Freytags-Frage: Warum wird das Bargeld überleben?

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Regierung und Banken scheinen die Abschaffung des Bargeldes anzustreben

Kolumne von Andreas Freytag

Die Debatte um die Abschaffung des Bargelds tobt. Dahinter stecken vorgeblich edle Motive – doch keines kann ernsthaft überzeugen. Es bleibt ein Rätsel, wie so illegale Geschäfte verhindert werden sollen. Eine Kolumne.

Die Bundesregierung arbeitet offenbar daran, Bargeld -Transaktionen über 5000 Euro in Zukunft zu verbieten. Gleichzeitig gibt es Bestrebungen, größere Scheine ab 500 Euro abzuschaffen. In anderen Ländern wird sogar darüber nachgedacht, Bargeld ganz abzuschaffen. Auch internationale Organisationen, Internetfirmen und Banken scheinen diese Idee gut zu finden.

Was sind die Motive hinter solchen Bestrebungen? Drei wesentliche Motive sind denkbar: die Einschränkung illegaler Aktivitäten, die totale Kontrolle der Bürger beziehungsweise  Kunden und die Erleichterung von Inflation (zur Verringerung der Staatsschulden). Keines kann ernsthaft überzeugen.

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Das offiziell vorgetragene Hauptmotiv zunächst der Reduzierung der maximal erlaubten Bargeldtransaktion auf 5000 Euro und der Abschaffung großer Scheine ist die Behinderung, wenn nicht gar Verhinderung krimineller finanzieller Transaktionen. So soll zum Beispiel verhindert werden, dass Terrorgruppen illegal an Waffen kommen oder dass mafiöse Organisationen weiterhin gute Geschäfte machen.


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Es bleibt aber ein Rätsel, wie man mit der Kriminalisierung von Bargeldübergabe die bereits jetzt illegalen Geschäfte von Terrorgruppen oder der organisierten Kriminalität verhindern kann. Denn ein illegales Geschäft wird nicht dadurch eingestellt, dass nun nicht nur die Übergabe einer Waffe oder eines Paketes Drogen, sondern auch die damit verknüpfte Bargeldübergabe illegal wird. Außerdem verfügt die organisierte Kriminalität heute schon über bargeldlose Instrumente. Kriminelle werden dadurch nicht weiter beeinträchtigt; ihre Lage verschlechtert sich nicht.

Transaktionen werden verkompliziert

Stattdessen werden legale Geschäfte wie etwa Gebrauchtwagenkäufe schwieriger. Alle Wagen mit einem Preis über 5000 Euro müssten unbar beglichen werden. Das erhöht die Transaktionskosten. Es steht außer Frage, dass viele Käufe mit Kreditkarte oder anderen unbaren Zahlungsmitteln einfach sind. In manchen Fällen ist es aber für den Käufer oder Verkäufer von Vorteil, bar zu zahlen beziehungsweise bezahlt zu werden. Bargeldlose Transaktionen sind dann teuer, wenn es um besonders geringe Beträge geht.

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Damit sind wir bei der Befürchtung vieler Beobachter, dass es nämlich nicht um die Einschränkung krimineller Aktivitäten geht, sondern darum, möglichst genau zu kontrollieren, was die Bürger so machen. Die Kontrolle von Empfängern der Sozialhilfe fiele beispielsweise leichter, wenn diese kein Bargeld mehr hätten. Außerdem entfällt die Anonymität im Geschäftsverkehr: Kauft jemand Schnaps, wüsste es vielleicht bald das Sozialamt. Man kann sich viele Dinge vorstellen, für die Menschen Geld ausgeben und über die nicht alle Welt Bescheid wissen sollte. Es wäre aber möglich, wenn es kein Bargeld mehr gäbe.

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Daneben kann man sich natürlich noch weiter einschneidendere Konsequenzen vorstellen. Bargeldlose Menschen werden total gläsern in ihrem Verhalten - die Steuerfahndung ist nur ein Gewinner. Auch die Marketingstrategen jubeln wohl schon, und die Banken können im Kartell die Kunden für elektronische Zahlungen zahlen lassen. Allen voran hätten die Regierungen natürlich ein Interesse daran, ihre Bürger zu kontrollieren - bis hin zur totalen Überwachung. Alles natürlich nur zum Besten der Menschen, oder?

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