Gaucks Staatsbesuch: "Griechenland braucht eine Abwertung"

Gaucks Staatsbesuch: "Griechenland braucht eine Abwertung"

, aktualisiert 05. März 2014, 19:55 Uhr

Bundespräsident Gauck schlägt auf seiner Griechenland-Reise versöhnliche Töne an. In der DDR habe er Alt-Griechisch gelernt und sich „verbunden mit Hellas“ gefühlt. Zugleich ruft er zu weiteren Reformen auf.

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Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt sind zu einem Staatsbesuch in Griechenland eingetroffen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat zum Auftakt seines Staatsbesuchs in Griechenland zu weiteren Reformen aufgerufen. Zum ersten Mal seit langem würde wieder ein Wachstum für Griechenland vorausgesagt, betonte Gauck in einem Interview der konservativen Athener Zeitung „Kathimerini“. „Ich möchte alle Griechen ermutigen, diesen schwierigen Weg weiter zu gehen – und zwar nicht, um Europa zu Willen zu sein, sondern im ureigenen griechischen Interesse.“

Der Bundespräsident traf am Mittwochnachmittag in Athen ein. Er wird von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet. Bei einer Besichtigung der Akropolis erinnerte Gauck daran, dass er als Schüler in der DDR Alt-Griechisch gelernt habe. „So waren wir ganz oben an der Ostsee im Geiste verbunden mit Hellas“, sagte er und fügte hinzu: „Nun sieht der alte Mann mit den Augen, was er vorher mit seinem geistigen Auge als junger Mann erträumt hat.“
Zum offiziellen Auftakt des Besuchs wird Gauck am Donnerstag von Staatspräsident Karolos Papoulias mit militärischen Ehren begrüßt. Mit einer europapolitischen Rede im Akropolis-Museum will er die enge Verbundenheit Deutschlands mit Griechenland bekräftigen. Er wird sich dabei voraussichtlich auch mit der Kritik auseinandersetzen, die Deutschland und der EU aus Athen entgegengeschlagen ist. Viele Griechen machen die Auflagen, die an Hilfspakete für das Land geknüpft wurden, für Rezession und hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich.

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Am Freitag fliegt Gauck zusammen mit dem griechischen Präsidenten in dessen Heimatstadt Ioannina. Dort wird er der Ermordung griechischer Juden gedenken und in dem Dorf Lingiades an ein Massaker der deutschen Wehrmacht erinnern, bei dem am 3. Oktober 1943 mehr als 80 Menschen ermordet wurden.
In dem Interview ging Gauck auch auf griechische Forderungen nach Reparationszahlungen und Entschädigungen für die deutschen Verbrechen während der Besatzung ein. „Griechenland hat im Zweiten Weltkrieg eine besonders brutale deutsche Okkupation erlebt“, sagte er. Griechische Juden seien systematisch umgebracht worden. „Die rechtliche Frage bezüglich der Reparationen möchte ich hier nicht erörtern, aber lassen Sie mich sagen: Die moralische Schuld wollen wir weder leugnen noch relativieren.“

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Zuletzt hatte der damalige Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2000 Griechenland einen Staatsbesuch abgestattet. Bei einem Aufenthalt von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2012 war es zu massiven anti-deutschen Protesten gekommen. Damit wird diesmal allerdings nicht gerechnet.
Der Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn forderte unterdessen einen befristeten Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch) sagte Sinn: „Griechenland braucht eine Abwertung, um wieder auf den grünen Zweig zu kommen.“ Andernfalls drohe die griechische Gesellschaft zu zerbrechen.

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