Führungs-Spitzen: Karriere per Gesetz

Führungs-Spitzen: Karriere per Gesetz

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Frankreich führt eine Frauenquote für Aufsichtsratspositionen ein. Das ist auch ein Warnschuss vor den Bug der deutschen Konzerne: Tut sich da nicht bald was an der Frauenfront, werden auch bei uns demnächst Karrieren gesetzlich verordnet.

Der Gesetzgeber hat gesprochen: In Frankreich müssen die Aufsichtsräte aller börsennotierten Unternehmen und die Verwaltungsräte aller Betriebe mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz und 500 Mitarbeitern zu mindestens 20 Prozent mit Frauen besetzt werden. In drei Jahren muss das Gesetz umgesetzt sein, binnen sechs Jahren steigt der geforderte Anteil auf 40 Prozent. Hunderte Unternehmen suchen nun im Eilverfahren weibliche Kontrollwächter, insgesamt sollen geschätzte 2700 Positionen neu und weiblich besetzt werden.

Soweit die Fakten – aber was bedeutet das konkret? Zunächst eine große Enttäuschung. Lesen wir doch seit Jahren in den Medien, dass es die karrierebewusste Maman in Frankreich so viel besser habe als die berufsorientierte Mama auf unserer Seite des Rheins: Flächendeckend stehen den Französinnen staatlich geförderte Krippen und Ganztagesschulen zur Verfügung. Doch bei allen Angeboten zur Vereinbarkeit von Kids, Küche und Karriere gibt es in Frankreich offenbar auch nicht mehr weibliche Topmanager als in Deutschland. Laut Arbeitgeberverband Medef liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der größten Aktiengesellschaften bei 15 Prozent. Der Damenanteil im operativen Management im CAC-40 ist trotz aller staatlich geförderter Familienfreundlichkeit mit8 Prozent ebenfalls überraschend bescheiden. Auch die Französinnen arbeiten offenbar lieber weniger exponiert auf der zweiten Ebene.

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Zu wenig Macherinnen

Dieses Phänomen zieht sich leider durch alle Industriegesellschaften: Nirgendwo liegt der Frauenanteil in der operativen Unternehmensführung höher als bei rund 20 Prozent. Selbst in Norwegen, wo die Frauenquote im Aufsichtsrat längt durchgesetzt ist, blieb die Zahl der Lady-Bosse in den Vorständen bislang deutlich unter den Erwartungen zurück. Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: die Anzahl der weiblichen Macher, die wirklich in der allerersten Reihe stehen und gestalten wollen, ist offenbar begrenzt. Lässt sich das mit einer Quote verändern? Ich bezweifle das und vermute, dass wir weltweit niemals mehr als 20 Prozent weibliche Vorstandsvorsitzende sehen werden.

Schon wegen dieser relativen Knappheit weiblichen Führungswillens wird in Frankreich passieren, was in Norwegen eingetreten ist: Es entwickelt sich eine Gruppe von weiblichen Berufs-Aufsichtsräten, die gleichzeitig in vielen Unternehmensgremien sitzen. Denn zur Erfüllung der hohen Quote gibt es nicht genügend Managerinnen, die auf der Topebene im operativen Geschäft stehen.

In Frankreich werden nun Posten nur aufgrund des Geschlechtes vergeben, verbunden mit all dem Ärger, den solche Entscheidungen mit sich bringen – und den fachlichen Konsequenzen. Unausweichlich sinkt damit zumindest in den ersten Jahren die Kompetenz in den Aufsichtsräten: Zu wenige, zu schlecht vorbereitete Frauen werden schlicht zu viele Ämter innehaben. Außerdem wird in den kommenden Jahren kein Mann je eine Chance kriegen, irgendwo in Frankreich ein Aufsichtsratsmandat zu bekommen, was ja nun auch nicht Ziel der Gleichheitsdebatte war.  

Warnschuss vor den deutschen Bug

Im Zeitverlauf wird sich das alles bessern, weil sich die tatsächlich vorhandenen karrierewilligen Frauen in einem positiven Klima schließlich auch für die Top-Jobs qualifizieren werden. Ich bin dennoch der Meinung, dass das umgekehrte Verfahren für die Betriebe gesünder wäre: Die entsprechend ambitionierten Frauen sollten sich erst im General Management beweisen und dann auch die Unternehmen kontrollieren - anstatt dank Quote erst als Aufsichtsrat die Finessen der operativen Unternehmensführung beherrschen zu lernen. 

Aus deutscher Sicht ist die gesetzlich verordnete Frauenkarriere in Frankreich ein Warnschuss: Im Dax sind ganze 2,5 Prozent der Vorstände weiblich und sehen diese Zahlen nicht bald besser aus, bekommen auch wir die Quote. Das Donnergrollen aus Brüssel ist ja bereits laut und vernehmlich. Nichts zu tun und sich den Handlungsspielraum von Politikern aus den Händen nehmen zu lassen, kann für die Entscheider in Deutschland daher keine Option sein. So gesehen sind die Nachrichten aus Frankreich richtig gut: Sie werden einige männliche Dinosaurier aus ihrer Komfortzone jagen. Bleibt zu hoffen, dass sie – einmal aufgewacht - dann in ihrem eigenen Einflussbereich schnell genug tätig werden, bevor auch in Berlin der Gesetzgeber spricht.

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