Freytags-Frage: Warum bekommen wir keine Großbauten gestemmt?

kolumneFreytags-Frage: Warum bekommen wir keine Großbauten gestemmt?

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Der Flughafen Berlin Brandenburg ist nur ein Beispiel. Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie sind andere. Deutschland bekommt zahlreiche Großprojekte nicht ordentlich gestemmt.

Kolumne von Andreas Freytag

Der Flughafen Berlin-Brandenburg, die Elbphilharmonie oder Stuttgart 21: Deutschland bekommt zahlreiche Großprojekte nicht ordentlich gestemmt. Schuld trägt nicht nur die Politik.

Wer heute nach Berlin will, muss entweder weiter auf dem Landwege anreisen oder den überfüllten (wenn auch charmanten) Tegeler Flughafen nutzen. Denn der Bau wird viel teurer als geplant, weist Mängel auf und scheint schon bei der Eröffnung zu klein zu werden. Zu allem Überfluss wird diese erneut verschoben. Technisch und politisch entwickelt sich das einstige Prestigeprojekt zum Desaster.

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Wer die Geschichte des Flughafenbaus ohne Ortsangabe liest, denkt wohl eher an die Ukraine oder an Brasilien, wo Großbauten für die Sportgroßereignisse von 2012 bzw. 2014 verzögert, zu überhöhten Kosten und halbfertig übergeben wurden bzw. vermutlich werden. Deutschland bot sich sogar noch vollmundig als Ersatzaustragungsort für die Europameisterschaft 2012 an. Wie der Berliner Oberbürgermeister es wohl finden würde, wenn sein Amtskollege in Warschau einen Shuttleservice zwischen dem Warschauer Flughafen und Berlin-Mitte organisieren und medienwirksam bewerben würde?

Abgesehen von der Häme, von der ja genug über den Verantwortlichen ausgeschüttet wurde, stellt sich eine ernsthafte Frage: Warum schaffen es deutsche öffentliche Bauträger nicht (mehr), Großbauten so realistisch zu planen, dass die Fertigstellung annähernd plangemäß erfolgt? Der Flughafen in Berlin ist ja nur ein Beispiel, Stuttgart 21, die Elbphilharmonie sind andere. Manche notwendigen Bauten werden erst gar nicht umgesetzt, wie zum Beispiel Stromtrassen und Kraftwerke. Es scheint eine Reihe von Antworten zu geben, von denen einige nicht neu sind.

Ein erster Grund ist die steigende Vorsicht der direkt von den Bauten betroffenen Bürger. Viele Menschen möchten nicht in der Nähe eines Flughafens oder einer Stromtrasse wohnen. Wehren sie sich, gelten sie als NIMBYs (Not In My Backyard); die extremere Form dieser „Widerständler“ sind die BANANAs (Build Absolutely Nothing Anywhere Near Anything (or Anyone)). Grundsätzlich kann man es verstehen, dennoch gibt es ein Problem. Denn möglicherweise hat die deutsche Rechtsprechung der letzten 40 Jahre zu diesem Phänomen beigetragen: Wer gegen Sportvereine und den auf deren Anlagen erzeugten Lärm oder gegen Flughäfen klagte, selbst wenn diese Anlagen oder Flughäfen zum Zeitpunkt des Zuzugs längst bestanden (weswegen die Grundstückspreise vergleichsweise vermutlich niedrig waren), bekam in der Regel Recht. Dies widerspricht natürlich dem gesunden Menschenverstand und stellt eine objektiv unleugbare Schwierigkeit für die Planer dar.

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