Freytags-Frage: Warum gibt es so viele Regionalflughäfen?

kolumneFreytags-Frage: Warum gibt es so viele Regionalflughäfen?

Kolumne von Andreas Freytag

Der Flughafen Lübeck ist pleite, Zweibrücken wird dichtgemacht, und in Kassel-Calden wurde der Jungfernflug abgesagt. Regionalflughäfen haben eine implizite Verlustgarantie. Trotzdem gibt es immer neue Pläne.

Im Erfurter Westen liegt eine sehr schöne Tennisanlage in geringer Distanz zum Regionalflughafen Erfurt-Weimar. Man könnte glauben, dass das Spielen dort keinen Spaß macht wegen der enormen Lärmbelästigung durch den Flughafen. Das Gegenteil ist der Fall, kaum ein Flieger stört die Spieler. In anderen Teilen der Stadt ist weit mehr los. Dies ist auch in der Sommer- und Ferienzeit nicht anders. Als Konsequenz dieser geringen Auslastung verliert der Freistaat jedes Jahr mehr als 4 Millionen Euro durch den Betrieb des Flughafens.

Dies ist kein Einzelfall. Regionalflughäfen haben eine implizite Verlustgarantie. Beispiele gefällig? Der Flughafen Lübeck ist pleite, Zweibrücken wird dichtgemacht, und in Kassel-Calden wurde der Jungfernflug abgesagt – mangels Buchungen. Selbst Frankfurt Hahn erreicht die notwendigen Passagierzahlen schon lange nicht mehr. Würden die Flughäfen von Privaten (ohne Subventionen) betrieben, wären sie entweder wirtschaftlich oder verschwunden. Warum passiert beides noch nicht?

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Verschwendung öffentlicher Mittel

Es scheint zunächst im Selbstverständnis von Landespolitik zu liegen, dass Landeshauptstädte und bedeutendere Orte auch auf dem Luftwege erreichbar sind. Offenbar senkt es das Selbstwertgefühl der versammelten Landespolitiker, wenn es keinen Flughafen gibt. Aber das kann ja kein Grund dafür sein, ein verlustträchtiges Unternehmen über einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten. Denn es ist wohl noch peinlicher, zugeben zu müssen, dass der eigene Flughafen von niemandem angeflogen wird.

Passagierverlust Lage für Regionalflughäfen spitzt sich zu

Der Luftverkehr in Deutschland ist im ersten Halbjahr gewachsen. Doch davon profitieren nur die größeren Flughäfen. Verlierer sind Regional-Airports, besonders groß sind die Verluste bei einem Flughafen aus NRW.

Fluggasttreppe auf dem Rollfeld in Nürnberg: Bis auf wenige Ausnahmen verlieren kleinere Flughäfen Passagiere. Quelle: dpa

Gerne wird das politische Argument bemüht, dass Landespolitiker sich mit dem Bau eines Flughafens ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sichern und dauerhaft unsterblich machen können. Angesichts der schwindenden öffentlichen Finanzkraft dürft es heute nicht mehr so attraktiv sein, so offensichtlich zur Verschwendung öffentlicher Mittel beigetragen zu haben. Insofern verliert das Argument zunehmend an Überzeugungskraft.

Im Fall Kassel-Calden war das Argument zum Bau des Flughafens, dass die Stadt für ihre internationalen bzw. international tätigen Unternehmen attraktiv bleiben wollte. Ein Flughafen mit Verbindungen ins Inland, aber vor allem ins Ausland trüge dazu bei. Hier wurde der Flughafen als ein Standortvorteil und als Instrument der Wirtschaftsförderung angesehen, mit Hilfe dessen die Attraktivität der Region für gut qualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt gesteigert werden kann. Dazu müsste der Flughafen allerdings viele Verbindungen – zumindest zu einigen Großflughäfen als Drehscheibe – aufweisen. Im Falle Kassel-Calden ist dies nicht gegeben, zumal der Frankfurter Flughafen in etwa zwei Stunden erreicht wird. Insofern ist auch dieses Argument weder theoretisch noch praktisch sehr überzeugend.

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