GDL-Chef Claus Weselsky: "Ein Lohn für alle"

GDL-Chef Claus Weselsky: "Ein Lohn für alle"

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Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky

von Bert Losse

Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), über die Tarifrunde bei der Bahn und die Entwicklung seiner Gewerkschaft.

wiwo.de: Herr Weselsky, Sie verhandeln seit rund acht Monaten mit Bahn AG und privaten Schienenverkehrsbetrieben über einen einheitlichen Tarifvertrag für die Lokführer. Müssen Sie nicht irgendwann die Reißleine ziehen und sagen: Das haut angesichts der unterschiedlichen Interessenlage von Bahn und ihren Wettbewerbern einfach nicht hin?

Weselsky: Sicher, es geht um eine komplexe Materie. Aber einige Themen sind erfolgreich ausverhandelt, etwa Qualifizierungsfragen und der arbeitsrechtliche Umgang mit einem Betreiberwechsel. Der Knackpunkt ist die Lohnhöhe. Ich bin nicht wirklich optimistisch, dass wir uns da noch friedlich einigen. Wir werden daher Ende Januar eine Zäsur machen. Wenn es bis dahin keine Fortschritte gibt, wird es Warnstreiks geben und dann möglicherweise eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf. Die Friedenspflicht ist ja bereits im Juli 2010 ausgelaufen, bei einigen Privatbahnen sogar schon vor zwei Jahren! Unsere Forderung steht: Wir wollen einen Lohn für alle, der bei 102 Prozent des derzeitigen Lohns bei der Bahn AG liegt. Einen Tarifvertrag unterhalb der 100 Prozent können wir nicht akzeptieren, weil dann 90 Prozent der Lokführer schlechter gestellt würden.

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Das würde vor allem bei den Privatbahnen hohe Kostensteigerungen verursachen. Müssen Sie da nicht zumindest bei der Laufzeit Zugeständnisse machen?

Wir wollen ein einheitliches Tarifgebilde über die gesamte Republik, damit betreten wir tarifpolitisches Neuland. Da macht eine längere Laufzeit Sinn, zwölf Monate wären da wohl zu kurz.

Kerngesunde Gewerkschaft

Viele Gewerkschaften haben während der Krise Mitglieder verloren. Sie auch?

Nein. Die GDL ist eine kerngesunde Gewerkschaft. Wir wachsen zwar nicht mehr rasend schnell, aber kontinuierlich. Auch 2010 hatten wir mehr Eintritte als Austritte und liegen aktuell bei knapp 34.000 Mitgliedern. Was uns von vielen anderen Gewerkschaften unterscheidet, ist zudem die Altersstruktur: Der Anteil der Mitglieder, die noch im Berufsleben stehen, liegt bei 72 Prozent, davon können andere nur träumen.

Wie hoch ist Ihr Organisationsgrad in den Unternehmen?

Bei der Bahn AG sind es knapp 80 Prozent, bei den Privatbahnen im Schnitt um die 70 Prozent, Tendenz steigend.

Ihre Gewerkschaftskonkurrenten Transnet und GDBA haben sich im November zur neuen Verkehrsgewerkschaft EVG zusammengeschlossen. Sehen Sie nun eine neue Chance auf Annäherung und Kooperation?

Nein. Die alten Gräben sind zwar durch die EVG-Gründung nicht tiefer geworden. Aber sie sind noch da.

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