Freytags-Frage: Ist der Liberalismus tot?

kolumneFreytags-Frage: Ist der Liberalismus tot?

Kolumne von Andreas Freytag

Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Deutschen Bundestag malen viele Beobachter bereits das Ende des Liberalismus an die Wand. Manche Grüne und vermutlich die meisten Anhänger der Linkspartei frohlocken bereits. Die Freude auf den Wahlpartys dieser Parteien speiste sich ausschließlich aus dem noch fulminanteren Scheitern der FDP. Haben sie Recht? Ist der Liberalismus am Ende?

Richtig ist, dass für viele Menschen die Freiheit etwas Abstraktes und eher Unwichtiges zu sein schein. Etwas, für das man sich nicht einzusetzen braucht. Es geht in der politischen Diskussion vielfach um andere Fragen, zum Beispiel um Verteilungsgerechtigkeit und Quotenregelungen, um Mindestlohn und Reichensteuer.

Der Eindruck drängt sich auf, dass die Verantwortung für das eigenen Leben nicht mehr bei den Menschen selber liegt. Dafür sorgen andere – die Sozialpolitiker zum Beispiel oder die Mitarbeiter der Europäischen Kommission. Motto: Leben Sie – wir kümmern uns um die Details.

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Wer sich diesem Angebot hingibt, gibt wirklich seine Freiheit auf. Und genau hier liegt die Gefahr. In dem Bestreben, die scheinbaren und tatsächlichen Ungerechtigkeiten des Lebens zu beseitigen, schränken die politischen Entscheidungsträger die individuellen Freiheiten immer weiter ein – stets im Namen des Guten und der Risikominimierung. Damit nehmen die Eliten den Menschen auch deren Verantwortung für sich selber ab.

Bundestag Die Bürgerlichen sind zu Außenseitern geworden

Fast zehn Prozent der Wähler sind künftig nicht im Bundestag repräsentiert. Das liegt nicht nur an der Fünf-Prozent-Hürde: Freiheit und Marktwirtschaft haben keine Konjunktur.

Quelle: dpa/Montage

Aber nicht alle sind zufrieden mit mehr Eingriffen in die individuellen Rechte und Freiheiten. Was die einen als Sicherheit empfinden (zumeist nicht ganz berechtigt; selbst die Arbeitsplatzgarantie der DDR hat sich als überaus trügerisch erwiesen), ist für andere eine üble Bevormundung. Sie können ihre Freiheit nicht ausleben, und dementsprechend dürfen sie ihre Verantwortung für ihr eigenes Leben nicht übernehmen. Denn wer frei ist, muss verantwortlich handeln. Für manche ein Versprechen, für andere ein Drohung. Aber es gilt auch: Wer verantwortlich handeln will, muss frei sein. Das wird gerne vergessen.

Freiheit ist im übrigen nicht schrankenlos. Gemeint ist kein Prozess des „Survival of the fittest“. Auch im Liberalismus gibt es Grenzen individueller Freiheit, nämlich dort, wo es zu Konflikten mit den Rechten anderer kommt. Liberalismus kennt auch Sozialpolitik mit Augenmaß. Was Liberale nicht brauchen, ist ein Veggie Day!

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