Freytags-Frage: Ist Glücksspiel wichtiger als Kunst?

kolumneFreytags-Frage: Ist Glücksspiel wichtiger als Kunst?

Kolumne von Andreas Freytag

NRW hat mit dem Verkauf von Warhol-Kunstwerken Millionen eingenommen - und stützt damit ein verlustbringendes Casino. Darf der Staat Kunst verkaufen, um Süchte zu fördern?

Kunst und Kultur zu fördern ist seit jeher eine öffentliche Aufgabe. Waren es früher Fürsten und Könige, die als Mäzene auftreten, so sind es heute öffentliche Träger auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene, die zu einem lebendigen Kunst- und Kulturangebot beitragen. Sie stellen es nicht alleine zur Verfügung; vieles machen private Initiativen. Dennoch: Ohne die öffentliche Hand gäbe es weniger Museen, Theater, Philharmonien, Jazzfestivals oder Musikarchive.

Das Geld ist gut angelegt, denn mit der Förderung dieser Aktivitäten trägt die öffentliche Hand erstens zur Bildung vieler Bürger bei. Tolle Ausstellungen und Konzerte auch in der Provinz zu bezahlbaren Preisen sorgen dafür, dass viele Interessierte Neues kennenlernen und Bekanntes genießen können.

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Die zehn erfolgreichsten Künstler 2013

  • Rang 10

    Rosemarie Trockel (*1952)
    Land: Deutschland
    Veränderung: 1
    Medium: Mixed Media

  • Rang 09

    Sol LeWitt (1928–2007)
    Land: USA
    Veränderung: 0
    Medium: Skulptur/Plastik

  • Rang 08

    Sigmar Polke (1941–2010)
    Land: Deutschland
    Veränderung: -2
    Medium: Malerei

  • Rang 07

    Lawrence Weiner (*1942)
    Land: USA
    Veränderung: 1
    Medium: Mixed Media

  • Rang 06

    John Baldessari (*1931)
    Land: USA
    Veränderung: -1
    Medium: Malerei

  • Rang 05

    Cindy Sherman (*1954)
    Land: USA
    Veränderung: 2
    Medium: Fotografie

  • Rang 04

    Gerhard Richter (*1932)
    Land: Deutschland
    Veränderung: 0
    Medium: Malerei

  • Rang 03

    Bruce Nauman (*1941)
    Land: USA
    Veränderung: 0
    Medium: Skulptur/Plastik

  • Rang 02

    Joseph Beuys (1921–1986)
    Land: Deutschland
    Veränderung: 0
    Medium: Skulptur/Plastik

  • Rang 01

    Andy Warhol (1928–1987)
    Land: Deutschland
    Veränderung: 0
    Medium: Malerei

Zweitens bieten viele – keineswegs sehr üppig alimentierte – Künstler private Zusatzgüter an, die dann auch bezahlt werden: man denke nur an Musikunterricht durch Orchestermitglieder. Zahlreiche ökonomische Studien zeigen drittens, dass das staatliche Angebot an Kunst und Kultur sogenannte externe Effekte schafft, weil ein solches Angebot dazu beiträgt, dass gut ausgebildete Arbeitskräfte in eine Region kommen und Firmen sich dort ansiedeln.

Trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen um die Höhe der Ausgaben und die Breite des Angebots. Vor allem dann, wenn Kommunen oder Bundesländer unter Sparzwang geraten. Dann streiten Kämmerer und Intendanten, dann gibt es Bürgerproteste, dann müssen die Kulturschaffenden – oftmals unter Protest – ihre Bedeutung nachweisen.

Das ist kein Problem, denn jede staatliche Ausgabe muss begründet werden. Immerhin müssen Menschen dafür arbeiten. Anderer Leute Geld auszugeben erfordert Sorgfalt und Augenmaß.

In manchen Fällen kann man Aufgaben auch an Private delegieren, oder Museumsbestände, von denen ja ohnehin nur ein kleiner Teil (wohl im einstelligen Prozentbereich) wirklich gezeigt wird, können verkauft werden, um die staatlichen Kassen zu entlasten. Selbst Bestände im Keller müssen versichert und entsprechend gelagert werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es zunächst einmal unkritisch, dass das Land Nordrhein-Westfalen in der vergangenen Woche zwei Werke von Andy Warhol für über 130 Millionen US-Dollar verkauft hat, die im Besitz einer landeseigenen Gesellschaft für Glücksspiele waren. Immerhin ist der Gewinn sehr hoch - vermutlich aber auch die Steuern auf diese Gewinne, die die Firma zu zahlen hat.

Es stimmt den Leser aber etwas nachdenklich, dass mit dem Erlös die roten Zahlen eben dieser Gesellschaft ausgeglichen und diese weiter betrieben werden soll, obwohl sie verlustreich operiert. Anders gewendet: Nordrhein-Westfalen verkauft Kunst, damit ein Casino weiter betrieben werden kann. Kunst wird aufgegeben, damit die Spielsucht bedient werden kann?

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