Freytags-Frage: Warum ist die GroKo so beratungsresistent?

kolumneFreytags-Frage: Warum ist die GroKo so beratungsresistent?

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Die Rentenreform wird verteidigt. Falsch, findet unser Kolumnist Andreas Freytag.

Kolumne von Andreas Freytag

Die Große Koalition ist weder groß, noch weitsichtig. Die Rücknahme der Rente mit 67 Jahren ist absurd. Warum schlägt die Regierung die Bedenken aller Experten aus?

Die Jugend In Deutschland verschiebt seit Jahrzehnten den Beginn ihres Arbeitslebens nach hinten – dank immer besserer Ausbildungsmöglichkeiten. In der Nachkriegszeit lag das durchschnittliche Alter bei Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit bei etwa 15 Jahren, heute liegt es bei etwa 18 Jahren. Gleichzeitig werden die Deutschen älter und gesünder, und das bei gestiegenem Wohlstand. Das hat Konsequenzen für die Finanzierung der Alterssicherungssysteme.

Ein Beispiel: Wenn vor fünfzig Jahren eine Arbeitnehmerin die Tätigkeit mit 15 aufnahm, mit 65 in den Ruhestand ging und 75 Jahre alt wurde, war das Verhältnis von Lebensarbeitszeit zu Ausbildungs- und Ruhestandszeiten zwei zu eins. Wenn heute ein Arbeitnehmer mit 18 zu arbeiten beginnt, mit 65 in den Ruhestand eintritt und 88 Jahre alt wird, so sinkt das Verhältnis auf 1,14 zu eins.

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Da müsste es doch konsensfähig sein, dass die Menschen länger arbeiten, um entsprechend länger zum Wohlstand beizutragen und eben nicht länger von anderen Menschen – sowohl in der Schul- und Ausbildungszeit als auch im Ruhestand – abhängig zu sein. Außerdem würde die Rente sinken bzw. die Beiträge zur Rentenversicherung steigen müssen, wenn es die entsprechende Anpassung nicht gäbe. Insgesamt würde der Wohlstand nur dann nicht sinken, wenn die Produktivität enorm stiege. Selbst ohne detaillierte Kenntnis der Rentenformel erkennt man das Dilemma einer alternden Gesellschaft.

Debatte um Rente mit 63 Arbeitsagentur warnt vor Milliarden-Zusatzkosten

BA-Chef Weise zeigt sich besorgt um die Pläne der abschlagsfreien Rente mit 63: Er fürchtet, dass viele mit 61 ihren Job aufgeben, zwei Jahre Arbeitslosengeld beziehen und dann in Rente gehen. Die Kosten wären enorm.

Frank-Jürgen Weise warnt vor hohen zusätzlichen Kosten durch die Rente mit 63. Quelle: dpa

Und in der Tat hat die große Koalition das Problem erkannt und das Renteneinstiegsalter schrittweise erhöht. Wer 1964 oder später geboren wurde, wird bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres arbeiten. Diese Reform war umstritten, ihre Notwendigkeit wurde aber in der Bevölkerung eingesehen, weil die meisten Menschen eben rechnen und logisch denken können. Einige Beobachter – aus der Wirtschaft oder die Deutsche Bundesbank – mahnten gelegentlich sogar eine weitere Erhöhung des Renteneinstiegsalters an. Insgesamt gilt die Rentenpolitik bis heute als zukunftsorientiert und zielführend.

Die große Koalition mit Sozialminister Müntefering, dem wir diese wohltuende Reform zu verdanken haben, erwies sich in dieser Hinsicht tatsächlich als groß, weil staatsmännisch. So weit, so gut. Alles läuft in die richtige Richtung, oder?

Leider nicht! Nun haben wir wieder eine große Koalition. Diese scheint aber weder groß noch weitsichtig zu sein, denn absurderweise plant sie die Rücknahme der Beschlüsse ihrer Vorgängerin und die Vorverlegung des Renteneinstiegsalters, die sog. „Rente mit 63“. Damit Arbeitnehmer mit 63 abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können, werden sogar Zeiten der Arbeitslosigkeit großzügig anerkannt. Wenn die Dokumente fehlen, reichen laut Plänen sogar eidesstattliche Versicherungen der Betroffenen. Wenn das nicht die falschen anreize setzt!

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