Geburtenflaute: Kinderkriegen für Deutsche weiter unattraktiv

Geburtenflaute: Kinderkriegen für Deutsche weiter unattraktiv

Kinderwunsch und Deutschland - das passt immer schlechter zusammen, bilanziert eine neue Studie. Stimmt nicht, rufen CDU-Politiker und verweisen auf jüngste Errungenschaften. SPD-Vize Schwesig reicht das nicht, sie fordert eine familienfreundlichere Arbeitswelt.

Kinderkriegen ist in Deutschland einer neuen Studie zufolge noch immer unattraktiv. Als Hauptgrund für die anhaltende Geburtenflaute nennt die am Montag bekannt gewordene Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung den Konflikt von Beruf und Familie. Hinzu komme eine fehlende gesellschaftliche Anerkennung für berufstätige Mütter hierzulande.

In der Erhebung kombinierte das Institut, das dem Bundesinnenministerium unterstellt ist, bekannte Daten zur Familienforschung mit Einstellungen der Deutschen zum Kinderkriegen. Laut Studie messen Kinderlose dem Beruf deutlich mehr Bedeutung bei als einer Familiengründung. Nicht einmal die Hälfte der Kinderlosen zwischen 18 und 45 glaubte demnach, ein Kind in den nächsten drei Jahren würde sie zufriedener machen.

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Die Untersuchung, über die zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte, macht einige Bevölkerungsgruppen aus, die zu besonders vielen Kindern neigen. Dazu gehören unter anderem Verheiratete, Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss, auf dem Land Lebende und Migranten. Unter den Migranten bekämen vor allem türkischstämmige überdurchschnittlich viele Kinder.

Familie und Beruf Väter machen mit Kindern Karriere

Immer mehr Unternehmen fördern die Karrieren von Manager mit Kindern und unterstützen sie in der Elternzeit.

Quelle: Dieter Mayr für WirtschaftsWoche

Der Studie zufolge steigen auch die Anforderungen an die Eltern. So wird der Rolle der Mutter eine besonders große Bedeutung beigemessen. Der Aussage, ein Kleinkind würde darunter leiden, wenn die Mutter berufstätig ist, stimmen 36 Prozent der Menschen in Ostdeutschland zu. Im Westen teilen diese Annahme sogar 63 Prozent.

Das Bundesfamilienministerium rechtfertigte in einer Reaktion auf die Studie die eigene Politik: Kindertagesstätten würden weiter ausgebaut, das Elterngeld werde nicht gekürzt, das Betreuungsgeld werde eingeführt. Mehr Engagement müsse die Wirtschaft zeigen. „Mehr Betriebskindergärten, mehr Anerkennung von Teilzeitarbeit - das müssen die Unternehmen als Investition und nicht als Belastung wahrnehmen“, sagte eine Sprecherin.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig hingegen kritisierte die Arbeits- und Familienpolitik der schwarz-gelben Koalition: „Die Bundesregierung befördert die Unsicherheit und Ausbeutung am Arbeitsmarkt. Nicht die Familien müssen arbeitsfreundlicher werden, sondern die Arbeitswelt muss endlich familienfreundlicher werden.“

"Es fehlt an Überzeugung"

„Wir haben große Defizite bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und es fehlt leider auch das Bewusstsein und die feste Überzeugung, dass Kinder wirkliches Glück ins Haus bringen“, sagte auch Präsident Heinz Hilgers der „Passauer Neuen Presse“. „Junge, intelligente Frauen entscheiden sich nicht wegen des Elterngeldes oder 150 Euro Betreuungsgeld für Kinder.“ Eltern wollten keine „Massen-Kindertagesstätten, sondern qualitativ hochwertige Angebote“, dies gelte gerade für die Höherqualifizierten.

Kinderbetreuung XL Elternzeit auch für Oma und Opa

Die Bundesfamilienministerin will auch Großeltern künftig einen Rechtsanspruch zugestehen, für die Betreuung der Enkel aus dem Job auszusteigen.

Während die Diskussionen um das Betreuungsgeld noch auf Hochtouren laufen, fordert Familienministerin Schröder eine Auszeit für Senioren, die ihre Enkel betreuen Quelle: dpa

Die CSU-Familienexpertin Dorothee Bär sagte, in Deutschland seien Kinder häufig ein lange geplantes Megaprojekt, während sie zum Beispiel in Frankreich ganz selbstverständlich zum Leben dazugehörten. „Sie werden nicht minuziös zu einer bestimmten Lebensphase geplant, sondern sind zu jeder Zeit willkommen“, sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dass Paare sich gegen Kinder entscheiden, weil sie den Erwartungsdruck der Gesellschaft fürchten, nannte Bär „eine ungute Entwicklung“. „Was jungen Paaren und Eltern Mut macht, sind Vorbilder aus allen Bereichen, die ihnen die Lust aufs Kind vorleben“, sagte sie.

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt nannte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie „eines der zentralen Anliegen der deutschen Arbeitgeber“. Nachholbedarf habe vor allem die Politik, sagte Hundt den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Um Erziehenden dabei zu helfen, Familie und Beruf erfolgreich miteinander zu vereinbaren, muss der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur höchste Priorität erhalten.“ Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, könne allerdings nur gelingen, wenn alle gesellschaftlichen Akteure zusammenwirkten.

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In Deutschland liegt die Geburtenrate seit 1975 konstant niedrig zwischen 1,24 und 1,45 Kindern pro Frau. Im Jahr 2010 waren es 1,39 Kinder, 2011 dann 1,36. Zum Vergleich: Die meisten Geburten in Europa verzeichnet Island mit 2,2 Kindern pro Frau. Auch in Frankreich und Skandinavien werden deutlich mehr Kinder geboren als bei uns. An letzter Stelle in Europa rangiert mit 1,17 Kindern Lettland.

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