Gastkommentar: Merz: „Europa steht am Scheideweg“

Gastkommentar: Merz: „Europa steht am Scheideweg“

, aktualisiert 18. November 2011, 09:28 Uhr
Bild vergrößern

Friedrich Merz.

Quelle:Handelsblatt Online

Der frühere Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, sieht noch große Risiken auf die Euro-Zone zukommen. Entscheidend sei es, dass der gesamte Euro-Raum genügend Wettbewerbsfähigkeit entwickele.

DüsseldorfDie politischen Parteien in Italien und Griechenland seien offensichtlich nicht mehr in der Lage, das politische Führungspersonal zu stellen, das in den Augen der Bevölkerung Vertrauen genießt und zugleich die Kompetenz hat, ihre jeweiligen Länder aus der Krise zu führen. „Monti und Papademos brauchen aber schon bald und immer wieder die Zustimmung der Parlamente, um ihre notwendigen und anspruchsvollen Reformen durchzusetzen“, schreibt Merz in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Die entscheidende Frage werde allerdings sein, ob die Euro-Staaten in der Lage sind, in der mittleren Frist die Ursachen für die Verschuldungskrise zu beseitigen. Dazu gehöre neben dem Ausgabeverhalten der Regierungen und Parlamente vor allem die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit großer Teile des Euro-Raums in einem sich verschärfenden globalen Wettbewerbsumfeld. „Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und leider auch Frankreich haben es sich in der Währungsunion zunächst sehr bequem gemacht. Überall dort sind die verfügbaren Nettoeinkommen der privaten Haushalte schneller gestiegen, als es die volkswirtschaftliche Leistung hergab. Steigende Staatsverschuldung, überproportional steigende Lohnstückkosten und damit einhergehend ein Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit sind der Preis dafür.“

Anzeige

Besonders kritisch schätzt Merz den Zahlungsverkehr der Zentralbanken im Euro-System untereinander für die Abwicklung von großen Überweisungen ein. „Hier entwickelt sich seit Ende 2007 ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen den Euro-Staaten, auf das der Chef des Ifo-Instituts, Werner Sinn, und andere seit längerem mit größer werdendem Nachdruck hinweisen.“ Das Ungleichgewicht habe mittlerweile dramatische Dimensionen angenommen.

Im sogenannten „Target-2-System“ stehen zusätzlich zu den bereits eingegangenen Verpflichtungen durch die verschiedenen Rettungspakete mittlerweile rund 600 Milliarden Euro an weiteren Verpflichtungen in den Büchern, davon allein zulasten der Deutschen Bundesbank rund 500 Milliarden Euro. „Die Risiken für den Fortbestand des Euros sind durch die Verschuldung in Target 2, das eigentlich ein reines Zahlungsabwicklungssystem sein sollte, signifikant weiter gestiegen. Wenn ein Mitgliedstaat aus dem Euro ausscheiden sollte, und für Griechenland wird die Wahrscheinlichkeit trotz aller Rettungsbemühungen täglich größer, entsteht ein Abschreibungsbedarf u.a. bei der Bundesbank, der deren Eigenkapital weit übersteigt.“ Europa stünden noch sehr harte Zeiten bevor.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%