Freytags-Frage: Was hat die Prokon-Pleite mit der Bildungspolitik zu tun?

kolumneFreytags-Frage: Was hat die Prokon-Pleite mit der Bildungspolitik zu tun?

Kolumne von Andreas Freytag

NRW will den Modellversuch mit einem Schulfach Wirtschaft wieder abschaffen. Das ist der falsche Weg. Die Bürger müssen ökonomische geschult werden, zeigt auch der Fall Prokon.

In Nordrhein-Westfalen ist ein Streit darüber entbrannt, ob ein Modellversuch zur ökonomischen Ausbildung als eigenes Schulfach weiterzuführen oder zu beenden sei. Während Schüler, Eltern und Lehrer die Fortführung befürworten, sind die Mitglieder der Landesregierung offenbar dagegen. Der Modellversuch mit einem Schulfach Wirtschaft soll nach Auffassung der Landesregierung wieder abgeschafft werden, es ist die Rede von einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die es zu verhindern gelte. Man möchte stattdessen in NRW wohl lieber ganzheitlich mit dem Fach Verbraucherbildung arbeiten.

Als Kritiker des neuen grünen Paternalismus läuft einem sofort ein Schauer den Rücken herunter. Will die Landesregierung in diesem Fach die „richtigen“ Menschen erziehen, nämlich solche, die guten Konsum (z.B. Bio-Couscous) von schlechtem Konsum (amerikanische Burger) unterscheiden können? Soll den Kindern das eigenständige Denken ausgetrieben werden? Soll gar verhindert werden, dass Menschen die ökonomischen Restriktionen des Lebens begreifen und damit auch wirtschaftspolitische Maßnahmen der Regierenden besser beurteilen können. All dies und ähnliches vermuten manche Kritiker.

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Die Schulden- und die Eurokrise ergeben eine Mischung, der Anleger rechtzeitig Wissen entgegensetzen sollten: Indem sie sich selbst zum Finanzberater ausbilden – eine erfolgversprechende Investition in die Bildung.

Alle wollen sie, kaum einer kriegt sieIn Großbritannien fordern 88 Prozent der Befragten Finanzbildung in der Schule. Doch nur zwölf Prozent haben sie auch wirklich erhalten. In Deutschland wünschen sich 78 Prozent, dass Finanzbildung in der Schule vermittelt wird. Jedoch nur 18 Prozent bekamen diese auch in der Schule. Damit haben etwa 40 Millionen Erwachsene keinerlei Finanzbildung in der Schule erhalten. Quelle: dpa

Um nicht missverstanden zu werden: Ich mag Couscous, ich mag aber auch ein gutes Bildungsniveau. Die Argumente für die gute und umfassende ökonomische Bildung von Kindesbeinen an liegen dabei auf der Hand. Wer wirtschaftlich denken kann, versteht die Welt besser: von der Entwicklung auf den Finanzmärkten über die Entscheidungen der Bundesregierung zur Energiewende bis hin zu den Konsequenzen einer Frühverrentung einer halben Generation. Das hilft der Verbraucherbildung vermutlich ausreichend.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine ökonomische Ausbildung nicht bedeutet, dass Schüler lernen sollen, wie sie als Chefs ihre Mitarbeiter ausbeuten oder als Banker die Kunden ausplündern. Es geht um das Verständnis der Wirkungen ökonomischer Anreize, um das Begreifen der Rolle von Preiselastizitäten der Nachfrage bei Preisveränderungen und um die Funktionsweise von Märkten als ein Instrument der Güter-, Faktor- oder Ressourcenallokation. Es geht darum zu verstehen, wie die Beteiligung an der internationalen Arbeitsteilung (vulgo Globalisierung) so ausgestaltet werden kann, dass möglichst viele Menschen der Armut entkommen können. Und es geht darum zu verstehen, welche Funktion ein Zins als Preis für die Zeit der Überlassung von Erspartem hat, um nur einige zu nennen.

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