungsmittelgesetz nicht vereinbar“, schreibt die Behörde (siehe Originaldokument). Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für alle deutschen Kommunen, die Cannabis-Abgabestellen aufbauen wollen, um den Drogenkonsum besser kontrollieren zu können. 

Cannabis Die Ablehnung des Berliner Antrags

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) lehnt den Antrag auf einen regulierten Verkauf von Cannabis im Februar 2016 erneut ab (Originaldokument, Anklicken zum Download).

Cannabis: Die Ablehnung des Berliner Antrags

Ob das Berliner Bezirksamt gegen den Bescheid klagt, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Aktuell prüfe ein Jurist die Argumente, teilte die Behörde mit. Der Berliner Projektleiter Horst-Dietrich Elvers ist aber skeptisch: „Das Verfahren wäre ein finanzielles Risiko, das wir uns nicht leisten können“, sagte er der WirtschaftsWoche. Hilfe könnte aus Düsseldorf kommen: Die Stadt bereitet gerade ebenfalls einen Antrag vor, der den regulierten Verkauf von Cannabis an Erwachsene ermöglichen soll. Die Bedingung dafür ist eine aufwendige wissenschaftliche Begleitung des Projektes, um zu klären, welche gesundheitlichen Auswirkungen die Legalisierung von Cannabis hat. Es wäre aber auch denkbar, Berlin bei einer Klage zu unterstützen, hieß es aus dem Düsseldorfer Beratergremium. Ein Ratsmitglied der Grünen bekräftigte die Ambitionen: „Wir wollen, dass das Projekt in Deutschland Schule macht“. 

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Legale Cannabismengen für den Eigenbedarf

Cannabismengen für Eigenbedarf, bei denen keine Strafverfolgung droht. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Drogenpolitik in Deutschland relativ restriktiv. Anbau, Herstellung und Handel mit Cannabis sind hierzulande strafbar. In den Niederlanden dagegen ist der Verkauf in Coffeeshops erlaubt. Und in den USA blüht derzeit eine ganze Cannabis-Industrie: In 23 Bundestaaten darf Marihuana zu medizinischen Zwecken verkauft werden. In Colorado ist der Verkauf offiziell freigegeben, 2015 betrug der Umsatz 996 Millionen Dollar, berichten US-Medien.

Cannabis-Gesetze weltweit

  • Uruguay

    Uruguay hat seit 2013 weltweit die liberalsten Gesetze. Verkauf von Cannabis mit THC-Gehalt bis zu 15 Prozent ist legal. Die Umsetzung dauert noch bis Ende 2015. Statt selbst anzubauen, erteilt der Staat Produktionslizenzen an Unternehmen. Verkauf über Apotheken – und zwar billig: ein Dollar pro Gramm. Nur an Einheimische. Behörde kontrolliert. Käufer werden registriert.

    Mindestalter: 18
    Besitz: Unbegrenzt
    Verkauf: Club, Apotheke, Eigenanbau

  • Colorado, USA

    Der US-Bundesstaat erlaubt den privaten Besitz und Konsum von Cannabis. Verkauft wird Hanf in Fachgeschäften. Das Geschäft lockt Touristen in Scharen. Auch der kommerzielle Anbau ist erlaubt. Joints in der Öffentlichkeit sind tabu. Ähnliche Regelungen gibt es in Alaska, Washington, Oregon. Die Hauptstadt Washington DC erlaubt den Besitz, verbietet aber den Verkauf.

    Mindestalter: 21
    Besitz: 28 Gramm
    Verkauf: Hanfshops

  • Niederlande

    Die Niederlande sind Europas Kifferparadies. Doch der Konsum von Joints ist nur in Coffeeshops erlaubt – und zwar nur für Holländer und in Holland lebende Ausländer. Ansonsten bleibt der Hanfbesitz verboten. Bis fünf Gramm werden aber strafrechtlich nicht verfolgt. Kommerzieller Anbau ist verboten. Coffeeshop-Inhaber importieren Gras etwa aus Marokko.

    Mindestalter: 18
    Besitz: Nur Konsum in Coffeeshops
    Verkauf: Coffeeshops

  • Portugal

    Portugal setzt zwar weiterhin auf Prohibition und verbietet den Besitz von Cannabis, behandelt Kiffer (und Konsumenten anderer Drogen) aber nicht mehr als Kriminelle. Wer mit bis zu 25 Gramm Cannabis erwischt wird, muss Sozialstunden ableisten oder wird zum Therapeuten geschickt. Die Stigmatisierung fällt somit weg.

    Mindestalter: Grundsätzlich verboten
    Besitz: Entkriminalisiert bis 25 Gramm
    Verkauf: Verboten

  • Spanien

    Spanien entwickelt sich zum Kifferhotspot Europas. Der Staat erlaubt den Eigenanbau und privaten Konsum von Cannabis zu Hause. Auch Kifferclubs sind erlaubt. Landesweit gibt es rund 500 davon, allein 200 in Barcelona. Die Stadt gilt inzwischen als „New Amsterdam“. Kauf und Verkauf von Hanf sind verboten.
    Mindestalter: 18
    Besitz: Eigenanbau
    Verkauf: Verboten

  • Deutschland

    Cannabis-Produkte sind illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten. Das Betäubungsmittelgesetz sieht Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Haft vor. Beim Umgang mit „nicht geringen Mengen“ - bei Haschisch und Marihuana 500 Konsumeinheiten à 15 Milligramm Tetrahydrocannabinol (THC) - liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft. Für „Gelegenheitskiffer“ kennt das Gesetz die Untergrenze der „geringen Menge“ zum Eigenverbrauch. Bei wenigen Konsumeinheiten kann die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen. Das ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.

  • Tschechien

    Ein Jahr nach der Legalisierung von Cannabis für medizinische Anwendungen hat die Substanz nach Medienberichten noch keinen Patienten erreicht. Zwar können Ärzte bei schweren Erkrankungen wie Krebs, Multipler Sklerose oder Parkinson Cannabis verschreiben, doch ist das Mittel noch nicht verfügbar. Kritiker werfen dem Gesundheitsministerium in Prag mutwillige Verzögerung bei der Vergabe von Züchterlizenzen vor.

Wie sich die Legalisierung auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt, ist noch nicht hinreichend erforscht. Kritiker sagen, dass der Konsum von Cannabis abhängig macht und zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann. Außerdem argumentiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, dass die Legalisierung von Hanf eine neue Zielgruppe ansprechen würde, die bisher noch nie einen Joint geraucht haben. Befürworter in Kommunen wie Düsseldorf, Berlin, Köln oder Duisburg betonen dagegen, dass die Freigabe eine Prävention erst ermögliche und erhoffen sich, dass der illegale Drogenmarkt durch eine Legalisierung ausgetrocknet wird.

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3 Kommentare zu Freigabe von Cannabis: Letzte Chance für die Legalisierung in Deutschland

  • "Letzte Chance für die Legalisierung in Deutschland" nun ja, etwas sehr pessimistisch, ich hätte eher getitelt: Letzte Chance für kommunale Cannabis-Modellprojekte oder Letzte Chance klaglos ... denn der Rechtsweg wurde noch gar nicht probiert - Außerdem: "In dieser Legislaturperiode"

    "Wie sich die Legalisierung auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt, ist noch nicht hinreichend erforscht." Ging auch schlecht, war bis vor kurzem nahezu weltweit durch das Einheitsabkommen verboten. Aber was erforscht ist, ist, wie die Prohibition sich insbesondere gesundheitlich auswirkt: Kein Jugendschutz, kein Verbraucherschutz: unbekannte Qualitäten, mit mehr oder weniger Streckmittel (Brix, Glas, auch mal Blei) versetzt, so als würde ich mal Bier, mal Schnaps, mal Stroh80, im riskantesten Falle auch mit etwas zuviel Methanol abgefülltes in immer gleichen Flaschen über den Tresen bekommen. Und die Kriminalisierung der Konsumenten trägt sicher auch nicht zum Gesundheitsschutz bei.

    "Kritiker sagen, dass der Konsum von Cannabis abhängig macht und zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann."
    Befürworter sagen, dass das Verbot keineswegs zu einer Reduzierung des Konsums beiträgt, im Gegenteil. In Ländern mit liberaler Drogenpolitik ist der Anteil der Konsumenten unter der besonders risikobehafteten Gruppe der Jugendlichen geringer (EMCDDA u. REITOX) oder fällt, wie gerade in Colorado. Apropos C., weitere 3 Staaten und mehrere Städte (zB Washington DC) haben es legalisiert, weitere 8 Abstimmungen stehen allein dieses Jahr in den USA dazu an. In insgesamt 23 US-Staaten ist medizinischer Nutzen legal. -

    Schwere gesundheitliche Schäden kann aktuell der Konsum von als Ersatzdrogen zu Cannabis fungierenden legalen "Kräutermischungen" bringen, vorletztes Jahr allein 25 Tote und letztes Jahr waren auch wieder zahlreiche Meldungen - Zeuchs, was Konsumenten nie in Betracht ziehen würden, gäbe es das Original legal. Ebenso die Probleme mit den genannten Streckmitteln.

  • Herr Ewert, da kann ich ihnen eine Antwort geben. Denn bei uns wurde der Hanf Anbau Verboten anhand einer Wissenschaftlichen Studie, bezahlt von der Tabak Industrie, was eigentlich schon alles sagt. Und haben sie schon einmal einen Beipackzettel von Medikamenten gelesen? Und man fragt sich auch nicht was kann man alles sonst noch herstellen aus Hanf.
    Bei jugendlichen muss ich ihnen Recht geben, da müsste man wie bei Alkohol, eine Alters Grenze per Gesetz einführen.

  • Hanf sollte freigegeben werden. Er hat durchaus seine Verwendung in Medizin und Wirtschaft.

    Im medizinischen Bereich wird er eingesetzt für Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Abmagerung, Spastik, Bewegungsstörungen, Shmerzzustände, Glaukom, Epilepsie, Asthma,Abhängigkeit und Entzugssymptome, Psyvhiatrische Symptome,Autoimmunerkrankungen und Entzündungen.

    In der Wirtschaft: Er eignet sich zum Hausbau ebenso wie als Basis für Farben, Lacke, Waschmittel und vieles mehr. Die Hanffaser ist der Baumwollfaser in vielerlei Hinsicht überlegen und auch für die Herstellung bestimmter Papiere geeignet. Hanfsamen finden auch als Futtermittel Verwendung. Sie kommen vor allem in Vogelfuttermischungen und Kornfuttermischungen für Nagetiere (häufig für Meerschweinchen und Kaninchen) vor. Sie haben wie alle Sämereien einen hohen Fettgehalt und sorgen daher gerade bei Jungtieren für schnelles Wachstum.

    Er wird auch für Biodiesel verwendet und ist vor allem ein nachwachsender Rohstoff.

    Die Jugendlichen finden schon was, wenn sie sich berauschen wollen. Der Medizinschrank der Eltern, Alkohol, Klebstoffe. Also Dinge, die in jedem Haushalt vorhanden sind. Mit ein bischen Chemiewissen können sie sogar Designer-Drogen zuhause herstellen.

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