Freiheitsliebe der Deutschen: Nur jeder Fünfte fürchtet sich vor Terrorismus

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Freiheitsliebe der Deutschen: Nur jeder Fünfte fürchtet sich vor Terrorismus

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Die Deutschen lieben die Freiheit wieder mehr.

Die Deutschen fühlen sich freier als vor einem Jahr – mit ein paar Einschränkungen. Der Freiheitsindex Deutschland für 2015 misst, wie frei wir uns fühlen und wovon wir uns bedroht sehen.

Es ist das Herzensthema von Bundespräsident Joachim Gauck - Freiheit. Und viele haben nach seinem Amtsantritt hämisch gefragt: Kann der noch über was anderes reden? Gauck hat aber mit dem Thema einen Nerv getroffen. Die Deutschen lieben die Freiheit wieder mehr. Zu dem Ergebnis kommt die Studie „Freiheitsindex Deutschland 2015“ des John Stuart Mill Instituts für Freiheitsforschung in Heidelberg. Die Studie geht der Frage nach, welchen Wert Freiheit im Verhältnis zu Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichheit besitzt - und zwar auf einer Skala von minus 50 bis plus 50. Demnach hat sich der Freiheitsindex von minus Sieben im letzten Jahr auf minus Eins erhöht: Damit kommt Freiheit aber nach den Werten Gleichheit, Gerechtigkeit und Sicherheit.

Der Ruf nach Verboten

  • Platz 1

    85 Prozent fordern das Verbot von harten Drogen wie Kokain oder Heroin

  • Platz 2

    Gegen das Klonen Von Menschen sprechen sich 77 Prozent der Befragten aus

  • Platz 3

    Rechtsradikale Parteien sollten nach Ansicht 63 Prozent verboten werden

  • Platz 4

    58 Prozent fordern ein Verbot von ungesunden oder gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln

  • Platz 5

    Die Hälfte aller Befragten, 50 Prozent, will, dass Videos, Filme und Computerspiele mit expliziter Gewaltdarstellung verboten werden

  • Platz 6

    41 Prozent wollen sogenannte weiche Drogen wie Marihuana verbieten

  • Platz 7

    Für ein Verbot von hohen Parteispenden sprechen sich 34 Prozent der Befragten aus

  • Platz 8

    Ginge es nach dem Willen von 26 Prozent der Befragten, würde Pornographie verboten

  • Platz 9

    20 Prozent sehen Glücksspiel gerne verboten

  • Platz 10

    Hochprozentiger Alkohol gehört nach der Auffassung von 16 Prozent verboten

Die Angst vor Terrorismus, vor sozialem Ungleichgewicht und Unrecht treibt die Deutschen mehr um, als Angst vor der Einschränkung ihrer Freiheit. Bei viele gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen wird der Ruf nach dem Staat laut und damit nach staatlichen Verboten.
Die Steigerung erklären die Forscher mit dem so genannten Charlie-Hebdo-Effekt in der Medieninhaltsanalyse. Als Anfang des Jahres islamistische Terroristen in der Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo elf Menschen töteten, empfanden viele das auch als einen Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit. Der Satz „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) wurde zu einem Bekenntnis zur Freiheit, gerade gegenüber religiösen Fundamentalismus. Eine Diskussion über die Frage, wie weit darf Satire gehen, wenn dabei religiöse Gefühle verletzt werden könnten, brannte auf. Vor allem Medien thematisierten die Bedeutung der Meinungsfreiheit viel stärker.

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Das sind die westlichen Werte

  • Toleranz

    Tolerant zu sein belegt mit 55 Prozent Platz acht.

  • Gleichheit

    Dass niemand wegen seiner Hautfarbe oder Religion benachteiligt wird, gehört für 57 Prozent der Deutschen zu den wichtigen westlichen Werten.

  • Rechtsstaatlichkeit

    Rechtsstaatlichkeit belegt mit 64 Prozent Platz 6.

  • Marktwirtschaft

    Ebenfalls 64 Prozent nennen das Prinzip der Marktwirtschaft.

  • Gleichberechtigung der Frau

    Die Gleichberechtigung der Frau gehört für 70 Prozent der Deutschen zu den wichtigen westlichen Werten.

  • Religionsfreiheit

    Religionsfreiheit belegt Platz drei: 75 Prozent sagen, dass unsere Werte davon bestimmt sind.

  • Meinungs- und Pressefreiheit

    Für 80 Prozent sind Meinungs- und Pressefreiheit entscheidend.

  • Freie Wahlen

    Der wichtigste Wert sind jedoch Freie Wahlen. 83 Prozent nannten dies einen wichtigen westlichen Wert.


Dass das Thema Freiheit von den Medien so stark in den Mittelpunkt gerückt wurde, beobachteten auch die Forscher. Insbesondere im Vergleich zum Vorjahr war es viel häufiger Gegenstand der Debatten. Das bewerteten Heidelberger Forschern positiv und führte zu einem höheren Gesamtwert. Die Medieninhaltsanalyse von gut 2.100 Presseartikel ist neben dem subjektivem Empfinden und der gesellschaftliche Stellenwert von Freiheit einer der drei Teil-Indizes, die zusammengenommen den Freiheitsindex ausmachen. Zu letzterem befragten die Forscher rund 1.500 Personen. Wie wichtig die Presse- und Meinungsfreiheit ist, zeigt auch der Schwerpunkt der diesjährigen Studie. Die Forscher fragten insbesondere, was denn unter „den westlichen Werten“ zu verstehen sei. So stimmten 83 Prozent der Befragten darüber ein, dass freie Wahlen westliche Werte sind – dicht gefolgt von Meinungs- und Pressefreiheit mit 80 Prozent.
Als besondere Bedrohungen der Freiheit in Deutschland wurde mit 23 Prozent am häufigsten ein Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich genannt und ist in Augen der Befragten noch gefährlicher als der internationale Terrorismus, der von 22 Prozent angeführt wurde.

Politische Debatte

Interessant sind zudem zwei Beobachtungen der Studie, die sich eigentlich entgegenwirken. Auf der einen Seite fanden die Forscher heraus, dass weniger Journalisten sich in ihren Artikel für irgendwelche Verbote aussprechen und zeitgleich mehr Selbstbestimmung gefordert wird. Auch das subjektive Gefühl der Freiheit gestiegen ist. 51 Prozent der Befragten gab an, dass sie sich sehr frei fühlten. Neun Prozent mehr als 2014. Auf der anderen Seite nehmen immer mehr Bürger ihre eigene freie Meinungsäußerung als eingeschränkt war. Während letztes Jahr noch 69 Prozent der Befragten aussagten, sie könnten frei reden, sind es heute nur noch 63 Prozent. Zeitgleich ist der Teil jener, die „besser vorsichtig sind“ wenn es um ihre freie politische Meinungsäußerung geht, um vier Prozent auf 24 gestiegen.

Erstmal hat das John Stuart Mill Institut auch Staatsrechtlehrer zum Thema Freiheit befragt. Die Antworten der rund 200 Juristen sollen zeigen, welche Rolle das Thema Freiheit in der Rechtsprechung in Zukunft haben wird. Das größte Konfliktpotenzial sehen die Juristen, genau wie die Bürgerbefragung, in dem Abwiegen von Freiheit und Terrorbekämpfung. Als ebenso wichtig mahnen sie eine stärkere Betonung der sozialen Gleichheit in der Rechtsprechung an.

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