Freytags-Frage: Wann diskutieren wir endlich offen über Einwanderung?

kolumneFreytags-Frage: Wann diskutieren wir endlich offen über Einwanderung?

Kolumne von Andreas Freytag

Deutschland ist ein Einwanderungsland, so wie die USA oder Australien. Doch während andernorts die Einwanderung mit einem Punktesystem gesteuert wird, findet Berlin das unmenschlich – und verpasst eine Chance.

Ich halte mich seit 14 Tagen in Australien auf, wo ich an der Deakin University an einem Forschungsprojekt mitarbeite. Es ist dabei sehr interessant, die Vielfalt an der Universität, aber auch im ganzen Land zu beobachten. Menschen aus allen Ländern, aller Religionen und Ethnien leben friedlich vereint in diesem Land und studieren zum Beispiel an der Deakin University.

Auch die deutschen Universitäten weisen eine hohe Anzahl an ausländischen Studierenden auf. An meiner eigenen Fakultät sind im Economics-Master-Programm Studierende aus allen Kontinenten eingeschrieben. Man versteht sich auch bei uns unter den unterschiedlichen Nationalitäten gut.

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Länder mit der höchsten Zahl der Asylbewerber (2014)

  • Platz 10

    Zypern

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 1.255
    ...pro 100.000 Einwohner: 145

  • Platz 9

    Deutschland

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 126.705
    ...pro 100.000 Einwohner: 158

  • Platz 8

    Belgien

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 21.030
    ...pro 100.000 Einwohner: 189

  • Platz 7

    Ungarn

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 18.895
    ...pro 100.000 Einwohner: 190

  • Platz 6

    Luxemburg

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 1.070
    ...pro 100.000 Einwohner: 199

  • Platz 5

    Österreich

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 17.500

    ...pro 100.000 Einwohner: 207

  • Platz 4

    Norwegen

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 11.930
    ...pro 100.000 Einwohner: 236

  • Platz 3

    Schweiz

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 21.305
    ...pro 100.000 Einwohner: 265

  • Platz 2

    Malta

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 2.245
    ...pro 100.000 Einwohner: 533

  • Platz 1

    Schweden

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 54.270
    ...pro 100.000 Einwohner: 568

Dennoch gibt es einen Unterschied. Australien hat seine Rolle als Einwanderungsland akzeptiert und betreibt diese Einwanderung gezielt. Die Einwanderungspolitik arbeitet mit einem Punktesystem, das Alter, Englischkenntnisse, im Land knappe Qualifikationen, aber auch eigenes Vermögen (um ohne Sozialleistungen auskommen zu können) berücksichtigt. Andere Einwanderungsländer verfahren ähnlich. Das Ziel hinter dieser Politik ist klar: Man möchte diejenigen anziehen, die zum Gemeinwesen am meisten beitragen können und die darüber hinaus bereit sind, sich zu integrieren und die herrschende Rechtsordnung anzuerkennen.

Ist das System unmenschlich?

Interessanterweise wird diese Politik gerade in Deutschland oft kritisiert, weil es scheinbar so unmenschlich ist, Menschen auf Punkte zu reduzieren. Und in der Tat wird immer wieder von Härtefällen berichtet. Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden, dass ein solches System recht objektiv ist und – das ist ganz wesentlich – in der Praxis dazu führt, dass es in Australien so gut wie nie ethnische Auseinandersetzungen gibt.

Das Land hat es geschafft, die Einwanderer zu integrieren, ohne dass diese ihre Religion und ihre Kultur aufgeben müssen. In den griechischen Lokalen in Melbourne – nach Athen und Thessaloniki immerhin die drittgrößte griechische “Community“ – wird viel griechisch gesprochen, in Chinatown Mandarin. Es herrscht Frieden, und Multi-Kulti findet problemlos statt. Es gibt übrigens auch ein Asylrecht.

Die Lage ist bei uns etwas anders. Wir weigern uns, das Thema Immigration und Integration ohne Schere im Kopf zu diskutieren; offenbar ist es politisch nicht korrekt. Es ist aber drängend, wie sich immer wieder zeigt, wenn zum Beispiel viele Muslime sich der Rechtsordnung entziehen und lieber die Scharia gelten lassen. Auch dass in den Schulen viele Schüler kein Deutsch können, stellt ein ernstes Problem für alle Schüler dar. Die Pisa-Resultate sollten auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden.

Länder mit der niedrigsten Aufnahmequote (2014)

  • Platz 10

    Irland

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 920
    pro 100.000 Einwohner: 20

  • Platz 9

    Litauen

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 400
    pro 100.000 Einwohner: 14

  • Platz 8

    Slowenien

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 270
    pro 100.000 Einwohner: 5

  • Platz 7

    Spanien

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 10
    pro 100.000 Einwohner: 4.485

  • Platz 6

    Lettland

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 195
    pro 100.000 Einwohner: 10

  • Platz 5

    Slowakei

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 440
    pro 100.000 Einwohner: 8

  • Platz 4

    Rumänien

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 1.495
    pro 100.000 Einwohner: 8

  • Platz 3

    Estland

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 95
    pro 100.000 Einwohner: 7

  • Platz 2

    Tschechien

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 695
    pro 100.000 Einwohner: 7

  • Platz 1

    Portugal

    Zahl der Aufnahmen...
    insgesamt: 500
    pro 100.000 Einwohner: 5

Die Alternative für Deutschland hat vermutlich auch deshalb viele Stimmen gewonnen, weil sie das Thema Immigration beziehungsweise Integration auf die Agenda setzen wollte. Dafür wurde sie viel gescholten. Ihre Wähler sind aber offenbar besorgt und möchten das Thema behandelt wissen.

Und in der Tat kann man sehr über das „Wie“ streiten, das „Ob“ sollte aber keinen Streitpunkt darstellen. Unzweifelhaft braucht ein Einwanderungsland wie Deutschland eine Immigrationspolitik, denn ansonsten kann es zu erheblichen Konflikten zwischen einheimischer Bevölkerung und den Immigranten kommen. Der Versuch, das Thema zu ignorieren oder als politisch inkorrekt zu brandmarken, dürfte eher zu Vorurteilen und Konflikten beitragen.

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