Führungsstreit zur Unzeit

Zuletzt hatten die übrigen Vorstandsmitglieder ihrem politischen Geschäftsführer gar einen Maulkorb verpasst. Sie hatten beschlossen, dass künftig Parteichef Bernd Schlömer und sein Stellvertreter Sebastian Nerz die Partei bei TV-Auftritten repräsentieren sollen.
„Johannes wurde gebeten, von diesbezüglichen Repräsentationen Abstand zu nehmen“, hatte Schlömer in erklärt. Vorstandsmitglied Matthias Schrade hatte sogar gefordert, in der Geschäftsordnung den Aufgabenbereich „Vertretung nach außen“ für Ponader zu streichen. Dieser Antrag wurde allerdings abgelehnt.
Die Führungskrise kommt für die Piraten zur Unzeit. Zu einer Neuwahl des Vorstandes muss ein Parteitag einberufen werden, doch beim anstehenden Treffen in Bochum soll das Programm erweitert und inhaltliche Lücken geschlossen werden.
Regulär muss der Vorstand im kommenden Jahr neu gewählt werden, über den Zeitpunkt wird seit einiger Zeit gestritten. Geplant sind zwei Parteitage, beim ersten soll nach Ansicht der Mehrheit des Vorstandes allerdings das Wahlprogramm für die Bundestagswahl beschlossen werden.
„Wir brauchen einen Wahlprogramm-BPT, sonst haben wir keines. Ein Wahlparteitag vorher beraubt uns jeglicher Chancen für die BTW“, hatte Parteichef Schlömer auf der Vorstandssitzung am Mittwoch noch gewarnt. Statt sich an Köpfen zu reiben sollte die Partei „lieber ein geiles Wahlprogramm formulieren, mit welchem wir selbstbewusst und mit breiter Brust in den Kampf um die Oppositionsführerschaft der Herzen gehen können“.
Doch dieser Wunsch könnte nach den heutigen Ereignissen obsolet sein.
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