Freytags-Frage: Wie können wir unser Kulturleben erhalten?

kolumneFreytags-Frage: Wie können wir unser Kulturleben erhalten?

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Müssen wir angesichts der knappen Kassen der öffentlichen Hand befürchten, dass unser reiches Kulturangebot nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden kann?

Kolumne von Andreas Freytag

Die Auswahl an kulturellen Veranstaltungen in Deutschland ist enorm. Angesichts der knappen Kassen muss jedoch befürchtet werden, dass dieses Angebot nicht aufrecht erhalten werden kann.

Der Sommer neigt sich langsam seinem Ende zu, mit den Ferien enden auch zahlreiche Klassik- und Rockfestivals, Kultursommer oder Kulturarenen. Es beginnen nun wieder die Spielzeiten an den zahllosen deutschen Opern, Theatern und Konzertbühnen. Die Auswahl an kulturellen Veranstaltungen, ob Hoch- oder Subkultur, ob bildende Künste, Musik oder Literatur, ob in großen Arenen oder kleinen Sälen, ist bemerkenswert und macht einen wesentlichen Anteil der hohen Lebensqualität der Menschen in unserem Land aus.

Angesichts der knappen Kassen der öffentlichen Hand muss jedoch befürchtet werden, dass dieses Kulturangebot nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden kann. Dies ist keine allzu neuer Befund; es scheint jedoch eine höhere Dringlichkeit als sonst vorzuliegen. Insbesondere Kommunen als Träger vieler kultureller Aktivitäten leiden unter dringenden Haushaltsproblemen. Auch die jüngsten Erfolge der Haushaltspolitik - insgesamt erwirtschaftete die öffentliche Hand in Deutschland einen Überschuss von etwa 8,5 Mrd. Euro - wird daran langfristig nicht viel ändern.

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Im Gegenteil, es droht eher noch schlimmer zu werden. Verschleppte Infrastrukturinvestitionen und die Risiken der Eurorettung in dreistelliger Milliardenhöhe - um nur zwei Gründe zu nennen - werden in den kommenden Jahren den finanziellen Spielraum der öffentlichen Hand weiter einengen.

Aus zahlreichen politökonomischen Studien wissen wir, dass in solchen Fällen diejenigen am meisten leiden, die die geringste Lobby in der Politik besitzen. Konkret heißt dies, dass strukturschwache Industriezweige, Banken, grüne Energie und andere Subventionsempfänger auf der politischen Prioritätenliste oben stehen, während Bildung und Kultur eher unten angesiedelt sind. Es ist also damit zu rechnen, dass der Druck auf die Kulturetats weiter zunehmen wird und dass manche Einrichtung schließen muss und manches Festival oder manche Ausstellung nicht mehr stattfinden wird.

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Dies sollte aus mehreren Gründen verhindert werden. Erstens ist die kulturelle Vielfalt wie gesagt eine Grundlage unserer Lebensqualität; ihre Reduktion stellt uns alle schlechter - und zwar in einem Sinne, der Wachstumsbefürworter und Wachstumskritiker vereint. Wir werden unglücklicher. Es gibt zwar keinen direkten empirischen Beleg, jedoch gibt es Studien, die zeigen, dass das kulturelle Angebot einer Region ein sog. weicher Standortfaktor ist, der die Attraktivität dieser Region für Unternehmen und ihre Mitarbeiter erhöht.

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