Freytags-Frage: Warum hat die Bildung so einen geringen Stellenwert?

kolumneFreytags-Frage: Warum hat die Bildung so einen geringen Stellenwert?

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Die Chancen für eine Karriere in der Forschung sind in Deutschland nicht besonders gut.

Kolumne von Andreas Freytag

Deutschland braucht einen hohen Bildungsstand seiner Bevölkerung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Politik tut zu wenig.

Der Wissenschaftsrat hat in seiner neuesten Arbeit auf ein Problem hingewiesen, das in gewisser Weise exemplarisch für die deutsche Bildungspolitik steht. Zum einen fehlen demnach Professoren an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen, zum anderen sind gerade an den Universitäten die Karrieremöglichkeiten für junge Akademiker unzureichend.

Gerade am letzten Befund kann kein Zweifel bestehen. Nahezu jeder deutsche Professor, den man spricht, berichtet von einer Phase der Unsicherheit in seinem Leben und dem hohen Risiko, das mit einer wissenschaftlichen Laufbahn einhergeht. Diese Situation scheint sich verfestigt zu haben; für Nachwuchswissenschaftler im Jahre 2014 gilt es noch mehr als für die bereits etablierten Kollegen.

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Die beliebtesten Abschlüsse

  • Bachelor-Studenten

    Auch wenn die Bachelor-Abschlüsse in Deutschland eingeführt wurden, um der Wirtschaft besser spezialisierte Arbeitskräfte zuzuführen - als High Potentials gelten die Bachelor-Studenten nicht. Zumindest nicht bei den Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

  • Promotion

    Erstaunlicherweise sind auch die Uniabgänger mit Doktortitel nicht Arbeitgebers Darling. Ähnlich wie die Bachelor-Studenten rangieren Promovierte eher unter ferner liefen, wenn es um die Suche nach High Potentials geht.

  • Master

    Der Master-Abschluss ist besonders in Österreich beliebt. In der Schweiz gelten auch Fachhochschulabsolventen mit Master-Qualifikation als begehrte High Potentials.

  • Diplom

    In Deutschland ist das Diplom immer noch der am meisten angesehene Abschluss - Bologna-Reform hin oder her. 99 Prozent der befragten deutschen Chefs suchen Uniabsolventen mit Diplom.

Die befristeten und regelmäßig nur mit Teilzeit versehenen (und damit finanziell so gar nicht opulenten) Verträge für junge Wissenschaftler und der enorme Publikationsdruck, unter dem diese stehen, wird begleitet von steigender Lehrbelastung durch die Zunahme der Studentenzahlen. Steigende Abiturientenzahlen bedeuten seigende Studentenzahlen, leider oftmals zwingend in Verbindung mit abnehmender durchschnittlicher Eignung für eine akademische Ausbildung. Dadurch steigt die Lehrbelastung wegen Mehrfachprüfungen und Sonderbetreuung (man denke nur an Propädeutik-Kurse in deutscher Grammatik für angehende Germanistikstudenten deutscher Herkunft) weiter an. Hinzu kommt ein gestiegener Verwaltungsaufwand, der zumindest zum Teil auch bei den Nachwuchswissenschaftlern hängenbleibt.

Insgesamt ist es also nicht sehr attraktiv, die Wissenschaft zum Beruf zu machen, selbst für diejenigen nicht, die im Grunde dazu berufen wären. Darunter leidet die Motivation der Verbliebenen und die Qualität der Ausbildung und oftmals auch die der Forschung, denn gestresste Wissenschaftler haben zu wenig Muße, um sich ausführlich mit ihren Forschungsthemen zu befassen. Die Absolventen wiederum sind dann schlechter als möglich ausgebildet. Dies dürfte langfristige Nachteile für die gesamte Volkswirtschaft aufweisen. Ein Teufelskreis beginnt.

Das Problem setzt sich sogar noch fort, wenn man die Schule betrachtet. In vielen Bundesländern zeichnet sich bereits jetzt ein drohender Lehrermangel innerhalb der nächsten Jahre ab. Viele Lehrer werden in den Ruhestand gehen (was hohe Pensionslasten für die Länder bedeutet) und nur wenige Lehrer werden gegenwärtig eingestellt. Der Lehrkörper altert und dünnt sich aus. Erfahrung ist dann der fehlenden Dynamik entgegenzusetzen.

Es scheint sogar vernünftig zu sein, noch früher, nämlich im Vorschulalter anzusetzen. Die ersten Lebensjahre gelten wohl als entscheidend für die Bildungskarriere eines Menschen, deshalb sollte die Vorschulerziehung weiter ausgebaut werden. Dies ist auch vor dem Hintergrund, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist, sehr wichtig.

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