Fremdenfeindlichkeit: Rassistische Hetze gegen Pfarrer in Oberbayern

Fremdenfeindlichkeit: Rassistische Hetze gegen Pfarrer in Oberbayern

, aktualisiert 07. März 2016, 18:04 Uhr
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Der aus dem Kongo stammende katholische Pfarrer tritt zurück. Seine Gemeinde im bayerischen Zorneding ist darüber erschüttert.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach mehreren Morddrohungen und übelsten rassistischen Beschimpfungen ist ein dunkelhäutiger katholischer Pfarrer im oberbayerischen Dorf Zorneding zurückgetreten. Dabei hatte alles gut angefangen.

ZornedingEs ist eine alte Pfarrei - uralt sogar. Schon vor tausend Jahren stand eine Kirche in dem 20 Kilometer von München entfernten Dorf Zorneding. Die heutige Barockkirche St. Martin wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Stürmische Zeiten dürften die Gläubigen also öfter erlebt haben. Doch was sich seit vergangenem Herbst in der Pfarrgemeinde abspielt, übertrifft alle bisherigen Widrigkeiten. Trauriger Höhepunkt einer rassistischen Hetzkampagne gegen den Pfarrer: Der aus dem Kongo stammende, katholische Priester Olivier Ndjimbi-Tshiende tritt nach mehreren Morddrohungen entnervt zurück.

Die Kirchgänger hatten sich längst daran gewöhnt, dass Sonntag für Sonntag ein Gottesmann mit schwarzer Hautfarbe im weißen Gewande vor ihnen stand, ihre Kinder taufte und die Toten beerdigte. Wegen des Nachwuchsmangels setzt die katholische Kirche auch in Bayern zunehmend Priester aus nichteuropäischen Ländern ein.

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Als Ndjimbi-Tshiende vor vier Jahren als Pfarrer ins Amt eingeführt wurde, nahm in die Gemeinde „gut und freundlich auf“, wie der heute 66-Jährige rückblickend selbst sagt. Doch als mit der Flüchtlingskrise im vergangenen Herbst immer öfter rassistische Töne in Deutschland angeschlagen wurden, geriet auch der Priester von Zorneding ins Visier von Ausländerhassern.

Als die frühere CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher im Partei-Mitteilungsblatt schrieb, Bayern werde von Flüchtlingen überrannt, und gar von einer Invasion sprach, verurteilte Ndjimbi-Tshiende die Äußerungen.

Daraufhin beschimpfte Bohers Stellvertreter Johann Haindl den Pfarrer als „Neger“, der aufpassen müsse, „dass ihm der Brem (früherer Pfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt“. Boher und Haindl mussten den Vorsitz der Zornedinger CSU abgeben. Ihr Gemeinderatsmandat behielt Boher freilich, Haindl legte es hingegen nieder.

Damit war die Sache für den asketisch wirkenden Pfarrer aber längst nicht ausgestanden. Seit November vorigen Jahres landeten im Briefkasten des Professors der Philosophie mehrere Morddrohungen. „Der Inhalt ist eindeutig beleidigend und nimmt Bezug auf die Hautfarbe des Adressaten“, weiß Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Der Absender ließ nicht einmal die Ermordung von mehr als einer Million Juden im Vernichtungslager Auschwitz der Nazis unerwähnt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Am Sonntag zog Ndjimbi-Tshiende die Konsequenzen und verkündete im Gottesdienst einer erschütterten Pfarrgemeinde seinen Rücktritt. Er sprach von einer für ihn „sehr belastenden Situation“, fühle sich nun aber erleichtert, da er seinen Entschluss öffentlich gemacht habe. Der 66-Jährige wird die Pfarrei spätestens Ende des Monats verlassen. Wo er künftig seinen Dienst für das von Kardinal Reinhard Marx geführte Erzbistum München-Freising versieht, ist nach Aussage von Ordinariatssprecher Bernhard Kellner noch offen.

„Unser Pfarrer tritt zurück“, titelte Zornedings Kirchengemeinde im Internet und fügte hinzu: „Wir sind schockiert und traurig über diese Drohungen.“

Wut im Bauch spürte am Montag auch die Fraktionschefin der bayerischen Landtags-Grünen. Auslöser der Affäre sei eine „abstoßende, rassistisch motivierte Privatfehde von CSU-Funktionären mit dem Geistlichen“ gewesen, sagte Margarete Bause. Die oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Ilse Aigner teilte mit, sie bedauere den Rücktritt von Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende zutiefst und verurteile die Umstände, die dazu geführt hätten, auf das Schärfste.

In der Münchner Schaltzentrale von Kardinal Marx ärgert man sich derweilen über das Gerücht, die rassistische Hetze gegen den dunkelhäutigen Priester sei nicht der wahre Grund für den Rücktritt. Der Priester sei vielmehr mit der Verwaltung seiner Pfarrei überfordert gewesen. „Fakt ist, dass es mehrere Morddrohungen und übelste rassistische Beleidigungen gab“, sagt Bistumssprecher Kellner dazu. Und fügt hinzu: „In jeder Pfarrei gibt es Gespräche über den richtigen Weg.“ Überall werde über Sachfragen diskutiert. Mit dem Rücktritt des Pfarrers habe dies aber nichts zu tun.

Quelle:  Handelsblatt Online
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