Freytags-Frage: Was ist bloß aus dem Bundeswirtschaftsministerium geworden?

kolumneFreytags-Frage: Was ist bloß aus dem Bundeswirtschaftsministerium geworden?

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In der Vergangenheit war das Bundeswirtschaftsministerium so etwas wie das ordnungspolitische Gewissen des Landes, doch heute kommen aus dem BMWi kaum Impulse für eine wirtschaftspolitische Diskussion.

Kolumne von Andreas Freytag

In der Vergangenheit war das Bundeswirtschaftsministerium so etwas wie das ordnungspolitische Gewissen des Landes. Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren.

In Vorbereitung seiner Vorlesung "Grundlagen der Wirtschaftspolitik" im kommenden Wintersemester hat der Kolumnist Anfang dieser Woche wieder einmal die Website des BMWi besucht. Auf der Frontseite waren am 6. Oktober drei Aufmacher: (1) die Suche nach den "TOP 5 der innovativen und effizienten Regionen Deutschlands", (2) die "Start-up Initiative" und (3) "Ja zum Netzausbau". Wenig ordnungspolitisch Grundsätzliches! Danach gab ich den Suchbegriff "Ordnungspolitik" in das dafür vorgesehene Feld ein. Das Ergebnis ist ernüchternd: In 2013 wurde der Begriff in fünf Publikationen des Ministeriums, darunter einschließlich des Jahreswirtschaftsberichts in dreien am 21. Januar, verwendet. Insgesamt findet man 43 Referenzen auf der Website des BMWi.

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Was sagen diese Zahlen aus? Zunächst einmal gar nichts, kann man einwenden. Mindestens zwei Argumente für diese Schlussfolgerung lassen sich finden. Erstens kann man vortragen, dass der Begriff Ordnungspolitik von gestern ist und einen deutschen Sonderweg beschreibt, der sich überholt hat. Die Welt hat sich geändert, und die neuen Herausforderungen brauchen neue Lösungen. Flexibilität ist erforderlich, so wird es zumindest für die Geldpolitik regelmäßig postuliert. Dieses Argument wird von modernen, zeitgemäßen Kollegen gerne vorgetragen. Vergessen wird dabei, dass die moderne Institutionenökonomik im Moment gerade auch mit formalen Methoden zeigt, dass kulturelle und institutionelle Aspekte, die man altmodisch auch ordnungsökonomische Aspekte nennen kann, ganz wesentliche Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung überall auf der Welt sind. Insofern ist das Argument falsch. Ordnungspolitik ist kein deutscher Sonderweg, und sie ist modern.

Nun kann man zweitens argumentieren, Worte seien Schall und Rauch, es kommt auf die Taten an. Egal, ob der Begriff Ordnungspolitik noch Verwendung findet oder nicht, die Beurteilung des Ministeriums hängt nicht an der Verwendung von Begriffen. Einverstanden!

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Schauen wir uns also die Taten an. In der Vergangenheit war das Bundeswirtschaftsministerium so etwas wie das ordnungspolitische Gewissen des Landes. Es hat sozusagen geprüft, ob und inwieweit wirtschaftspolitische Maßnahmen sich als konform mit der Sozialen Marktwirtschaft erweisen. Dabei konnte (und wollte) man im Ministerium nicht immer die reine Lehre vertreten. Berühmt ist das Zitat des ehemaligen Staatssekretärs Otto Schlecht, der sinngemäß immer wieder anmerkte, man dürfe ruhig gelegentlich sündigen (im ordnungspolitischen Sinne), müsse dies aber bemerken und dürfe es auch nicht zu häufig tun. Außerdem kamen immer wieder grundsätzliche Impulse aus dem Ministerium, und wichtige Weichenstellungen wurden von dort aus gesteuert oder aber zumindest begleitet. Der Respekt, den das Haus in der (interessierten) Öffentlichkeit genoss, war hoch, die Jahreswirtschaftsberichte beispielsweise waren Gegenstand von Seminaren an den Universitäten.

Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren. Vielleicht wurde doch zu oft gesündigt? Im Ernst, aus dem BMWi kommen heute kaum Impulse für eine wirtschaftspolitische Diskussion. Dabei wäre es doch so wichtig, dass in einer Zeit, in der grundlegende Weichenstellungen ordnungspolitischer Natur - z.B. in der europäischen Integration im Allgemeinen und der Währungsunion im Speziellen, Infrastrukturpolitik oder der Energiepolitik - anstehen, in Deutschland eine amtliche Stimme zu vernehmen, die die Argumente aufnimmt und zuspitzt.

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