G36-Debatte: Das Aufräumen im eigenen Haus

ThemaRüstung

KommentarG36-Debatte: Das Aufräumen im eigenen Haus

von Cordula Tutt

Verteidigungsministerin von der Leyen rechtfertigt ihr Aus fürs G36. Doch zwei Kommissionen kommen zum Schluss, dass die Abläufe im Ministerium und in der Bundeswehr fehleranfälliger waren als die Gewehre der Soldaten.

Wer das letzte Wort hat, hat die Deutungsmacht. So ist das auch beim Sturmgewehr G36, seit knapp 20 Jahren in verschiedenen Ausführungen die Standardwaffe deutscher Soldaten. Etwas mehr als 165.000 Exemplare des Herstellers Heckler & Koch sind zurzeit noch im Gebrauch.

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G36 Soldaten haben keine Probleme mit dem Sturmgewehr

Eine Experten-Kommission bestätigt, dass Soldaten durch das umstrittene Sturmgewehr G36 weder verletzt noch getötet worden seien. Tests hätten zudem keine Präzisionsmängel offenbart, das Gewehr habe sich bewährt.

Die Debatte um das G36 wird zum Politikum. In der Truppe hat die Standardwaffe der Bundeswehr einen guten Ruf. Quelle: dpa

Am Mittwoch liefen in Berlin drei Gruppen vor Parlamentariern und Journalisten auf, die erklären sollten, ob die Waffe nun ein „Pannengewehr“ ist oder brauchbar und verlässlich im Gefecht.

Nach den beiden ehemaligen Parlamentariern Winfried Nachtwei (Grüne) und Hellmut Königshaus (FDP), die Soldaten umfangreich zu ihren Einsätzen mit dem G36 befragten, sowie dem Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der die Abläufe im Ministerium und bei der Bundeswehr in Bezug auf das Gewehr untersuchte, trat zuletzt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf.

Und die Ministerin beschied: Kein Soldat sei durch das Gewehr zu Schaden gekommen, es gebe auch keine Hinweise auf Korruption zwischen Hersteller und öffentlichen Stellen. Doch sei unmissverständlich, dass die Waffe erheblich unpräzise sei. Deshalb sei das Aus gerechtfertigt.

Dabei hatten beide Kommissionen zuvor andere Schlüsse gezogen: Die Nachtwei-Kommission sah keinerlei Gefährdung der Soldaten durch das Gewehr, sondern lobte es. Die Müller-Kommission legte nahe, dass das Ministerium und die Bundeswehr schwerfällig agiert hätten, so dass Probleme mit der Ausrüstung immer wieder verschleppt statt entschieden worden seien.

Die Debatte um das G36

  • Das Gewehr

    Das Sturmgewehr G36 ist die Standardwaffe der Bundeswehr. Der Hersteller, das deutsche Rüstungsunternehmen Heckler & Koch, hat nach eigenen Angaben 178.000 Gewehre des Typs G36 an die deutsche Armee verkauft. Der Preis: Mehr als 180 Millionen Euro. Das Gewehr zeichnet sich nach Angabe der Bundeswehr durch „seine einfache Bauweise aus, sämtliche Hauptbaugruppen sind mit nur drei Haltebolzen am Waffengehäuse befestigt.“
    Quellen: Bundeswehr, Unternehmen, dpa

  • Die technischen Daten

    Das G36 wiegt 3,63 kg    und verfügt über ein Zielfernrohr sowie ein Reflexvisier. Es handelt sich um einen automatischen Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss im Kaliber 5,56 x 45 Millimeter. Mit dem Gewehr können sowohl einzelne Schüsse als auch Feuerstöße abgegeben werden.

  • Der Vorgänger

    Das G36 löste das G3 ab, das sich seit 1959 im Einsatz bei der Bundeswehr befindet. Bei dem G3 handelt es sich um eine schwerere Waffe im größeren Kaliber 7,62 x 51 Millimeter.

  • Die Debatte

    Ende März 2015 hat die Bundeswehr Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt. „Das G36 hat offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen aber auch im heißgeschossenen Zustand“, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.  In den Jahren zuvor hatte es mehrere widersprüchliche Berichte über die Treffsicherheit des G36 gegeben. Unter anderem war die Munition für Ungenauigkeiten verantwortlichgemacht worden. Daraufhin hatte von der Leyen im Frühsommer 2014 eine Expertenkommission mit Vertretern der Bundeswehr, des Bundesrechnungshofs und des Fraunhofer-Instituts eingesetzt, um Klarheit zu schaffen. Der Abschlussbericht stand zum Zeitpunkt der Äußerungen noch aus.

  • Wo das G36 noch eingesetzt wird

    Das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch wird nicht nur von der Bundeswehr verwendet, sondern auch von Armeen anderer Staaten. In Lettland, Litauen und Spanien ist die Waffe nach Angaben der Bundeswehr ebenfalls als Standardgewehr der Armee im Einsatz. Verwendet wird das G36 zudem von Spezialeinheiten in Jordanien, Norwegen und Mexiko. Aus Bundeswehr-Beständen sind kürzlich G36-Sturmgewehre an die kurdischen Peschmerga-Einheiten im Nord-Irak geliefert worden. Die Kurden sollen damit gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen.

    Im spanischen La Coruña wurde das G36 in Lizenz von General Dynamics Santa Bárbara Sistemas hergestellt. 2008 erteilte die Bundesregierung außerdem eine Genehmigung zur Ausfuhr von Technologie für die Herstellung des Gewehrs in Saudi-Arabien. Diese Genehmigung sieht allerdings nach Angaben der Regierung nur eine Produktion für den Eigenbedarf der saudischen Sicherheitskräfte vor und keine autonome Fertigung ohne Zulieferung von Schlüsselkomponenten aus Deutschland.

Im Frühjahr hatte eine umfassende Untersuchung im Labor ergeben, dass das Gewehr sich bei Dauerfeuer erwärme und dann nicht mehr präzise schießt. Außerdem treffe es ungenau, wenn die Außentemperaturen zu stark schwankten. Deswegen war das G36 im September von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ausgemustert worden. Es soll Schritt für Schritt durch ein anderes Modell ersetzt werden.

Doch so einfach wie von der Leyen glauben machen will, liegen die Dinge nicht. Seit Frühjahr wird gestritten, ob das Gewehr einfach nie für Einsätze wie der in Afghanistan gebaut und geeignet war oder ob dem Hersteller Heckler & Koch anzulasten ist, dass das Gewehr unter bestimmten Bedingungen nicht präzise schießt.

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