Freytags-Frage: Ist die AfD zum Fürchten?

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kolumneFreytags-Frage: Ist die AfD zum Fürchten?

Kolumne von Andreas Freytag

Das politische Berlin reagiert mit Ablehnung auf die Wahlerfolge der „Alternative für Deutschland“. Die Parteien verhalten sich wie träge Oligopolisten.

Die jüngsten Wahlerfolge der Alternative für Deutschland haben die politische Landschaft kräftig durcheinandergewirbelt. Ratingagenturen sehen die Eurozone in den Abgrund taumeln, Generalsekretäre großer und mittlerer Parteien reden von dummen Protestwählern und einfachen Lösungen sowie dem Zusammenhalt der demokratischen Parteien gegen die AFD. Was ist passiert? Wohlgemerkt, diese Kolumne behandelt in erster Linie nicht die AfD und deren vermeintliche Errungenschaften oder Defizite; sie behandelt die Reaktion darauf, dass eine neue Partei auf Anhieb in das Europaparlament und drei Landtage einzieht, nachdem sie zuvor der Einzug in den Deutschen Bundestag nur ganz knapp verpasst hat.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

  • Bernd Lucke

    Professor, Gründer des Plenums der Ökonomen

    Der 51-Jährige wurde bei Gründung der AfD ihr Sprecher. Der Vater von fünf Kindern lehrt Makroökonomie an der Universität Hamburg. Über 300 Wissenschaftler schlossen sich seinem „Plenum der Ökonomen“ an, das als Netzplattform Wirtschaft erklärt. Nach 33 Jahren trat Lucke Ende 2011 aus der CDU aus. Er trat als Spitzendkandidat der AfD für die Europawahlen an und wechselte im Sommer 2014 nach Brüssel.

  • Beatrix von Storch

    Anwältin, Gründerin der Zivilen Koalition

    Die Juristin, die zunächst 2012 Mitglied der FDP war, ist seit 2013 Mitglied der AfD. Sie wird dem rechtskonservativen Flügel der Partei zugerechnet. Sie engagiert sich neben der Euro-Rettung vor allem für eine christlich-konservative Familienpolitik. Am 25. Januar 2014 wurde von Storch vom Bundesparteitag der AfD in Aschaffenburg mit 142 von 282 Stimmen auf Platz vier der Liste zur Europawahl gewählt - und zog anschließend ins Europaparlament ein.

  • Joachim Starbatty

    Emeritierter Professor für Volkswirtschaft

    Im Kampf gegen den Euro hat er die größte Erfahrung: 1998 klagte er gegen dessen Einführung vor dem Bundesverfassungsgericht, 2011 gegen die Rettungsmaßnahmen. Der 72-Jährige, einst Assistent von Alfred Müller-Armack, führt den wissenschaftlichen Beirat der AfD – so etwas hat keine andere Partei.

  • Frauke Petry

    Promovierte Chemikerin und Unternehmerin

    Nach dem Studium gründete die Mutter von vier Kindern 2007 ihr eigenes Chemieunternehmen Purinvent in Leipzig – mit dem Patent auf ein umweltfreundliches Dichtmittel für Reifen. Sie fürchtet, ihre demokratischen Ideale würden „auf einem ideologisierten EU-Altar geopfert“. Seit 2013 ist sie eine von drei Parteisprechern und Vorsitzende der AfD Sachsen

  • Konrad Adam

    Journalist, Publizist, Altsprachler und Historiker

    Bei den bürgerlichen Blättern – 21 Jahre im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“, sieben Jahre als politischer Chefkorrespondent der „Welt“ – erwarb er sich den Ruf als konservativer Vordenker. Sozial-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik sind auch im Sprecheramt der AfD seine Schwerpunkte.

  • Alexander Gauland

    Beamter, Politiker, Herausgeber, Publizist

    Der promovierte Jurist leitete die hessische Staatskanzlei unter CDU-Ministerpräsident Walter Wallmann. Dann Geschäftsführer und Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam. Führte die brandenburgische AfD bei den Landtagswahlen zu einem überraschend starken Ergebnis und führt nun die Fraktion im Landtag an.

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Also: Was ist passiert? Nachdem die Bundesregierung unter der im Grunde vorbehaltlosen Zustimmung der Opposition die zahlreichen und dennoch wirkungslosen Rettungspakete für den Euroraum auf den Weg gebracht hatte, dies auch noch für alternativlos erklärte und Kritiker innerhalb und außerhalb der Politik mit allen Mitteln zu diskreditieren suchte, haben einige Kritiker dieser Vorgehensweise eine Partei gegründet und die stümperhafte Eurorettung zum Thema erklärt. Daraufhin wurde sie als nationalistisch gefärbte Ein-Themen-Partei belächelt.

Wahlerfolge in Brandenburg und Thüringen Die AfD triumphiert – und wird konservativer

Die „Alternative für Deutschland“ erreicht in Thüringen und Brandenburg zweistellige Wahlergebnisse. Ein Riesenerfolg. Damit ist die Richtungsdebatte in der Partei endgültig entschieden.

Bernd Lucke und Alexander Gauland bejubeln den Wahlerfolg der AfD in Thüringen und Brandenburg Quelle: dpa

Nicht zuletzt als Reaktion darauf hat sie weitere Themen, die viele Bürger interessieren, wie z.B. innere Sicherheit, Integration und Bildung, in ihren Katalog aufgenommen. Als Reaktion darauf wurde der Vorwurf des „Ewiggestrigen“ erhoben, als ob z.B. gerade Integration in Deutschland kein Thema sein dürfte – sie ist eine zentrale Herausforderung, und dies sowohl wegen der bereits Zugewanderten als auch wegen der Notwendigkeit, weitere Zuwanderer mit dringend gesuchten Qualifikationen zu gewinnen. Dies ist eine echte Herausforderung. Dieser überwiegend negativen Reaktion ungeachtet hat die AfD enormen Zuspruch erfahren und ist nun eine parlamentarische Kraft. Hat dies dazu geführt, dass sie nun inhaltlich ernst genommen wird? Eben nicht, und dass ist ein echtes Problem.

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