Freytags-Frage: Wie gravierend sind die Folgen von Altersarmut?

kolumneFreytags-Frage: Wie gravierend sind die Folgen von Altersarmut?

Kolumne von Andreas Freytag

Die Aussicht auf Altersarmut in Deutschland in großem Ausmaß ist real. Was das für dramatischen Folgen hat, zeigt ein Blick nach Südafrika oder in die USA.

Viel ist im Moment von drohender Altersarmut mit steigender Tendenz für die Generation der Babyboomer die Rede, vermutlich zurecht. Wenig hört man hingegen davon, wie sich Altersarmut konkret ausdrückt und wer davon wie betroffen sein könnte. Zunächst einmal sollte geklärt werden, wie Altersarmut entstehen könnte und was man politisch dagegen tun könnte und sollte. Der wesentliche Grund für Altersarmut ist natürlich darin zu sehen, dass die Betroffenen in jüngeren Jahren zu wenig Einkommen erzielt haben, um eine angemessene Altersversorgung aufzubauen. Von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene können wenig in die Rentenkasse einzahlen, gleiches gilt für Geringverdiener.

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Als wäre das Problem nicht schon schlimm genug für die Betroffenen und gesellschaftlich überaus drängend, kommt nun eine weitere bedrohte Gruppe hinzu, nämlich der Mittelstand. Anders gewendet: Es droht immer mehr Menschen die Altersarmut. Darunter dürften viele sein, die überhaupt nicht damit rechnen, weil sie einen attraktiven und gut bezahlten Arbeitsplatz haben und weil sie – auch eingedenk des demographischen Wandels – privat zusätzlich vorsorgen. Sie machen sozusagen alles richtig und haben ihre Lektion gelernt.

Die Rezepte der Parteien gegen Altersarmut

  • Gemeinsames Ziel

    Im Ziel sind sich alle einig: Die Geringverdiener von heute sollen nicht die armen Rentner von morgen sein. In ihren Rezepten gegen die Altersarmut unterscheiden sich die Parteien aber. Der Vorstoß von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat einen Wettstreit unterschiedlicher Konzepte ausgelöst.

  • CDU, CSU

    In der Union läuft die Diskussion über Maßnahmen im Kampf gegen die Altersarmut noch. Offen ist bislang, ob CDU und CSU die Pläne von der Leyens für eine Zuschussrente überhaupt akzeptiert. Sie will die Renten von Geringverdienern auf 850 Euro aufstocken lassen; finanziert werden soll dies aus Rentenbeiträgen. Die Hürden für den Erhalt der Zuschussrente sind hoch: Voraussetzung sind ab dem Jahr 2023 dann 35 Beitragsjahre sowie 45 „Versicherungsjahre“, zu denen auch Ausbildung oder Arbeitslosigkeit gehören. Weitere Voraussetzung ist, dass der Empfänger bereits im Erwerbsleben private Zusatzvorsorge betrieben hat. Einkünfte daraus sollen nicht wie bisher bei der Grundversicherung wieder abgezogen werden.

  • SPD

    Auch die SPD will kleine Renten auf 850 Euro aufstocken. Finanziert werden soll dies aber aus Steuermitteln. Die Partei setzt außerdem auf einen massiven Ausbau der Betriebsrenten, der sich in erhöhten Beitragszahlungen bemerkbar machen würde: Jeder Arbeitnehmer soll zwei Prozent des Bruttolohns zur Betriebsrente einzahlen - es sei denn, er widerspricht. Voraussetzung für die Mindestrente sind 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahre. Eine private Zusatzvorsorge ist nicht Bedingung. Wer die Rente auf 850 Euro aufgestockt bekommt, darf - anders als bei von der Leyen - keine anderen Einkünfte beziehen.

  • FDP

    Die FDP lehnt eine beitragsfinanzierte Zuschussrente ab und bewertet auch steuerfinanzierte Modelle sehr skeptisch. Die Liberalen setzen vor allem auf Prävention und wollen die private Vorsorge und die Betriebsrenten stärken. Bei der Grundsicherung wollen sie Freibeträge für private und betriebliche Vorsorge einführen: Der Freibetrag soll bei mindestens 100 Euro liegen. Außerdem will die FDP das Renteneintrittsalter flexibel gestalten.

  • Grüne

    Die Grünen wollen jedem Bürger eine Garantierente zusichern, damit sie nicht auf die Grundsicherung angewiesen sind. Sie soll laut Fraktionschef Jürgen Trittin jedem zustehen, der 33 Jahre lang dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden hat. Diese Garantierente soll leicht über der bisherigen Grundsicherung liegen. Die Bedingungen für diese Garantierente sollen weniger rigide sein als bei von der Leyen geplant.

  • Linkspartei

    Die Linke setzt sich für eine Mindestrente ein, die mindestens 1000 Euro betragen soll. Um die Finanzierung zu gewährleisten, sollen anders als bislang auch Freiberufler, Beamte und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Allerdings könnte es sein, dass sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. In diesem Fall ist der Wirt eine fatale Mischung aus exzessiver Staatsverschuldung und einer diese akkomodierende Geldpolitik. Ergebnis dieser Kombination ist die sog. “financial depression“, d.h. eine dauerhaft negative Realverzinsung. Ein Beispiel: Wer heute 10.000 Euro für 10 Jahre zu einem Zins von 1,5 Prozent (aktueller Satz für 10-jährige Bundesanleihen) anlegt, erhält 11.605 Euro mit Zinseszinsen (ohne wären es nur 11.500) zurück.

Bei 2 Prozent Inflation kostet der Warenkorb, der heute für 10.000 Euro zu haben ist, 12.190 Euro. Der Verlust liegt also bei 585 Euro. Unter denselben Bedingungen und bei 20 Jahren Laufzeit liegt der Verlust schon 1.390 Euro. Rechnet man mit 2,5 Prozent Inflation, liegt der Verlust nach 10 Jahren bei 1295 Euro, nach 20 Jahren bei 2.899 Euro. In dreißig Jahren hat man sogar im zweiten Szenario sogar mehr als die Hälfte an Kaufkraft, nämlich 5.345 Euro, verloren.

Nun ist es noch nicht soweit, dass wir zwanzig oder mehr Jahre in der „financial repression“ leben, aber über zwei Jahre haben wir schon hinter uns, und die letzten Zinsbeschlüsse der EZB lassen keine Wende erwarten. Zumal die Erfahrungen in Japan lehren, dass ein immer stärker von niedrigen Zinsen abhängiger Staat hohe Zinsen um jeden Preis vermeiden muss. Zehn Jahre sind dann schnell ins Land gezogen.

Für viele Bürger könnte sich am Ende dieser Zeit der Sparplan oder die Lebensversicherung als unzureichend herausstellen, obwohl individuelle Pläne vorausschauend warten und die Lebensversicherungen oder andere Kapitalsammelstellen nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben.

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